Es klingt ein wenig wie ein Märchen. Doch die Geschichte könnte realer kaum sein. Denn sie ist gleich zweimal passiert. Also: Es war einmal ein junger Spieler, der auszog, die große und weite Fußballwelt zu entdecken. Im Sommer 2004, als der 1. FC Union einen 15-Jährigen zum FC Bayern München ziehen ließ.
15.000 Euro Aufwandsentschädigung strich der Köpenicker Klub, gerade in die Regionalliga abgestiegen und sich auf rasanter Talfahrt befindend, damals ein. Knapp neun Jahre später ist aus dem Klub ein gefestigter Zweitligist geworden. Und aus dem Talent Björn Kopplin ein gestandener Profi.
Dazwischen liegen zahlreiche Jugend- und Drittligaspiele für die Bayern – inklusive des Einzugs ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft der A-Junioren gegen Bayer Leverkusen (1:2 n.Verl.) und des Gewinns der U19-Europameisterschaft 2008 gegen Italien (3:1) – sowie 60 Einsätze für den Zweitligisten VfL Bochum.
Pokalaus gegen Offenbach als Knackpunkt
Und die Duelle gegen Marc Pfertzel. „Es ist schon komisch, dass es zweimal genau derselbe Spieler ist“, sagte Kopplin. Ein wenig verlegen lächelt er dabei und fügt schelmisch hinzu: „Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich schon nach unserem Ausscheiden im DFB-Pokal bei Kickers Offenbach weiterspielen werde.“
Offenbach – das war im August 2010 der Gegner der Bochumer in der ersten Pokalrunde. Mit einem satten 0:3 wurde der VfL nach Hause geschickt. Rechtsverteidiger damals in Bochum: Marc Pfertzel. Doch mit dem Pokaldebakel war auch Pfertzels Zeit beim VfL abgelaufen. Kopplin, gerade erst frisch aus München an die Ruhr gewechselt, bekam den Vorzug und gab den Platz in der Anfangsformation nicht mehr her.
Über den griechischen Erstligisten AO Kavala fand Pfertzel 2011 schließlich den Weg zu Union. Und die Geschichte begann erneut. Wieder hatte sich Pfertzel auf der rechten Abwehrseite festgespielt, wieder saß ihm Kopplin, der im Sommer 2012 zu seinem Heimatverein zurückkehrte, im Nacken. Wieder gab es für beide ein unrühmliches Pokalaus in Offenbach (Union verlor in Runde zwei 0:2).
Lange Pause wegen Schambeinentzündung und Nasenbeinbruch
Nur der personelle Wechsel fand dieses Mal ein bisschen später statt. Weil Kopplin wegen einer Schambeinentzündung und eines Nasenbeinbruchs die komplette Hinrunde außer Gefecht gesetzt war, dauerte es bis zum Punktspielstart dieses Jahres, bis der Berliner endlich ran durfte. „Es war ganz gut, dass Marc die fünfte Gelbe Karte im letzten Spiel vor der Winterpause gegen Braunschweig bekommen hat. Sonst hätte ich wohl nicht gespielt“, weiß Kopplin um sein Glück.
Seitdem stehen für Kopplin die vollen 630 Ligaminuten in der Statistik. Pfertzel durfte nur noch einmal ran, weil Kopplin beim 0:2 in Köln links aushelfen musste. „Ich fühle mich gut, mache meine Arbeit gut. Wenn der Trainer mich von Beginn an aufstellt, bin ich zufrieden. Wenn nicht, muss ich Geduld haben“, sagte Pfertzel lapidar zu seiner Situation.
Doch es ist nicht zu übersehen, dass der Frust, vom gleichen Spieler ein zweites mal verdrängt worden zu sein, an ihm nagt. Erst recht, wenn Trainer Uwe Neuhaus auf die Frage, was Kopplin (24) Pfertzel (31) voraus hat, antwortet: „Er hat noch ein paar Jahre mehr vor der Brust.“
Lieber 1:0 statt 3:2
Kopplin selbst sieht sich immer noch nicht an seiner Leistungsgrenze: „Bei hundert Prozent ist man ja nie. Selbst ein Lionel Messi macht auch Fehler.“ Mit seiner Schnelligkeit trägt er jedoch dazu bei, die spielerische Qualität bei Union zu verbessern. Auch sein Credo, „lieber 1:0 statt 3:2“ zu gewinnen, also die Zahl der Gegentore zu minimieren, passt in die Philosophie der Unioner. Damit auch die Bundesliga-Träume in Köpenick schon bald Realität werden können.





