Zweite Liga

Union bremst sich selber aus

Union verspielt gegen Regensburg zweimal eine Führung, zeigt jedoch aufsteigende Form. Verbaler Fauxpas von Trainer Hofschneider.

Regensburgs Alexander Nandzik (l) und Unions Steven Skrzybski kämpfen um den Ball.

Regensburgs Alexander Nandzik (l) und Unions Steven Skrzybski kämpfen um den Ball.

Foto: pa

Berlin. Wie versteinert saß Daniel Mesenhöler vor seinem Tor. Der eisige Wind, der durch die Alte Försterei wehte und die ohnehin schon klirrende Kälte noch unangenehmer machte, hatte er völlig ausgeblendet. Erst als Toni Leistner auf ihn zukam, sich mit seinem Torwart abklatschte und ihm aufhalf, war die Nummer eins des 1. FC Union wieder zurück in der Gegenwart. Weg von jener Szene, die den Schlusspunkt zum 2:2 (1:0) gegen Jahn Regensburg eingeleitet hatte.

Eine Szene, an der Mesenhöler und Leistner maßgeblichen Anteil hatten. „Normalerweise sagt man ja, dass man im Zweifel hingehen soll, auch wenn man vielleicht mit dem eigenen Mann zusammenstößt und sich dabei eine Platzwunde holt“, analysierte Trainer André Hofschneider: „In dieser Situation wäre es aber vielleicht besser gewesen, wenn beide weggeblieben wären.“ Waren sie aber nicht. Stattdessen behinderten sich die beiden Profis gegenseitig, statt den Ball ins Aus gehen zu lassen. Oder in Mesenhölers Hände. Doch Leistner, nach zwei Spielen Pause wieder in der Startelf, wollte unbedingt zeigen, dass er zuletzt gegen Aue (0:0) zu Unrecht nur auf der Bank saß. Entsprechend übermotiviert ging Leistner zur Sache und offenbarte nicht nur in jener 88. Minute Abstimmungsschwierigkeiten mit seinem Schlussmann. So kam, was kommen musste in der Lage, in der sich Union derzeit befindet. Den ins Spielfeld zurückspringenden Ball wollte Linksverteidiger Kristian Pedersen aus dem Strafraum hämmern – doch er traf das Bein des Regensburgers Benedikt Gimber. Strafstoß, ein Schuss von Marvin Knoll, 2:2. Und der Abschluss einer Partie, die Union nicht hätte verlieren dürfen.

Kroos und Hosiner erzielen ihre ersten Saisontore

„Zweimal haben wir geführt, am Ende spielen wir aber nur 2:2. Natürlich sind wir enttäuscht über das Ergebnis“, erklärte Hofschneider. Denn anders als noch vor einer Woche im Ostderby gegen Aue, das aus Union-Sicht nur bedingt etwas mit Fußball zu tun hatte, präsentierten sich die Hausherren vor 21.284 Zuschauern wesentlich aufgeräumter. Der Trainer hatte wieder auf die Dreierkette in der Abwehr umgestellt, die die Außenspieler Pedersen und Christopher Trimmel bei gegnerischen Angriffen verstärkten. Und da die Regensburger selbst dem Offensivspiel zugetan waren, ergaben sich Räume, mit denen die Köpenickern oft auch wieder etwas anfangen konnten.

Schon nach sechs Minuten hatte Steven Skrzybski die erste Chance zur Führung, fand jedoch in Jahn-Torwart Philipp Pentke seinen Meister. Es dauerte bis zur 45. Minute, ehe endlich gejubelt werden durfte, nachdem Felix Kroos es überlegt aus dem Hinterhalt versuchte und traf. „Gott sei Dank hat der Schiedsrichter nicht auf Strafstoß für Philipp Hosiner entschieden, sondern Vorteil laufen lassen“, kommentierte Unions Kapitän seinen ersten Saisontreffer.

Auch Hosiner sollte seine Chance bekommen – und sie nutzen. Von Skrzybski angespielt, schlug der Österreicher noch einen Haken, ehe er ebenso überlegt einschlenzte (64.). „Ich bin froh, dass ich nach langer Zeit mal wieder getroffen habe. Das ist gut für die Seele eines Stürmers“, sagte Hosiner. Es war die schnelle Antwort auf den Regensburger Ausgleich fünf Minuten zuvor durch Marco Grüttner. Schnell, direkt und ballsicher hatten sich die Oberpfälzer präsentiert, getreu dem Credo von Jahn-Coach Achim Beierlorzer, dessen Spielstil unverkennbar die Fußballschule von RB Leipzig erkennen ließ, wo Beierlorzer zuvor gearbeitet hatte.

Am Ende blieb für Union nur die Erkenntnis, den Sieg selbst verpasst zu haben, weil in der Phase nach der Pause beste Chancen ungenutzt blieben (Skrzybski/49., Torrejon/52., Prömel/52.). „Da hätten wir die Partie entscheiden müssen“, so Kroos.

In der zweiwöchigen Länderspielpause hofft Trainer Hofschneider darauf, dass „der eine oder andere Verletzte“ wieder zurückkommt. Gemeint ist vor allem Akaki Gogia, der kurzfristig mit doppeltem Bänderriss ausgefallen war. Laut Hofschneider kein Problem, „wir sind ja hier kein Mädchenpensionat, ohne hier irgendjemandem zu nahe treten zu wollen“. Dennoch ein verbaler Fauxpas, auf den der Union-Trainer lieber verzichtet hätte.

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