So ganz verflogen ist die Enttäuschung nach dem Saisonauftakt gegen Fortuna Düsseldorf beim 1. FC Union noch nicht, wer gibt schon gerne einen Sieg aus der Hand, noch dazu kurz vor Schluss. „Wenn man die Partie nach zwei, drei Tagen nüchtern analysiert, sieht die Welt vielleicht anders aus“, sagte Sören Brandy. Und der Stürmer hat damit recht, denn das 1:1 gegen die Rheinländer gibt jede Menge Anlass, positiv nach vorn zu blicken. Selten ist ein Union-Jahrgang fußballerisch derart gut in eine Spielzeit gestartet. Das hat mehrere Gründe.
Zum einen hat die Mannschaft wieder echte Führungsspieler in ihren Reihen. Was Profis wie Benjamin Kessel oder Stephan Fürstner in der Vorbereitung angedeutet haben, wurde in den ersten 90 Minuten unter Wettkampfbedingungen bestätigt. Kessel gab sich als umsichtiger Organisator der Abwehr, teilweise interpretierte er seine Rolle in der Mitte der Dreierkette sogar ein wenig nach hinten versetzt, wie ein Libero aus alten Tagen des Fußballs.
Der ehemalige Braunschweiger sprach von „ordentlichem Fußball“, den er mit seinen Mitspielern gezeigt habe: „Darauf kann man aufbauen.“ Doch Unions Torschütze fügte auch an, dass „mit beiden Mannschaften zu rechnen ist“. Es spricht für den 27-Jährigen, dass er seinen persönlichen Einstand nach Maß vom Teamerfolg abhängig macht: „Es wäre einer gewesen, wenn wir gewonnen hätten.“
Fürstner dirigiert seine Mitspieler
Fürstner machte derweil mehr als deutlich, wie wenig Probleme er damit hat, auf dem Platz die Führungsrolle zu übernehmen. Exemplarisch steht hier eine Szene Mitte der zweiten Halbzeit. Als Kapitän Damir Kreilach und Fabian Schönheim gemeinsam bei einem Freistoß standen, beorderte Fürstner den Kroaten lautstark an den Strafraum, wohl wissend um die Kopfballstärke des Union-Spielführers.
Schönheim bekam umgehend die Anweisung, so lange mit der Ausführung des Freistoßes zu warten, bis Kreilach seine Position eingenommen hatte. Sein erstes Spiel im Union-Trikot habe „Spaß gemacht“, ließ Fürstner wissen, auch wenn das Gegentor natürlich ärgerlich sei.
Die Pässe, mit denen der Mittelfeldspieler die Offensive ankurbelte, waren es ganz und gar nicht. Sie waren auch ein Grund dafür, „dass wir uns viele Torchancen richtig gut erspielt haben“, sagte Trainer Norbert Düwel.
Wood immer noch mit Trainingsrückstand
Dass davon nur eine genutzt werden konnte, ist ohne Zweifel etwas, was die Köpenicker verbessern müssen. Größte Hoffnungen setzt Düwel dabei natürlich auf Booby Wood. Dem US-Nationalstürmer fehlte zum Auftakt noch ein wenig die Bindung zum Team, was jedoch verständlich ist angesichts des immer noch vorhandenen Trainingsrückstandes.
Was die Fitness betrifft, ist Union auf einem richtig guten Stand. „Wir haben einen hohen läuferischen Aufwand betrieben. Das ist zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison auch nicht alltäglich“, lobte Düwel seine Mannschaft. Fürstner nannte den Auftritt „sehr griffig und spritzig“.
Neben größerer Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor wird Union aber auch die Konzentration erhöhen müssen, um solche Gegentreffer wie in der Schlussphase durch Didier Ya Konan zukünftig zu verhindern. „Da haben wir uns ein bisschen naiv angestellt“, analysierte Düwel.
Konzentration bis zum Abpfiff nötig
Was der Trainer damit meinte, offenbarte ausgerechnet Brandy, mit 30 Jahren ältester Feldspieler der Köpenicker. „Ich hatte ein richtig gutes Gefühl auf dem Platz und hätte nicht gedacht, dass noch etwas passieren könnte“, sagte der Stürmer, der die Partie mit einer leichten Schulterverletzung beendet hatte.
Hält Union jene Konzentration bis zum Abpfiff hoch, ist der Weg, den das Team eingeschlagen hat, noch besser als er ohnehin schon ist.




