Zweite Liga

Unions Festung bröckelt immer mehr

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Michael Färber
Der Gegner jubelt, Union (hier Maximilian Thiel) verzweifelt

Der Gegner jubelt, Union (hier Maximilian Thiel) verzweifelt

Foto: Annegret Hilse / picture alliance / dpa

Zweitligist Union verspielt den Nimbus als heimstarke Mannschaft. Das kann fatale Auswirkungen auf den Rest der Saison haben.

Berlin.  Nina Hagen besingt es seit Jahren, und seit Jahren singen alle Fans des 1. FC Union mit. „Wer schießt gern ein Extra-Tor?“ heißt es in der Hymne des Berliner Fußball-Zweitligisten. „Eisern Union, eisern Union“, schallt es dann von den Rängen. Vielleicht sollte man in Köpenick langsam eine Anpassung der Textzeile erwägen. „Wer kriegt gern ein Extra-Tor“ wäre der aktuellen Situation der Unioner ohne Zweifel angemessen.

Das 3:3 gegen den 1. FC Nürnberg hat es wieder einmal offenbart: Unions Defensivverhalten ist nicht ausreichend, um einen ernsthaften Schritt aus dem Keller der Zweiten Liga machen zu können. „Wenn man in zwei Phasen so verteidigt, muss man gegen Nürnberg schon vier Tore schießen, um zu gewinnen. Das geht natürlich auch nicht immer“, sagte Unions Trainer Sascha Lewandowski.

Die Gegentore gegen die Franken waren ein Spiegelbild vor allem der vergangenen Heimspiele. Vor dem 0:1 wurde die linke Abwehrseite mit einem simplen Doppelpass ausgehebelt. Die anderen Gegentreffer resultierten aus Passivität (Nürnbergs Alessandro Schöpf durfte ungehindert durch die Union-Hälfte spazieren) und taktischem Fehlverhalten. Weil Toni Leistner beim Freistoß von Danny Blum auf der Linie des Union-Tores steht, um die Torecke hinter der Mauer abzudecken, hebt er die Abseitsposition von Torschütze Patrick Erras auf. Kleinigkeiten, die immer wieder große Wirkung zeigen. „Wir sind nicht die Stabilsten dieses Jahr“, sagte Ersatzkapitän Maximilian Thiel.

Es stellen sich Fragen nach Qualität und Verstärkungen

Vieles hat Trainer Lewandowski bereits ausprobiert, um die richtige Defensive zu finden. Personelle Veränderungen, taktische Variationen, teambildende Maßnahmen – nichts scheint dauerhaft zu helfen. Was mehr und mehr die Frage nach der Qualität und Verstärkungen aufkommen lässt. Wer seit Wochen so viel mit sich selbst zu tun hat, ist kaum in der Lage, fehlerfreie Leistungen abzuliefern. Insofern könnte frisches Blut durchaus helfen, ganz zu schweigen von der Unbefangenheit, mit der neue Spieler an die Situation herangehen würden.

Ein Zugang für den Winter ist schon avisiert. Fabian Schönheim arbeitet nach auskurierter Muskel- und Sehnenverletzung im rechten Oberschenkel seit Wochen am Comeback, auch wenn mit einem Einsatz in diesem Jahr wohl nicht mehr zu rechnen ist. Als robuster Innenverteidiger wäre Schönheim eine Option, um die Defensive zu stärken, nur eben nicht mehr in den letzten fünf Spielen bis zur Winterpause.

Mit der defensiven Schwäche geht jedoch noch eine andere Problematik einher: die schwindende Heimstärke. Über Jahre hinweg hat sich Union einen Status erarbeitet, der jeden Gegner durchaus mulmig nach Köpenick hat reisen lassen. Man wusste: Geht es zu Union, wird es verdammt schwer, einen Punkt, geschweige denn einen Sieg mitzunehmen. Doch die Festung in Köpenick ist längst brüchig geworden, die Alte Försterei bereitet den Gästeteams zunehmend weniger Schrecken. Sowohl der SC Paderborn (0:2) als nun auch Nürnberg gingen mit Volldampf in die Partien, wohl wissend, dass selbst bei einem oder zwei Gegentoren immer noch etwas möglich ist.

Nie holte Union weniger Heimpunkte

So geht den Berliner eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Säule verloren, wenn es darum ging, eine gute Rolle in der Liga zu spielen oder zumindest den Klassenerhalt sicherzustellen.

Ein Blick in die Statistik bestätigt: Union hat nur eines von acht Spielen vor eigenem Publikum gewonnen und holte gerade einmal acht Punkte bei 14:16 Toren. Nie war die Heimbilanz der Köpenicker in einer Zweitliga-Saison zu diesem Zeitpunkt schlechter. Nicht einmal im Abstiegsjahr 2003/04, da hatte Union bereits vier Siege und 13 Punkte auf dem Konto.

Aktuell bleibt Union auf Rang 14. Doch die (Nicht-)Entwicklung der vergangenen Wochen lässt Schlimmes befürchten.