Es sind die Kerzen, diese abertausend Kerzen, deren Schein einen sofort umhüllt mit seinem warmen Licht. Die die Hektik eines Jahres auf Anhieb vertreiben, als leuchtende Symbole des Miteinanders in einer Zeit, in der ein Miteinander immer schwerer zu werden scheint. Doch wenn die ersten Noten erklingen, „Ihr Kinderlein kommet“ angestimmt wird, und ein Blick durch die Alte Försterei genügt, um festzustellen, wie einfach ein Miteinander sein kann, trotz Kälte und Regens, dann wohnt man dem Weihnachtssingen des 1. FC Union bei.

Alle Jahr wieder werden in Köpenick ein letztes Mal vor dem Heiligabend Tür und Tor weit gemacht, um sich fröhlich und selig an der Stillen Nacht zu erfreuen, die dank der 28.500 Männer, Frauen und Kinder erst so stimmungsvoll wird. Berlins größter Weihnachtschor, stimmlich geführt vom Chor des Emmy-Noether-Gymnasiums, ist längst zur lieb gewonnen Tradition geworden, inklusive des kleinen Posaunenchors, der gern auch einfach eine der zahlreichen Union-Hymnen anstimmt.

Gänsehautstimmung in der Alten Försterei
Gänsehautstimmung in der Alten Försterei© Paul Zinken/dpa

Zur Tradition gehört auch die Weihnachtsgeschichte, verlesen von Pfarrer Ullrich Kastner, der Peter Müller, seit Anbeginn des Weihnachtssingens dabei, inzwischen abgelöst hat. Eine Weihnachtsgeschichte, die sich für Unioner wie folgt anfühlt: Es begab sich aber zu jener Zeit, dass ein Gebot von der Deutschen Fußball Liga ausging, dass der Zweitligist sich mit anderen messen würde. Und die Messung war im dritten Profijahr und geschah zu der Zeit, als Mirko Votava Trainer in Köpenick war, im Jahre 2003. Da machten sich auf 89 „Alt-Unioner“, auf dass sie den Kummer ob des drohenden Sturzes in die Drittklassigkeit mit ihren Liedern am Mittelkreis mildern würden. Und der Chor sprach: „Fürchtet euch nicht, wir verkünden große Freude, die allen Unionern widerfahren wird.“ Und als die Lieder gen Himmel fuhren, sprachen die Alt-Unioner untereinander: Lasst uns nun gehen und die Geschichte erzählen.

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Die Zahl der Weihnachtssänger wuchs stetig, 2006 waren es schon 2000, ein Jahr später bereits 4000. Selbst als das Stadion während der Sanierungsarbeiten im Jahr 2008 gesperrt war, ließen sich die Unioner ihr Weihnachtssingen nicht nehmen – und zogen in den Luisenhain in die Altstadt Köpenick. Inzwischen sind die 28.500 Tickets innerhalb weniger Stunden ausverkauft.

90 Minuten, so lange wie ein Fußballspiel, wird gesungen, auch das „Vater unser“ gebetet, dann entschwindet ein jeder hinaus in den vorweihnachtlichen Abend. Begleitet vom Schein dieser unzähligen Kerzen, deren warmen Schein man unbedingt mit nach Hause nehmen möchte. Fröhliche Weihnacht überall.