Hertha BSC

Hertha setzt auf Daddy Cool Salomon Kalou

Im Liga-Endspurt baut Hertha BSC besonders auf das Selbstvertrauen von Salomon Kalou. Gegen Hannover hat das schon einmal geklappt.

Beim 3:1 im Hinspiel gegen Hannover erzielte Salomon Kalou alle drei Hertha-Tore. Den Turban, den er damals trug, hat er aufgehoben

Beim 3:1 im Hinspiel gegen Hannover erzielte Salomon Kalou alle drei Hertha-Tore. Den Turban, den er damals trug, hat er aufgehoben

Foto: dpa Picture-Alliance / MiS / picture alliance / M.i.S.-Sportp

Salomon Kalou hat in seiner Karriere viel gesammelt. Zum Beispiel das Trikot von Lionel Messi mit der untypischen Nummer 15. Der 30-Jährige tauschte es mit Argentiniens Star bei den Olympischen Spielen 2008. Das Shirt bekam einen besonderen Platz in seiner Wohnung. Dort musste Kalou auch für ein paar Fußbälle Raum finden: „Ich habe den vom Finale der Champions League, den, mit dem ich in Holland drei Tore geschossen habe sowie die, mit denen ich in England und in Frankreich Dreierpacks erzielte“, sagte der Ivorer.

Seit fünf Monaten gibt es in Kalous Charlottenburger Apartment auch einen Dreierpack-Ball aus Deutschland. Anfang November, im Hinspiel gegen Hannover 96, erzielte Herthas Angreifer beim 3:1 alle drei Treffer und schnappte sich das Spielgerät als Andenken. Sogar eine blaue Mullbinde mit weißem Tape schaffte es ins private Kalou-Museum: Der Afrikaner trug gegen 96 einen Turban wegen einer Kopfverletzung.

Auch den habe er aufgehoben. Der sei „ein weiteres schönes Souvenir von einem tollen Tag“, sagte der Champions-League-Sieger von 2012. Es war der Tag, an dem Kalou zum Helden bei Hertha wurde.

Aber Kalou hat noch etwas anderes in seiner Karriere angehäuft, weshalb sie bei Hertha vor dem Rückspiel gegen den Tabellenletzten Hannover an diesem Freitag (20.30 Uhr/Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) besonders auf ihn ihre Hoffnungen setzen: Der Stürmer sammelte derart viel Erfahrung, dass ihn kaum noch etwas verunsichern kann. Und das führt zu einer Lässigkeit, die anstecken kann – und soll.

Skjelbred entscheidet erst vor Anpfiff, ob er dabei ist

„Ob du gewinnst, oder verlierst: Salomon läuft immer mit einer totalen Ausgeglichenheit durch die Kabine“, sagte Herthas Trainer Pal Dardai der Morgenpost. Und weil die Berliner am Wochenende in Gladbach verunsichernd hoch verloren (0:5), hilft das jetzt.

Kalou, der es als Kind einer Großfamilie in der Elfenbeinküste aus ärmlichen Verhältnissen bis in die europäische Elite geschafft hat, ist qua seiner Geschichte und Persönlichkeit der Mann bei den Blau-Weißen, an dem sich seine Kollegen nach dem Stimmungskiller von Gladbach aufrichten können. „Kalou ist der Chef. Er ist das große Vorbild, das hier alle mitreißt“, sagte Per Skjelbred – mit fast 30 Europapokalspielen auch nicht gerade unerfahren.

Gegen Hannover will der Norweger trotz Fußprellung dabei sein. Am Donnerstag trainierte er mit, aber Dardai wollte noch abwarten, ob der Fuß negativ reagiert. Erst am Freitag entscheidet sich, ob er spielen kann.

Steht der Ivorer nicht in der Startelf, verliert Hertha

„Schaut auf Salomon, was er macht“, hat Dardai seiner Elf gesagt, seit sie sich einfach nicht von Tabellenplatz drei vertreiben lässt. Dort auf dem Champions-League-Rang spürt sie auch den Atem der Verfolger und die Angst, das Fußballmärchen von Berlin doch noch zu verspielen. Kalou dagegen bleibt cool, weil das alles für ihn im Gegensatz zu seinen Europaluft unerfahrenen Mitspielern normal ist.

Nach dem 0:5 von Gladbach sagte er: „Wir haben noch alles selbst in der Hand. Wenn wir gegen Hannover wieder in Gang kommen, sind unsere Chancen auf die Champions League weiter intakt.“ Daddy Cool in Aktion. Kalou ist der Einzige bei Hertha, der offen von der Königsklasse spricht.

Dardai sagte, er sei froh, wenn seine Spieler in Kalou ein Vorbild sehen. Seine Geschichte bei Hertha sei ein Beispiel dafür, wie man wieder aufstehen kann, wenn man einmal hingefallen ist. Kalous erstes Jahr bei Hertha verlief ernüchternd (nur sechs Saisontore). „Er war schon abgeschrieben“, sagte Dardai. „Aber er hat gezeigt, dass man den Kopf nicht in den Sand stecken darf, sondern weiter selbstbewusst sein muss, um seine Ziele zu erreichen.“

Nun steht Kalou bei 13 Saisontoren. Wie wichtig er ist, beweist auch das: Nur dreimal stand der Stürmer in dieser Saison nicht in der Startelf – dreimal verlor Hertha.

Hannover reist mit Trainer-Neuling Daniel Stendel an

Weil in Gladbach nichts ging, probierte Kalou viel allein und scheiterte. Das ist die Kehrseite der Vorreiterrolle. „Ich habe ihm gesagt: Wir müssen wieder zusammen spielen“, erzählte Dardai. Der 40-Jährige weiß, welche Symbolkraft nun im Spiel gegen Hannover steckt: Gegen das abgeschlagene Tabellenschlusslicht mit dem Interimstrainer Daniel Stendel, der Thomas Schaaf ablöste, braucht sein Team einen Sieg, um weiter an seine Chance auf Europa zu glauben.

Kalou tat das immer: Im Januar 2015, als Hertha nur einen Punkt vor den Abstiegsplätzen lag, sagte er: „Das ist nur eine Übergangssaison. In der nächsten Spielzeit werden Hertha und ich selbst andere Ziele haben.“ Er sollte damit Recht behalten.