Zweite Liga

Union-Trainer Lewandowski fordert den zweiten Schritt

Für Union soll endlich ein zweiter Sieg in Folge herausspringen. Dabei hat der Zweitligist etwas mit dem Gegner Nürnberg gemein.

Unions Trainer Sascha Lewandowski nimmt seine Mannschaft stärker in die Pflicht

Unions Trainer Sascha Lewandowski nimmt seine Mannschaft stärker in die Pflicht

Foto: Bernd Settnik / dpa

Berlin.  Der Glubb is a Depp! Das Bekenntnis der Fans des 1. FC Nürnberg zu ihrem Verein ist nur allzu bekannt. Und nachvollziehbar angesichts des Alleinstellungsmerkmals im deutschen Profifußball. Die Nürnberger stiegen 1969 als amtierender Meister und 2008 als DFB-Pokalsieger aus der Bundesliga ab. Der Klub ist ein Depp.

Was das mit dem 1. FC Union zu tun hat? Zum einen empfängt der Berliner Fußball-Zweitligist die Nürnberger am Sonnabend zum Punktspiel in der Alten Försterei (13 Uhr). Zum anderen kann die fränkisch-fatalistische Treuebekundung aktuell auch ohne weiteres auf die Köpenicker angewendet werden. Immer, wenn Union mit einem Sieg die Wende geschafft und zum Sprung aus dem Tabellenkeller angesetzt zu haben schien, setzte es im nächsten Spiel eine Niederlage, und das ganze Spielchen ging von vorne los.

Das war nach dem Einstand von Trainer Sascha Lewandowski mit dem 3:0 in Karlsruhe so (1:2 gegen Fürth ), und auch nach dem 3:2 gegen Duisburg der Fall (1:2 in Braunschweig ). Zuletzt gab es übrigens ein 2:0 in Heidenheim ...

Meister in Halbzeit eins, danach nur im Ligakeller

Wenn Lewandowski angesichts dieser Misere davon spricht, „nur von Spiel zu Spiel“ zu denken, klingt das nach einer im Business üblichen Floskel. Doch dem Coach bleibt gar nichts anderes übrig. „Das geht stark in Richtung Pragmatismus“, sagte Lewandowski: „Die spielerische Weiterentwicklung war schön, hat uns aber keine Punkte gebracht.“ Die permanenten Gegentore in den Schlussphasen haben zu oft wichtige Punkte gekostet.

Die Zahlen belegen: Legt man nach 13 Spieltagen nur die ersten Halbzeiten zu Grunde, liegt Union mit 27 Punkten vorn, vor Freiburg (26) und Kaiserslautern (21). Die zweiten Halbzeiten sehen Union jedoch nur noch auf Rang 16 – Relegation. „Es reicht nicht, einen Schritt zu machen. Wir müssen den zweiten folgen lassen“, sagte Lewandowski. Es klingt so einfach, ist für Union in dieser Saison allerdings so schwer.

Lewandowski weiß, dass er in den neun Wochen seiner Tätigkeit schon einige Register gezogen hat, die ein Trainer zu solch frühem Zeitpunkt normalerweise nicht zieht und auch nicht wieder ziehen kann. Der Kapitänswechsel von Damir Kreilach zu Benjamin Kessel , der wegen seiner Gelbsperre nun von Maximilian Thiel vertreten wird; das Ausdünnen des Kaders; der Teamabend mit gemeinsamem Kochen; die frühere Anreise nach Heidenheim – „diese Veränderungen haben uns in Heidenheim gutgetan“, so der Coach. Weil man sich zur aktuellen Situation bekannt habe. Deshalb sei die Reaktion auch erwartbar, wenn auch nicht selbstverständlich gewesen.

Gegen Nürnberg in vier Spielen noch ohne Punkt

„Aber für mich ist nun entscheidend, was am Samstag passiert. Jetzt ist die Mannschaft in der Pflicht“, machte Lewandowski deutlich. Und mahnte erneut zu Geduld, von allen Seiten, für das Spiel gegen Nürnberg und für die Wochen bis zur Winterpause. Geht es nach dem Trainer, wird es kein Spektakel geben wie in den vergangenen Heimauftritten. Davon habe man schließlich genug gehabt.

Für seine Mannschaft geht es nicht nur um drei eminent wichtige Punkte, sondern auch um die Gestaltung der Länderspielpause, „die wir auch brauchen werden, um wieder aufzutanken“, sagte der Trainer. Liefern die Köpenicker allerdings eine ähnliche Leistung ab wie gegen den SC Paderborn (0:2) , wird sich die freie Zeit für die Profis in engen Grenzen halten.

Dass Union in den bisherigen vier Zweitligaduellen gegen die Nürnberger noch nicht einmal einen Punkt geholt hat, stört Lewandowski nicht. Einerseits ist er nicht abergläubig, andererseits „habe ich alle meine Spiele gegen Nürnberg gewonnen“.

Lewandowski mit weißer Weste gegen die Franken

Mit dem Unterschied, dass sein damaliger Klub Bayer Leverkusen gegen die Franken immer ein konkretes Ziel vor Augen und auch erreicht hatte. 2012 wurde am letzten Spieltag der Europa-League-Rang fünf mit einem 4:1 in Nürnberg gesichert, ein Jahr später mit einem 2:0 die Champions-League-Teilnahme. Und 2014 war nach dem 4:1 ein Platz im internationalen Geschäft sicher.

Union könnte sich am Sonnabend nur ein wenig weiter in Richtung Zweitliga-Mittelfeld bewegen. Dennoch wäre es ein großer Schritt in die richtige Richtung. Schließlich soll es auch weiter heißen: Der Glubb is a Depp.