Sein Handy hat noch nicht geklingelt. Jedenfalls nicht mit dem richtigen Anrufer am anderen Ende der Leitung. Nur zu gern würde sich Adam Nemec über einen Anruf von Stanislav Griga freuen. Nemec, Stürmer beim 1. FC Union, wurde von Griga, dem Trainer der slowakischen Nationalmannschaft, in den Kader für das WM-Qualifikationsspiel gegen Litauen am 22. März und das Testspiel gegen Schweden am 26. März nominiert – jedoch nur auf Abruf.

„Für sein Heimatland spielen zu dürfen, ist eine große Ehre. Es würde mich stolz machen, wenn ich dabei sein dürfte“, freute sich Nemec schon darüber, wieder ins Blickfeld der Mannschaft seines Heimatlandes gerutscht zu sein. Seine beiden bisherigen Auftritte liegen schließlich schon länger zurück.

Bereits im November 2006 debütierte Nemec im Spiel gegen die Vereinigten Arabischen Emirate (2:1) für die Slowakei. Es folgte ein weiterer Einsatz beim 1:2 in einem weiteren Freundschaftsspiel gegen Luxemburg im Februar 2011. Danach wurde der 27-Jährige nicht mehr berücksichtigt.

Nicht mehr aus der Startformation wegzudenken

Dass Nationalcoach Griga nun wieder auf ihn aufmerksam geworden ist, war vor einem halben Jahr noch nicht einmal ansatzweise abzusehen. Nemec mühte sich bei den Köpenickern, um den Anschluss an die Stammelf zu finden. Sogar von Fehleinkauf war schon die Rede. Doch Nemec kämpfte gegen das drohende Image an und ist inzwischen nicht mehr aus der Anfangsformation des Berliner Fußball-Zweitligisten wegzudenken.

Zusammen mit Simon Terodde (zehn Tore) bildet Nemec (acht Tore) ein Sturmduo, das allein 40 Prozent der Union-Tore geschossen hat. Darüber hinaus ist er als Anspielstation in des Gegners Hälfte dank seiner robusten Art und der Fähigkeit, den Ball zu halten, enorm wichtig für die Berliner geworden.

Zur Freude von Trainer Neuhaus: „Adam hatte es am Anfang nicht so leicht bei uns. Wir waren von seinen Qualitäten überzeugt, deshalb haben wir ihn verpflichtet. Umso besser ist es, dass er sie in den vergangenen Wochen mit großer Konstanz beweisen konnte.“

Bewerbungsschreiben mit Treffer gegen St. Pauli

Erst am vergangenen Freitag gab er ein weiteres Bewerbungsschreiben an seinen Nationaltrainer ab, mit einem herrlichen Treffer beim 4:2 gegen den FC St. Pauli. Aus spitzem Winkel hatte er den Ball ins Tor gehämmert. Platz, damit das Spielgerät den Weg in den Kasten findet, war zwischen Torhüter Philipp Tschauner und der Latte eigentlich kaum vorhanden. „Wenn man hoch schießt, hat der Torwart kaum eine Chance“, erklärte Nemec: „War ein schönes Tor, das muss ich auch sagen.“

Zu seinen Auftritten in den vergangenen Wochen sagte der Slowake nur lapidar: „Ich mache meinen Job im Moment ganz ordentlich.“ Ordentlich genug, um von Stanislav Griga bemerkt zu werden. Jetzt muss sich der Nationalcoach nur noch bei Nemec melden. Bei Anruf: Länderspiel.