1. FC Union

Bei Union herrscht Selbstkritik statt Euphorie

Nach dem Spiel gegen St. Pauli bemängeln die Zweitliga-Profis von Union ihr Defensivverhalten gegen die Hamburger. Kapitän Torsten Mattuschka: „Keiner wollte den Ball haben.“

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Michael Parensen verdrehte die Augen. „Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, nichts dazu zu sagen“, erklärte der Mittelfeldspieler des 1. FC Union. Der Berliner Fußball-Zweitligist spiele „mal so, mal so“, da sollte man nicht in Richtung Relegationsplatz schielen. Fragen gab es in diese Richtung nach dem 4:2 gegen den FC St. Pauli genug. Zum Beispiel: Spielt so ein Aufstiegskandidat?

Die Frage ist mit einem klaren Jein zu beantworten. Wozu Union offensiv in der Lage ist, konnte jeder der 21.410 Zuschauer in der erstmals komplett ausverkauften Alten Försterei beobachten. Jeder Spieler war bereit, etwas mehr Verantwortung auf dem Platz zu übernehmen.

Bei den Toren war jener Killerinstinkt zu spüren, den Trainer Uwe Neuhaus vor einer Woche in Cottbus (1:2) noch so sehr vermisst hatte. Prompt kam auch das Glück zurück, wie beim Treffer von Torsten Mattuschka zum 2:1, bei dem die Latte mithalf. „Da war ich mehr ein Killerchen“, meinte der Kapitän.

„Wir hätten mehr investieren müssen“

Dennoch ist von neuer Euphorie in der Mannschaft nichts zu spüren. Viel mehr wurde trotz des Fußballfestes am Freitagabend, trotz des neuerlichen Sprungs auf Rang fünf Selbstkritik geübt. „In der zweiten Halbzeit haben wir es bis zum Ausgleich von St. Pauli richtig schlecht gemacht“, sagte Mattuschka: „Keiner wollte den Ball haben.“

Eine Fahrlässigkeit, die auch Coach Neuhaus nicht entgangen ist: „Nach der Pause hätten wir mehr investieren müssen, um in Ballbesitz zu kommen.“ Nun hilft Ballbesitz nicht zwingend dabei, ein Tor zu erzielen, jedoch den Gegner vom eigenen Strafraum fernzuhalten.

Überhaupt war das Abwehrverhalten der Köpenicker Kicker phasenweise eines Aufstiegskandidaten nicht würdig. Das sah auch Parensen so: „Mit dem Sieg und unserem Spiel nach vorn sind wir zufrieden, mit unseren Defensivspiel jedoch nicht. Da hatten wir immer wieder Schwächephasen.“ Mit zwei Gegentreffern als beinahe schon logische Folge.

Mit 37 Gegentoren im unteren Drittel der Liga

Genau das ist die Achillesferse, die die Chancen der Köpenicker, vielleicht doch noch einmal kräftig oben anklopfen zu können, immer wieder auf ein Minimum reduziert. Der Blick auf die Tabelle, die ja bekanntlich nicht lügt, beweist: Mit 37 Gegentoren liegt Union im unteren Drittel der Zweiten Liga. Nur Duisburg (42), Aue (38), Bochum (42) und die beiden Letztplatzierten Sandhausen (51) und Regensburg (47) haben noch mehr kassiert.

Apropos Tabelle: Das Restprogramm mit nur noch drei Heim-, aber fünf Auswärtsspielen macht die Hoffnung auf Rang drei nicht größer. „Wir müssen es endlich schaffen, über mehrere Wochen konstant zu spielen und unsere Heimleistung auch in die Auswärtsspiele zu transportieren“, forderte Mattuschka. Die nächsten Gelegenheiten gibt es nach der Länderspielpause. Dann gastiert Union in Frankfurt (31.3.) und in Paderborn (7.4.).