Bundesliga

Hertha will gegen den BVB-Topsturm mutig angreifen

Trainer Dardai setzt gegen den besten Angriff der Liga auf Offensive. Der wiedergenesene Cigerci soll den gesperrten Skjelbred ersetzen.

Tolga Cigerci (l.) ist nach überstandenem Muskelfaserriss wieder einsatzfähig für Hertha BSC

Tolga Cigerci (l.) ist nach überstandenem Muskelfaserriss wieder einsatzfähig für Hertha BSC

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Beim Hertha-Training am Mittwoch schaute eine Grundschulklasse vorbei. Und dort präsentierte ein Junge eine nette, kleine Lüge: In welcher Klasse er sei, fragte ihn Per Skjelbred in einer Pause. Antwort vom Dreikäsehoch: „Dritte“.

Skjelbred blickte skeptisch. Echt? Sah viel kleiner aus, der Bengel. „Cool“, sagte der Norweger nachsichtig und tätschelte ihm den Kopf. Es kann also von Erfolg gekrönt werden, wenn man sich größer macht, als man ist.

Und das haben sie bei Hertha auch im Heimspiel gegen Borussia Dortmund am Sonnabend (15.30 Uhr/Sky) vor. Wobei, als Lüge würde das Pal Dardai keineswegs bezeichnen, eher als Mut.

BVB schoss 52 Tore in 19 Partien

Im Hinspiel, als die Berliner zwar 1:3 verloren, aber zwischenzeitlich sogar einen Punkt in Aussicht hatten, bot der Hertha-Trainer eine besonders defensive Elf auf: eine Fünfer-Abwehrkette, davor eine zweite Viererkette, und Genki Haraguchi als einzige Spitze.

Nun, im Rückspiel, wird es das nicht geben: „Mit dem Team aus der Hinrunde kann man uns heute nicht mehr vergleichen“, sagte 39-Jährige. „Wir waren damals mental noch nicht so stabil. Heute haben wir genügend Selbstvertrauen. Deshalb werden wir auch sehr offensiv in dieses Spiel gehen.“

Zu erwarten ist, dass Dardai das zuletzt verstärkt eingeübte hohe Pressing einsetzen und nach vorn verteidigen lassen wird. Und das gegen die beste Offensive der Liga: Der BVB hat in 19 Partien bereits 52 Treffer erzielt.

Warnung vor Aubameyang

Blauäugig aber ist Dardai nicht, auch wenn Dritter gegen Zweiter vom Papier her eine Partie auf Augenhöhe bedeutet, sagte er: „Wir haben gegen Dortmund nur eine kleine Chance, aber die müssen wir suchen. Jede Mannschaft hat Schwachstellen.“

Und er warnte vor allem vor dem 20-Tore-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang: „Er hat eine ganz andere Schnelligkeit als alle anderen. Auf ihn müssen wir aufpassen und defensiv wieder aggressiver sein.“

Bei der offensiven Taktik gegen den BVB ist es besonders von Nachteil, dass der Kinderversteher Per Skjelbred, der sich im Mittelfeld auch als exzellenter Balldieb erwiesen hat, gelbgesperrt fehlen wird. Ihn soll Tolga Cigerci ersetzen, der nach einem kleinen Muskelfaserriss in der Wade wieder mittrainieren konnte. „Er macht einen guten Eindruck“, sagte Dardai. Und das war nicht gelogen.