Kommentar

Die Gefahr der großen Namen

Herthas Trennung von Chef-Trainer Pal Dardai erinnert an einen altbekannten Mechanismus, meint Jörn Lange.

Hertha nimmt in Kauf, mit Pal Dardai seinen größten Sympathieträger zu verlieren, weil gut eben nicht mehr gut genug ist, meint Jörn Lange.

Hertha nimmt in Kauf, mit Pal Dardai seinen größten Sympathieträger zu verlieren, weil gut eben nicht mehr gut genug ist, meint Jörn Lange.

Foto: dpa/Reto Klar / BM

Berlin. Woche für Woche dieselben kritischen Urteile, seit Monaten schon, in manchen Fällen seit Jahren. Fleißig sei er ja, dieser Hertha-Coach, außerdem ein gewissenhafter Arbeiter und guter Motivator, ein ausgewiesener Fußball-Fachmann ohnehin. Nicht zu vergessen: ein Kämpfertyp und Beißer – einer, der nicht beim erstbesten Gegenwind ins Wanken gerät, sondern gefühlt ganzen Orkanen trotzt.

Es waren Attribute höchster Wertschätzung, die am Trainingsplatz des Berliner Bundesligisten zu vernehmen waren, wäre da nicht das große Aber gewesen. Denn in einem waren sich Kritiker und Entscheider des Hauptstadtklubs inzwischen einig: Für den nächsten Entwicklungsschritt von Hertha BSC ist dieser Trainer nicht der richtige. Am Ende musste Jürgen Röber gehen.

17 Jahre liegt die Trennung vom damaligen Coach inzwischen zurück, doch seit Dienstag hat Hertha offiziell einen neuen Röber. Pal Dardai, einst Röbers Spieler und seit Februar 2015 Chef-Coach der Berliner, wird ab Sommer nicht mehr für die Profis verantwortlich sein.

Hintergrund: Michael Preetz und seine Trainer-Bilanz bei Hertha

Pal Dardai hat sich als Kämpfer und Beißer einen Namen bei Hertha gemacht

Auch er hat sich als Kämpfer und Beißer einen Namen gemacht, als Widerstandstrotzer auch, doch das reicht der sportlichen Führung nicht mehr. Manager Michael Preetz hat in der ersten handfesten Krise in gut vier Jahren die Reißleine gezogen. Fan-Liebling hin, Vereins-Held her – so wie seinerzeit Röber wird auch Dardai die gewünschte Weiterentwicklung nicht mehr zugetraut. Herthas Entscheider sind getrieben von höheren Zielen.

Im Falle Röbers bewies der damalige Manager Dieter Hoeneß dabei kein allzu gutes Händchen. So zuverlässig erfolgreich wie unter Röber, der den Klub 1999 in die Champions League führte und in den Folgejahren kontinuierlich in den Top sechs der Liga hielt, spielte Hertha nie wieder.

So reagieren die Fans auf die Trennung von Pal Dardai

Bei Hertha soll es nun ein großer Name richten

Ob man demnächst sehnsüchtig auf die Trainer-Ära Dardai zurückblicken wird? Das wird sich erst zeigen. Fest steht allerdings, dass Hertha damals wie heute in Kauf nimmt, seinen größten Sympathieträger zu verlieren, weil gut eben nicht mehr gut genug ist.

Nun also – auch das eine Parallele zu Röber – soll es ein großer Name richten, ein renommierter Coach, gern mit einer Prise Glamour. 2002 folgte auf die Übergangslösung Falko Götz der Erfolgstrainer Huub Stevens, Schalkes Eurofighter, Pokalsieger und Meister der Herzen. Der Niederländer führte Hertha zwar zunächst in den Uefa-Cup, versank ein halbes Jahr später aber schnurstracks im Abstiegskampf. Bleibt zu hoffen, dass es dieses Mal besser läuft.