Zweite Liga

Doppelter Einsatz für Union

Zwischen Ostderby in Aue und Weihnachtssingen in Köpenick: Der Zweitligist hofft auf erfolgreichen und besinnlichen Jahresabschluss.

Union schwört sich für die letzte Aufgabe des Jahres in Aue ein

Union schwört sich für die letzte Aufgabe des Jahres in Aue ein

Foto: Maja Hitij / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Dirk Zingler, der Präsident des 1. FC Union, hat eine einfache Lösung, um den Spagat zu bewältigen, der auf die Fans des Berliner Fußball-Zweitligisten wartet. Um die bis zu dreieinhalbstündige Rückreise vom Erzgebirgsstadion in Aue zur Alten Försterei in Köpenick zu bewältigen, „lasse ich meinen Sohn fahren“, so der Klubchef .

Eine ambitionierte Aufgabe, denn viel mehr Zeit steht nach dem Abpfiff des Ostderbys zwischen Aue und Union (13.30 Uhr, Sky) und dem Beginn des Weihnachtssingens (19 Uhr) auch nicht zur Verfügung. Eine Herausforderung, die auch ein Teil der 1750 Anhänger vor sich hat, die die Mannschaft von Trainer Urs Fischer im letzten Auftritt des Jahres unterstützen werden.

Angesichts der 28.500 Besucher, die sich im größten Weihnachtschor der Hauptstadt für die Feiertage einstimmen werden, eine durchaus verschmerzbare Schnittmenge. Wohl auch deshalb gab es für die Köpenicker keinen Grund, das Weihnachtssingen zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden zu lassen.

Fußball oder Weihnachtssingen

„Wir haben das diskutiert, am Ende sind wir da aber ein Stück weit konservativ“, erklärte Zingler: „Für uns ist das Weihnachtssingen etwas sehr Traditionelles. Wenn wir anfangen, es beliebig zu gestalten, an Dingen ausrichten, die rundherum passieren – mal ist es ein Spiel, nächstes Mal ist es ein Sponsor, der eine Live-Übertragung wünscht – nein. Das Weihnachtssingen ist seit 16 Jahren am 23. Dezember um 19 Uhr, Punkt, Aus.“

Die Menschen müssten sich eben entscheiden, ob sie zum Fußball gehen oder zum Weihnachtssingen, machte der Union-Boss noch einmal deutlich: „Die Anträge und Wünsche auf Anpassung vielfältiger Art sind enorm. Das Beste, was wir aus unserer Sicht tun können: Es bleibt so, wie es ist.“

Zumal die Prioritäten bei einem Fußballverein ohnehin zunächst auf dem Sportlichen liegen sollten. Selbst Torsten Eisenbeiser, einer von jenen 89 Mitgliedern des Fan-Clubs „Alt-Unioner“, die 2003 das Weihnachtssingen in einer Art Guerilla-Aktion erfanden, ließ wissen: „In erster Linie sind wir Fußball-Fans. Und die Mitglieder, die Karten kaufen, nehmen nicht unbedingt Fans mit, sondern Sympathisanten, die unserem Verein sehr wohlgesonnen sind.“

Trainer Fischer mahnt vor schwieriger Aufgabe

Für Trainer Urs Fischer steht natürlich das Spiel im Vordergrund. Der Schweizer freut sich vor allem auf die erneute Unterstützung in der Fremde. „Wenn 1750 Unioner dabei sind, wird die Stimmung entsprechend sein. Und das Gute ist ja, dass das Spiel um 13.30 Uhr beginnt und das Weihnachtssingen erst um 19 Uhr. Also gehe ich davon aus, dass alle Leute uns erst die Daumen drücken, wir zuerst unsere Arbeit machen müssen, und sie sich dann nach dem Spiel aufs Singen konzentrieren.“

Dass die Spieler ihren Fokus auf den Rückrundenstart in Aue gerichtet haben, dürfte spätestens seit der Kölner Niederlage gegen Bochum (2:3) der Fall sein. Mit einem Sieg und dem Ausbau der Serie auf dann 18 Spiele ohne Niederlage kann Union den Abstand zu Aufstiegsplatz zwei auf zwei Punkte verkürzen. Zugleich gilt es, den FC St. Pauli wieder hinter sich zu bringen. Die Hamburger beendeten ihr Fußball-Jahr mit einem 4:1 (1:1) gegen Magdeburg und liegen nun drei Punkte vor den Berlinern.

Doch die letzte Aufgabe des Jahres für Union sei eine schwierige, mahnte Fischer: „Die letzten beiden Spiele hat Aue 5:0 in Fürth gewonnen, das haben noch nicht so viele Mannschaft geschafft. Und gegen Darmstadt waren sie 2:0 in Führung, da hatte ich nicht das Gefühl, als würde Darmstadt noch einmal zurückkommen (das Spiel endete 2:2, d.Red.). Sie werden noch einmal alle Kräfte mobilisieren, um uns das Leben schwer zu machen.“ Zumal die Sachsen sich nach einem schwachen Start in die Saison reingearbeitet haben, zuletzt wurden drei Spiele in Folge nicht verloren. Aues Trainer Daniel Meyer gibt sich entsprechend angriffslustig: „Es macht einen besonderen Reiz aus, die Ersten sein zu können, die Union schlagen.“

Aue erlaubt dem Gegner die meisten Torschüsse

Dass es sich für Union lohnen dürfte, von Beginn an Druck zu machen, zeigt ein Blick auf die Statistik. Aue gestattete dem Gegner in der Hinrunde 279 Torschüsse, so viele wie keine andere Mannschaft in der Liga.

Es gilt, sich mit einem guten Gefühl in die Winterpause zu verabschieden. Für Aue heißt das, mit einem größeren Abstand zu den Abstiegsplätzen ordentlich durchatmen zu können, und für Union, erster Verfolger des Spitzenduos Hamburger SV und Köln zu bleiben.

Wer es dann aus Aue doch nicht rechtzeitig zum Weihnachtssingen schaffen sollte, auf den wartet zumindest eine ganz kleine Alternative: Der RBB überträgt die Veranstaltung in der Alten Försterei zeitversetzt ab 20.15 Uhr.