Bundesliga

Hertha verspielt Zwei-Tore-Führung in Bremen

Der Hauptstadt-Klub holt am Sonnabend nur einen Punkt im Spiel gegen Bremen. Brooks verlängert seinen Vertrag vorzeitig um zwei Jahre.

Nach einem 2:0 stand es am Ende 3:3

Nach einem 2:0 stand es am Ende 3:3

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Marvin Plattenhardt stemmte seine Hände nach dem Abpfiff ernüchtert in die Hüften, Salomon Kalou strich sich verunsichert über den Schädel, und Johannes van den Bergh blickte gedankenverloren in Richtung der markanten Bremer Flutlichtmasten. Drei Gesten, eine Erkenntnis: Für Hertha BSC wäre mehr drin gewesen beim SV Werder. Viel mehr.

Doch weil die Berliner in der zweiten Halbzeit die Kontrolle über das Spiel verloren, reichte es trotz der Treffer von Vladimir Darida (29. Minute), Plattenhardt (41.) und Kalou (71.), nur zu einem 3:3 (2:0).

„Wir führen 20 Minuten vor dem Ende 3:1“, ärgerte sich Mittelfeldmann Per Skjelbred, „da müssen wir ruhig bleiben und den Sack zumachen!“

Es bleibt also dabei: Hertha wartet 2016 weiter auf den ersten Pflichtspielsieg. Gemessen an der traditionell schlechten Bilanz in Bremen – die vergangenen sieben Partien an der Weser gingen allesamt verloren – lässt sich der Punktgewinn zwar als Fortschritt interpretieren. Fakt ist aber auch: Mit zwei Punkten aus zwei Spielen lässt sich keine rechte Rückrundenstart-Euphorie entfachen. Schon gar nicht, wenn man die Art und Weise betrachtet, in der Hertha die vermeintlich ¬sicheren drei Punkte noch aus der Hand gab. Immerhin: In der Tabelle verbleiben die Berliner auf Rang drei.

Freuen kann sich niemand über den Punkt

Freuen konnte sich am Sonnabend niemand über den Punkt, zu frisch waren die Erinnerungen. An das erste Gegentor durch Werders eingewechselten Fin Bartels zum 2:1 (67.), als der Bremer bei seinem Solo die halbe Hertha-Mannschaft stehen ließ. „Dass wir auswärts einen 50-Meter-Konter bekommen, hat man lange nicht erlebt“, sagte Innenverteidiger Sebastian Langkamp.

Nicht weniger ärgerlich war das Foul von Fabian Lustenberger, der im eigenen Strafraum nach 75 Minuten Anthony Ujah zu Fall brachte. ¬Schiedsrichter Bastian Dankert zeigte schnurstracks auf den Elfmeterpunkt, Claudio Pizarro verwandelte souverän. „Der Elfmeter war ein Schlüsselpunkt“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai später. Tatsächlich drückte Pizarro nur zwei Minuten später einen Kopfball von Santiago Garcia über die Linie. Torwart Rune Jarstein war beim 3:3 (77.) ohne Chance. „Danach hat Werder mit großer Leidenschaft gekämpft“, sagte Dardai. Hektisch und impulsiv ging es in der Endphase zu.

In Hälfte eins war Hertha vom Chaos der Schlussminuten weit entfernt. Den Ball ließen die Berliner so beharrlich und unaufgeregt durch die eigenen Reihen laufen, wie die Weser ihr Wasser hinterm Stadion in Richtung Nordsee schob. Selbstbewusst und souverän wirkte das. Zwingend wurde Hertha nach einer knappen halben Stunde. Erst scheiterten Kalou und Vedad Ibisevic, jeweils nach einer Ecke, per Kopf (28.), ehe Vladimir Darida den Ball aus 26 Metern energisch aufs Bremer Tor drosch. Weil Werder-Keeper Felix Wiedwald nicht seinen stärksten Tag erwischt hatte, stand es 1:0 (29.).

Ein zweites Dankeschön konnte Hertha noch vor der Pause an den Bremer Schlussmann richten. Denn noch schlechter als bei Daridas Fernschuss sah Wiedwald bei Plattenhardts 17-Meter-Freistoß zum 2:0 (41.) aus. Mit Beginn der zweiten Halbzeit holte sich Per Skjelbred seine fünfte Gelbe Karte ab. Der Norweger wird am Sonnabend im Topspiel gegen den Liga-Zweiten Borussia Dortmund gesperrt fehlen. Dass ¬Bartels wenig später zum Anschluss traf, schien Hertha nicht wirklich zu beeindrucken. Kalou schob nach Vorarbeit des eingewechselten Johannes van den Bergh zum 3:1 ein. Das Ende des zehn Jahre währenden „Bremen-Fluchs“, es schien zum Greifen nah. „Nur leider“, sagte Langkamp, „haben wir danach einige elementare Dinge falsch gemacht.“

Mitchell Weiser: Wir sind noch kein Spitzenteam

Um die Enttäuschung beim Berliner Anhang zu lindern, griff nach Spielende der Manager ein. Michael Preetz twitterte, dass Abwehrspieler John Brooks seinen Vertrag bei Hertha in den kommenden Tagen bis 2019 verlängern wird. Kein allzu schwacher Trost, Pal Dardai wird das freuen wie die Fans. Schließlch hatte sich Hertha anderthalb Jahre bemüht das derzeit bis 2017 laufende Arbeitspapier mit dem US-Nationalspieler zu verlängern.

Dem Spiel konnte der Trainer mit etwas Abstand ebenfalls eine positive Facette abgewinnen. Der Ungar sagte: „Für Fans und Zuschauer war das ein geiles Spiel.“ Die Erkenntnis für Hertha formulierte Außenverteidiger Mitchell Weiser ungeachtet des dritten Tabellenplatzes: „Wir sind noch kein Spitzenteam. Warum hat man hier gesehen.“

Lesen Sie hier die Partie vom Sonnabend noch einmal im Live-Ticker nach: