Zweite Liga

Sieg gegen St. Pauli ist Balsam für die Union-Seele

Kampf, Leidenschaft und Laufbereitschaft: In der ausverkauften Alten Försterei feiern die Union-Fans beim 4:2 gegen St. Pauli ein außergewöhnliches Zweitligaspiel.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Kaum jemand wollte gehen, weder die Fans in Rot-Weiß noch die in Braun. Jede Minute, jede Sekunde wollte aufgesogen werden, auch noch lange nachdem die Partie des 1. FC Union gegen den FC St. Pauli abgepfiffen war.

Vor dem Gästeblock feierten die rund 2500 mitgereisten Hamburger ihre Mannschaft mit der Fußballhymne „You’ll never walk alone“, auf der anderen Seite ließen die Spieler des Gastgebers La Ola immer und immer wieder durch die Reihen schwappen.

Erst ein Blick auf die Anzeigetafel machte deutlich, dass Union mit 4:2 (2:1) gesiegt hatte. Gewonnen hatten jedoch auch alle jene 21.410 Zuschauer, die einen besonderen Zweitliga-Abend erlebt haben.

„Die Zuschauer haben heute ein richtig gutes Fußballspiel gesehen“, sagte St. Paulis Trainer Michael Frontzeck. Union-Coach Uwe Neuhaus sprach von einem „sehr guten“, sein Kapitän Torsten Mattuschka gar von einem „richtig geilen Fußballspiel“. Kurzum: Es war das Fußballfest, dass man im Vorfeld erwartet hatte. Mit dem besseren Ende für die Berliner.

Kampf, Leidenschaft und Laufbereitschaft – Attribute, die beide Mannschaften von der ersten Sekunde an auf den Rasen brachten. Kein Zweikampf wurde verloren gegeben, kein Sprint war zu lang. Und als beide Mannschaft nach einer rund 20-minütigen Abtastphase einen Gang höher schalteten, entwickelte sich über weite Strecken ein offener Schlagabtausch.

Latte hilft beim 2:1

Wie vor zwei Wochen gegen Erzgebirge Aue (3:0) versuchte Union, mit viel Ballbesitz den Gegner in Bewegung zu halten. Dafür hatte Trainer Neuhaus seine Mannschaft wie zuvor angekündigt umgestellt. Patrick Kohlmann kehrte wie erwartet links in die Abwehrkette zurück, Michael Parensen übernahm die Position im defensiven Mittelfeld von Christoph Menz, der dafür auf die Bank musste.

Und in der Innenverteidigung erhielt Fabian Schönheim den Vorzug vor Christian Stuff. „Ich wollte dem Gegner in der Verteidigung mit mehr Schnelligkeit begegnen, da haben Schönheim und Puncec gegenüber Stuff schon Vorteile“, begründete Neuhaus den Wechsel in der Defensivzentrale.

Es dauerte 20 Minuten, bis die Hausherren erstmals jubeln durften. Mattuschka hatte im zweiten Versuch Simon Terodde steil geschickt, der Stürmer lupfte den Ball über den aus seinem Tor heraus eilenden Philipp Tschauner hinweg, 1:0. Als praktisch im Gegenzug Marius Ebbers Union-Keeper Daniel Haas erfolgreich beim Befreiungsschlag gestört, den nachfolgenden Kopfball kurz vor der Torlinie stehend nur an die Latte köpfte, war die erste Gefahr gebannt.

Dass man einen Ebbers nicht über 90 Minuten ausschalten kann, zeigte sich dann in Minute 37. Nach Flanke von Florian Kringe unterlief Puncec den Ball, und Ebbers wuchtete das Spielgerät nach zunächst verunglücktem Kopfball schließlich mit dem Fuß zum 1:1 über die Linie.

Doch Union war nur kurz geschockt. Drei Minuten vor der Halbzeit überließ Terodde Baris Özbek den Ball im Strafraum. Der Mittelfeldspieler legte quer auf Mattuschka, der mit Hilfe der Latte zum 2:1 einschoss. „Ich habe mich schon erschrocken, als der Ball meinen Fuß verlassen hatte“, gab der Kapitän hinterher zu: „Da ist mir kurz das Herz in die Hose gerutscht.“

Nach dem Wechsel war es St. Pauli, das mit aller Macht auf den Ausgleich drängte. Union überließ den Gästen mehr und mehr das Spiel, und die nutzten schließlich in der 76. Minute ihre Chance. Sebastian Schachten war es, der aus gut 20 Metern Maß nahm, 2:2. „St. Pauli ist in dieser Phase verdient zum Ausgleich gekommen“, sagte Trainer Neuhaus. Sollte es den nächsten Rückschlag für Union geben, noch dazu vor heimischer Kulisse? Die Antwort gab wieder einmal Mattuschka. „Er hat den Unterschied ausgemacht“, bilanzierte der Hamburger Mittelfeldspieler und Ex-Unioner Florian Bruns.

Nemec fackelt nicht lange

Mattuschkas Freistoß in der 78. Minute, der aus 25 Metern nur knapp am Tor vorbeistrich, war der Weckruf für die Berliner in einer furiosen Schlussphase. Drei Minuten später war es erneut der Kapitän, der mit einem Steilpass Adam Nemec in den Strafraum schickte. Und der Slowake fackelte aus leicht abseitsverdächtiger Position nicht lange und hämmerte den Ball aus sechs Metern unter die Latte.

Die Alte Försterei war nun ein Tollhaus. Erst recht nach dem Schlusspunkt von Terodde. Eine Flanke von Björn Kopplin nahm der Angreifer an, narrte dabei St.-Pauli-Verteidiger Jan-Philipp Kalla und vollendete in bester Torjägermanier. Es war der zehnte Saisontreffer des Blondschopfs. Und Balsam für die Union-Seele.

„Bis zur 80. Minute waren wir drauf und dran, hier etwas mitzunehmen“, meinte Gästecoach Frontzeck hinterher. Doch in den entscheidenden Momenten waren es die Unioner, die dafür sorgten, dass es ein rauschendes Fußballfest an der Alten Försterei wurde.