Man kann es drehen, wie man will, selten war der 1. FC Union in der Zweiten Liga erfolgreicher als in dieser Saison. Nur 2009/10, im ersten Jahr nach der Zweitliga-Rückkehr, standen die Köpenicker nach sechs Spieltagen ebenfalls noch ohne Niederlage da und thronten zudem als Spitzenreiter über der Konkurrenz. Freude mag darüber an der Alten Försterei jedoch nicht aufkommen. Das hat natürlich mit den gestiegenen Ansprüchen zu tun, vor allem aber mit den Auftritten der Mannschaft von Trainer Urs Fischer in den vergangenen drei Spielen.
Remis in Sandhausen, Remis gegen Duisburg, Remis in Bielefeld – „das ist nicht mal im Ansatz genug, wenigstens eines der drei Spiele hätten wir gewinnen müssen. Wenigstens.“ Es war Stürmer Sebastian Andersson, der den Finger in die Wunde legte, die Union seit Wochen zu schaffen macht. „Unser Offensivspiel ist derzeit nicht gut. Wir haben immer wieder Möglichkeiten, um Chancen zu kreieren, doch der letzte Lauf, der letzte Pass fehlt“, monierte der Schwede.
Es wirkt, als stünde der Defensivgedanke, den Fischer der Mannschaft eingeimpft hat, einem befreiten Offensivdrang im Wege. Der Schweizer wurde geholt, um in erster Linie dafür zu sorgen, dass sich Union im Abwehrverhalten besser präsentiert. Der Erfolg lässt sich auch hier eindeutig ablesen: Nur fünf Gegentore zu diesem Zeitpunkt einer Saison gab es zuletzt im Zweitliga-Premierenjahr 2001/02.
„Müssen energischer auf das 2:0 gehen“
Dennoch ist es bezeichnend, wenn sich die Köpenicker wie schon zuvor beim 2:2 gegen Duisburg nach dem Führungstreffer vor allem darauf besinnen, keinen Treffer zu kassieren. „Wir müssen noch energischer auf das 2:0 gehen, das ist ein sichereres Ergebnis. Und wir müssen die Konter besser ausfahren“, sagte Innenverteidiger Marvin Friedrich. Er lieferte die Begründung auch gleich mit: „Hinten kann man immer ein Tor fangen, das geht so schnell im Fußball.“ Erst recht wenn man den Gegner einlädt, denn es ist bezeichnend, wenn Bielefelds Trainer Jeff Saibene analysiert: „Wir waren offensiv präsenter.“
Natürlich zählt es zu den Hauptaufgaben eines Coaches, vor allem das Positive herauszustellen, um die eigene Mannschaft zu stärken. Folglich machte Fischer trotz der Ein-Punkt-Wochen deutlich: „Wir haben auch dreimal nicht verloren.“ Um dann aber auch hinterherzuschieben: „Wenn du 1:0 in Führung bist, denke ich, wären drei Punkte möglich gewesen.“
Mut spielt hier eine entscheidende Rolle. Dass Fischer Mitte der zweiten Halbzeit im offensiven Mittelfeld positionsgetreu wechselt (Robert Zulj für Felix Kroos, Simon Hedlund für Akaki Gogia), zum Schluss sogar mit Julian Ryerson für Marcel Hartel die Defensive verstärkt, offenbart, wie fragil Union in dieser Spielzeit noch ist. Denn weder das Offensiv-Trio, das von Beginn an auf dem Platz stand, noch die Eingewechselten vermochten es, den Angriffsaktionen nachhaltige Wirkung zu verleihen. „Schlussendlich müssen oder können wir mit dem Punkt leben“, sagte Fischer. Die Gesichter seiner Spieler zeigten, dass es eher ein Müssen ist.
HSV hilft Union mit Heimdebakel gegen Regensburg
Dass die Berliner dabei immer noch in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen bleiben, ist der Konkurrenz geschuldet. Vor allem dem Hamburger SV, der beim 0:5 (0:3) gegen Jahn Regensburg ein Debakel erlebte. Nie verlor der Bundesliga-Absteiger vor heimischem Publikum höher, nicht einmal gegen die Bayern.
Und da auch Greuther Fürth beim 0:2 in Heidenheim die erste Saisonniederlage einstecken musste, bleibt Union als nun Fünfter zwei Zähler hinter den ersten zwei Plätzen – als einziges Team ohne Niederlage in Liga zwei.





