BUNDESLIGA

Michael Preetz und seine Trainer-Bilanz

Hertha-Manager Michael Preetz und seine Trainer-Wahl in zehn Amtsjahren: Von guten und schlechten Entscheidungen

Michael Preetz im Juni 2009 als Manager-Neuling und der damalige Hertha-Trainer Lucien Favre

Michael Preetz im Juni 2009 als Manager-Neuling und der damalige Hertha-Trainer Lucien Favre

Foto: Foto: Stache / pA/ dpa

Berlin. Der Trainer ist der wichtigste leitende Angestellte in einem Fußball-Verein. Das ist auch bei Hertha BSC so. Im Thema Trainer-Entscheidungen hat Manager Michael Preetz (51) in seinen zehn Jahren im Amt einige Erfahrungen gesammelt. Wie gut waren die bisherigen Trainer-Entscheidungen von Michael Preetz?

Lucien Favre Im turbulenten Hertha-Sommer 2009 – Manager Dieter Hoeneß war unter großem Krach aus seinem Amt geschieden – geriet Manager-Novize Preetz schon nach wenigen Wochen unter Zugzwang. Der Schweizer Favre, Erfolgstrainer der Vorsaison, als Hertha die Saison auf Platz vier beendete – so gut waren die Blau-Weißen seither nie wieder – war am Ende seiner Kräfte. In der Teeküche von Hoffenheim (nach einem 1:5) versuchte Preetz seinen Übungsleiter zu halten. Doch Favre antwortete, Preetz müsse nicht an ihn denken, sondern an Hertha. Als am Tag darauf Cotrainer Harald Gämperle in einem Wutanfall vor den Medien die Spieler um Kapitän Arne Friedrich scharf kritisierte – es sei unglaublich, dass die Profis einen Trainer von der Qualität Favres wegmobben – wurde öffentlich, was bisher nur intern deutlich war: Favre hatte seine Mannschaft verloren. Am späten Nachmittag fuhr Preetz in die Wohnung von Favre und teilte ihm seine Entlassung mit.

Friedhelm Funkel Der Trainer-Routinier sollte es mit seiner Erfahrung richten. Doch Funkel konnte den freien Fall nicht aufhalten. Von zehn Spielen bis Weihnachten gelang kein einziger Sieg. Hertha ging mit sechs Punkten in die Winterpause und stieg am Saisonende als Letzter ab – ein Fehlgriff.

Entlassung am Telefon

Markus Babbel Der Trainer-Youngster half im Mai 2010 Preetz gleich mit seinem ersten öffentlichen Auftritt. Auf der Mitgliederversammlung sorgte Babbel mit einer kurzen emotionalen Ansprache für Aufbruchstimmung unter den kritischen Mitgliedern. Hertha gelang souverän der Wiederaufstieg. Doch dann wollte Babbel, Europameister von 1996, hoch hinaus und träumte von einem Klub, der europäisch spielte. Der Trainer schlug die mehrfach von Preetz angetragene Vertragsverlängerung aus und provozierte im Dezember 2011, erneut in Hoffenheim, mit Lügenvorwürfen gegen den Hertha-Manager seinen Rauswurf. Preetz feuerte Babbel kühl am Telefon.

Michael Skibbe Der ehemalige Assistent von Nationaltrainer Rudi Völler war ein klassischer Fehlgriff: fünf Spiele, fünf Niederlagen – und tschüs. Preetz bekannte: „Mein Fehler.“

Otto Rehhagel Preetz reiste im Februar 2012 mit Präsident Werner Gegenbauer nach Essen, um den damals 73-Jährigen, nach zwölf Jahren Pause von einem Bundesliga-Comeback zu überzeugen. Rehhagel, der von 1963 bis 1966 seine Bundesliga-Karriere bei Hertha begonnen hatte, sagte zu. Doch es reichte nicht. Hertha stieg nach der Relegation samt den skandalösen Umständen im Rückspiel gegen Fortuna Düsseldorf (1:2, 2:2) erneut in die Zweite Liga ab.

Luhukay führt Hertha zum Zweitliga-Rekord

Jos Luhukay Nachdem Ralf Rangnick abgewunken hatte, entschied sich Preetz für Jos Luhukay. Der Niederländer führte die Mannschaft mit harter Hand und stieg mit der Rekordpunktzahl von 76 Zählern 2013 wieder auf. Nach einer soliden Bundesliga-Saison fand Luhukay 2014/15 keine Antworten mehr auf die ausbleibenden Ergebnisse. Nach einer Heimniederlage gegen Leverkusen zog Preetz die Notbremse und löste Luhukay ab.

Pal Dardai Herthas Rekordspieler übernahm am 8. Februar 2015 den Klub als Vorletzter. Die Mannschaft rumpelte sich zum Klassenerhalt. Es folgten vier Saisons, in denen der Trainer und Team mit einem guten Start dafür sorgten, dass Hertha jeweils fern aller Abstiegssorgen spielte. Nach den Abschlussplatzierungen 7, 6, 10 und (aktuell) 11 traute Preetz seinem ehemaligen Mannschaftskollegen die Weiterentwicklung des Hertha-Jahrgangs 2020 nicht mehr zu. Obwohl der Manager im Januar noch mitgeteilt hatte, dass der Ungar die Profis auch kommende Saison trainieren werde, teilte Preetz nun mit, dass mit dem Heimspiel gegen Leverkusen am 18. Mai Schluss ist mit dem Hertha-Trainer Dardai.