Es gibt diese eine Geschichte, und wie bei allen guten Geschichten lässt sich nicht mehr zu hundert Prozent verfolgen, wie viel an ihr wahr ist. Die Geschichte besagt, dass der große Louis van Gaal nach seiner Bayern-Zeit Interesse bekundet hatte an diesem Klub da in Berlin.

Die Stadt sei ganz nach seinem Gusto und der Verein, nun ja, der schreie ja förmlich nach einer starken Hand. Also nach seiner. Van Gaal ist dann doch nie in Berlin gesichtet worden, jedenfalls nicht im Zusammenhang mit Hertha BSC, aber so einen wie den Niederländer, den hätten sie noch immer gern an ihrer Seitenlinie im Olympiastadion.

José Mourinho ist gerade auf Jobsuche. Dass er in Berlin eine Anstellung findet, ist aber kaum vorstellbar.
José Mourinho ist gerade auf Jobsuche. Dass er in Berlin eine Anstellung findet, ist aber kaum vorstellbar.© Getty Images | Clive Rose

Nach dem Ende der Ära Pal Dardai träumt Hertha wieder den Traum von einem namhaften Trainer. Van Gaal (67) ist in Rente, José Mourinho noch nicht und Arsène Wenger, wer weiß? Auch Antonio Conte wäre noch frei, der hat bei Chelsea nur schlappe 11,3 Millionen verdient. Aber ist das wirklich realistisch? Ein solches Kaliber?

Erfahrung mit Vater-Sohn-Konstellationen

Bei Manchester United soll Mourinho 31 Millionen Euro verdient haben. Einen Trainer zu beschäftigen, der mehr verdient als der gesamte Kader, macht nicht nur aus kaufmännischer Sicht wenig Sinn. Ganz davon abgesehen, dass Trainer dieser Gewichtsklasse meist furchtbar wenig Lust verspüren, mit einem Low-Budget-Team zu arbeiten.

Low Budget ist ein Begriff, der im amerikanischen Englisch häufig Verwendung findet. Also dort, wo Jürgen Klinsmann inzwischen sprachlich mindestens genauso zu Hause ist wie in Backnang. Klinsmann (54) wurde in den vergangenen Jahren und Monaten immer wieder bei Hertha gesichtet, er ist eng mit Manager Preetz befreundet und Ehrenmitglied des Klubs, zudem steht sein Sohn Jonathan bei den Berlinern unter Vertrag.

Warum also nicht gleich als Trainer anheuern? Mit der Vater-Sohn-Trainer-Spieler-Konstellation hat Hertha seit Trainer Pal und Jung-Profi Palko Dardai ja so seine Erfahrung. Ein längst erprobtes Modell also.

Niko Kovac könnte nach Berlin zurückkehren

Ein weiterer, größerer Name ist der von Niko Kovac (47). Gebürtiger Berliner, ehemaliger Herthaner und als aktueller Bayern-Trainer genau die gewünschte Größenordnung. Auch sein Verdienst von 7,5 Millionen Euro ist längst noch nicht so astronomisch wie der eines Mourinho.

Niko Kovac (l.) bringt als Berliner und früherer Hertha-Profi ein interessantes Profil mit.
Niko Kovac (l.) bringt als Berliner und früherer Hertha-Profi ein interessantes Profil mit.© Bongarts/Getty Images | Boris Streubel

Dass Kovac noch in München unter Vertrag steht, ja mei. Auch das kann sich in den kommenden Wochen ändern. Bei den Bayern ist man sich angeblich noch nicht ganz schlüssig, ob man Kovac tatsächlich den bald teuersten Kader der Vereinsgeschichte anvertrauen soll. Sollte er frei werden, wäre Hertha eventuell eine Option.

Hecking und Tedesco suchen neue Aufgaben

Einen Nachfolger für Pal Dardai zu finden, ist keine leichte Aufgabe für Michael Preetz. Und das nicht nur, weil er im Laufe seines Wirkens schon Michael Skibbe oder Otto Rehhagel wieder in Lohn und Brot brachte. Der Trainermarkt ist derzeit noch recht übersichtlich, abseits der großen Lösung finden sich hier eher die kleineren. Oder die Machbareren.

Dieter Hecking (54) und Domenico Tedesco (33) wurde kürzlich erst erörtert, dass sie sich im Sommer in ein neues Abenteuer stürzen können. Jürgen Klopps Kumpel David Wagner (47), der Huddersfield Town in die Premier League führte, ist frei. Glaubt man allem, was man so hört, ist Tim Walter (43) von Holstein Kiel für viele Manager der Bundesliga ein interessanter Kandidat.

Und dann gibt es noch die, die jetzt noch nicht wissen, dass sie bald zu haben sind. Hannovers Thomas Doll etwa oder Stuttgarts Markus Weinzierl. Aber die sind dann doch ganz weit weg vom Gehalt eines José Mourinho. Und von der großen Lösung, die Michael Preetz im Sinn haben soll.