Bundesliga

Hertha-Trainer Dardai braucht den blau-weißen Daumen

Auf Niederlagen fand Hertha in dieser Saison immer die passende Antwort. Wie Trainer Pal Dardai daran arbeitet, dass es dabei bleibt.

Foto: Michael Kappeler / picture alliance / dpa

Berlin.  Frei heißt im Hause Dardai nicht gleich frei. Er wolle den trainingsfreien Dienstag nutzen, um seinen Garten auf Vordermann zu bringen, hatte Herthas Cheftrainer angekündigt, und er hielt Wort.

Pflanzen habe er gekauft, gedüngt und den Rasen vertikutiert – „ich habe Muskelkater ohne Ende“, stöhnte der Ungar am Mittwoch. Das Aufpäppeln seiner Mannschaft stand da noch aus. Welche Spuren das 0:5 in Mönchengladbach bei seinen Spielern hinterlassen hat, beobachtete Dardai erst beim Training am Nachmittag.

Wer einen Garten sein Eigen nennt, weiß: Rasenpflege ist eine Wissenschaft für sich. Beispiel Vertikutieren: In der Theorie handelt es sich um ein simples Anritzen der Grasnarbe, um Moos zu entfernen und den Boden zu belüften.

Tatsächlich aber kommt es dabei nicht nur auf den richtigen Zeitpunkt an, sondern auch auf die richtige Technik. Dringt man zu tief in die Rasenfläche ein, können die Graswurzeln beschädigt werden. Gefühl ist gefragt.

Balance aus Planung und Gespür

Ob Pal Dardai bei der Pflege seines Grüns ein gutes Händchen hatte, wird erst in ein paar Wochen sichtbar. Ob er auch die Köpfe seiner Spieler erfolgreich durchgelüftet hat, zeigt sich indes schon am Freitag (20.30 Uhr), dann empfängt Hertha Hannover 96.

Durch die Abreibung in Gladbach sei sicher „keiner kaputtgegangen“, ist sich Dardai sicher, betonte aber auch: „Nach so einer Niederlage müssen wir gewinnen. Wir haben etwas gutzumachen.“

Neben seinem grünen Daumen braucht der Trainer auch einen blau-weißen, und wie beim Rasen bedarf es bei der Arbeit mit der Mannschaft einer guten Balance aus Planung und Gespür.

Nie zwei Niederlagen hintereinander

Allzu große Veränderungen wird Dardai nicht vornehmen, schließlich gibt es keinen Grund, dem in dieser Saison so beeindruckend auftretenden Team an die Wurzel zu gehen. Ein paar Reize zur rechten Zeit setzt er trotzdem – von der Aufarbeitung am Montag bis zur „Beschäftigungstherapie“ am Spieltag.

Wie wichtig gutes Timing ist, zeigt auch Herthas Saisonverlauf. Bisher fand die Mannschaft auf Niederlagen stets die passende Antwort: Sechs Mal folgte ein Sieg, einmal ein Unentschieden. Die Gefahr, in einen Negativtrend zu rutschen, umschifften die Berliner somit.

Der Tabellendritte will diese Serie unbedingt fortsetzen, schließlich hat der Endspurt um Europa erst begonnen. Gladbach, Leverkusen, Mainz und Schalke befinden sich mit maximal vier Punkten Rückstand in Lauerstellung.

Brooks fällt aus, “Elefantenfuß“ bei Skjelbred

Dass mit Hannover in dieser entscheidenden Phase das schwächste Team der Liga nach Berlin kommt, scheint vor diesem Hintergrund dankbar. Der Glaube an den neuen Interimscoach Daniel Stendel wirkt nicht sonderlich groß bei 96, schon jetzt wird öffentlich nach einem Nachfolger gefahndet.

Dardai warnt allerdings: „Sie sind jetzt vielleicht einen Tick gefährlicher. Jeder einzelne Spieler will zeigen, dass er in die Bundesliga gehört. Wenn nicht in Hannover, dann woanders.“

Einer wird definitiv keine Eigenwerbung machen: Herthas John Brooks. Der Innenverteidiger fällt erneut aus (Prellung des Schienbeinköpfchens), dazu ist auch der Einsatz von Mittelfeldarbeiter Per Skjelbred fraglich, der in Gladbach eine Fußprellung erlitten hatte.

Aktuell sähe das stark geschwollene Arbeitsgerät des Norwegers noch aus „wie ein Elefantenfuß“, sagte Dardai. Als Alternative könnte Kapitän Fabian Lustenberger aus der Abwehr ins defensive Mittelfeld vorrücken. Im Abwehrzentrum käme Sebastian Langkamp dann zu seinem Comeback.

Gegen Gladbach, sagt Dardai, „haben wir nicht unser wahres Gesicht gezeigt“. Am Freitag aber soll Herthas Spiel wieder gewohnt akkurat aussehen. So wie beim famosen Heimsieg gegen Schalke vor wie Wochen. Oder der Rasen von Pal Dardai.