Hertha BSC

Warum die Brooks-Verlängerung ein wichtiges Signal ist

John Anthony Brooks verlängert bei Hertha BSC ohne Ausstiegsklausel. Sein Weg dient den Berlinern als Lehrstück für die Zukunft.

John Anthony Brooks kam 2007 ins Nachwuchsteam von Hertha BSC. Bisher hat der Verteidiger in 55 Bundesligaspielen vier Tore erzielt

John Anthony Brooks kam 2007 ins Nachwuchsteam von Hertha BSC. Bisher hat der Verteidiger in 55 Bundesligaspielen vier Tore erzielt

Foto: imago/Bernd König

Es war ein erfolgreiches Wochenende für Hertha BSC. Da war diese Partie in Bremen, die sich der gängigen These widersetze, der Fußball sei mittlerweile eine berechenbare Sache. Die Zuschauer bekamen dabei einen entgrenzten Schlagabtausch geboten wie sonst nur beim Preisboxen auf der Kirmes. Das erinnerte so schön an früher, wie dicker Schnee und zugefrorene Seen. Gibt’s ja heute alles nicht mehr. Pal Dardai fand es ein „geiles Spiel“.

Erfolgreich war das Wochenende auch deshalb, weil man zwar zwei Punkte zu wenig aus Bremen mit nach Hause brachte, wie Herthas Trainer das am Sonntag bedauerte, aber dafür jede Menge Lehrmaterial.

Zum dritten könnte man die vergangenen zwei Tage als sehr gelungen bezeichnen, weil Hertha eine andere gängige These der Branche widerlegte: Die, nach der talentierte Burschen heutzutage ihre Verträge nur noch verlängern, wenn ihnen der Klub eine Ausstiegsklausel gewährt. Aussteigen möchten viele Profis, wenn ein größerer Klub winkt. Der zahlt dann die festgeschriebene Ablösesumme, der Spieler kann gehen, auch wenn sein Verein das gar nicht möchte.

Lob von Trainer Pal Dardai

Bei John Anthony Brooks galt das eigentlich als ausgemachte Sache. Der 23 Jahre alte Innenverteidiger hat schließlich im Angebot, wonach viele Vereine suchen: einen starken linken Fuß, trotz des jungen Alters jede Menge Erfahrung (84 Erst- und Zweitligaspiele), viel Tempo, und in Luftduellen ein Wörtchen mitreden kann der US-Nationalspieler dank seiner 1,93 Meter ebenfalls.

Fast zwei Jahre arbeitete Hertha-Manager Michael Preetz daran, Brooks zur Unterschrift eines neuen, über die bisherige Laufzeit von 2017 hinausgehenden Vertrags zu bewegen. Viele Verhandlungen mit wechselnden Beratern später ist das gelungen: Am Sonntag unterzeichnete Brooks einen neuen Kontrakt bis 2019 bei Hertha.

„Ich bin sehr, sehr glücklich darüber. Jay hat ein Riesenpotenzial“, sagte Dardai. Aber „Jay“ Brooks hat auch ein Faible für die Premier League. Deshalb wurde davon ausgegangen, dass Brooks auf eine Ausstiegsklausel bestehen würde. Die allerdings ist nach Morgenpost-Informationen nicht Teil der neuen Abmachung. Selbst wenn ein Vertrag ohne Hintertürchen heute nicht mehr zwangsläufig bedeutet, dass er erfüllt wird, bleibt Brooks erst einmal weiter Herthaner.

Weichen im Abwehrzentrum sind fürs nächste Jahr gestellt

„Das ist ein schönes Signal“, fand Dardai. Der Ungar hatte dabei mitgeholfen, den in der eigenen Jugend ausgebildete Verteidiger Brooks vom Bleiben zu überzeugen. „Ich bin der erste Trainer, der ihm richtig Vertrauen geschenkt hat – auch im letzten Jahr, als er einige Fehler drin hatte“, sagte Dardai.

Vor Brooks hatten die Berliner bereits mit dessen Nebenmann Sebastian Langkamp bis 2019 verlängert. Dazu kam im Sommer Niklas Stark, den Dardai besonders wegen dessen Schnelligkeit schätzt. Auch er besitzt einen Kontrakt bis 2019. Darüber hinaus steckt Hertha in Verhandlungen mit Fabian Lustenberger, der in der Morgenpost ankündigte, gern in Berlin bleiben zu wollen. Seine Unterschrift dürfte bald folgen. Auch er ist ein verlässlicher Innenverteidiger, selbst wenn er im Moment als Mittelfeldspieler gebraucht wird.

Damit hat Hertha für die wichtige Position im Abwehrzentrum für die kommende Saison Weichen gestellt, während die halbe Liga nach brauchbaren Leuten fahndet. Das ist ein Signal nach außen.

Früher gingen die eigenen Talent früh weg

Früher, als der Schnee noch liegen blieb und die Seen zufroren, war Hertha zumeist nur ein Ausbildungsverein. Schafften vielversprechende Spieler in Berlin den Sprung in die Bundesliga, waren sie auch schnell weg: Jerome und Kevin Boateng, Malik Fathi, Ashkan Dejagah und zuletzt Nico Schulz. Nun mit Brooks ist das anders. Er will mit Hertha den nächsten Schritt gehen.

„Wir können uns alle noch entwickeln, um in der Zukunft noch besser zu werden. Daran möchte ich mitarbeiten“, sagte Brooks auf der Internetseite des Vereins. Das ist ein Signal nach innen und außen zugleich. Brooks’s Verlängerung sehen sie bei den Berlinern als Lehrstück, wie es weitergehen soll.

Darüber hinaus eignet er sich prächtig als Anschauungsmaterial dafür, wie man aus eigenen Fehlern lernen kann. Er galt stets als phlegmatisch und manches Mal als einer, der die falschen Prioritäten setzt. Das hat sich mittlerweile geändert. „Die Spannung halten“, nennt das Dardai – das kriegt Brooks seit dieser Saison hin.

Lerneffekte nach dem 3:3 gegen Bremen

Bei seiner Mannschaft hat Dardai gegen Werder Bremen reichlich eigene Fehler gesehen, aus denen es zu lernen gilt: Natürlich ist es kein Erfolg, wenn man beim Tabellen-16. 3:3 spielt, obwohl man bis 20 Minuten vor Schluss 3:1 führt.

Vor allem das 1:2 durch Fin Bartels nach einem 50-Meter-Lauf ärgerte Dardai: „Da braucht es ein taktisches Foul. Aber wir sind immer noch die netteste Mannschaft. Der Gegner macht ständig taktische Fouls. Meine Spieler sind blau und lila. Wir aber sind nett und wollen nur spielen.“

Wie man eine Führung zum Sieg verwaltet – eine Eigenschaft, die Spitzenteams auszeichnet – muss Hertha noch lernen. Seit dem Sommer lief die Entwicklung rasant und fast reibungslos. Nun muss man sich bei Hertha daran gewöhnen, dass nicht alles gleichschnell mitwächst: „Von Null auf Hundert geht nicht“, sagte Dardai und sprach von Naivität bei seiner Mannschaft.

Als Spitzenteam sieht er seine Elf trotz Platz drei nicht: „Wir stehen da oben, weil die großen Mannschaften zu viele Fehler gemacht haben.“ Man lerne aber nur bedingt von anderen, sagte Dardai. „Aus eigenen Fehlern lernt man.“ Dafür ist John Brooks ein gutes Beispiel. Und das soll nun in Zukunft auch Hertha als gesamtes Team so gehen.