Herthas Sturmduo

Kalou und Ibisevic – Kalte Schnauze, heißes Herz

Die enorme Effizienz von Sturmduo Salomon Kalou und Vedad Ibisevic gibt Herthas Pokal-Traum vor dem Achtelfinale in Nürnberg Auftrieb.

Vedad Ibisevic (r.) und Salomon Kalou (l.) erzielten in dieser Saison zusammen 14 Tore in der Bundesliga. Kalou sorgte zudem für drei von insgesamt vier Berliner Tore im DFB-Pokal

Vedad Ibisevic (r.) und Salomon Kalou (l.) erzielten in dieser Saison zusammen 14 Tore in der Bundesliga. Kalou sorgte zudem für drei von insgesamt vier Berliner Tore im DFB-Pokal

Foto: Alexander Scheuber / Bongarts/Getty Images

Pal Dardai hat nicht alle beisammen. Noch nicht. Ein Präsent fehlt noch für Heiligabend. Er muss noch mal los und am Mittwoch zuschlagen, wenn sich die Gelegenheit bietet. „Das ist eigentlich ein schönes Weihnachtsgeschenk“, sagt Herthas Cheftrainer. „Und es kostet nichts.“ 90 Minuten harte Arbeit. Vielleicht 120. Aber dann hätte er, was sich die, die er beschenken will, wünschen. Dann hätte er, was er sich selbst wünscht.

Pal Dardai meint den DFB-Pokal – das große, emotionale Klub und Fans verbindende Projekt bei Hertha BSC in dieser Saison. Der Ungar selbst hat es erst zu einem gemacht, als er so frech war, wider die eigene Vereinsgeschichte in jenem Wettbewerb von seinem Traum zu erzählen, einmal im eigenen Olympiastadion Teilnehmer am Pokalfinale zu sein und nicht nur Zuschauer.

Es eignet sich gut dafür, um daran ein neuerliches Selbstvertrauen aufzurichten. Es sorgt für heiße Herzen. Am Mittwoch trifft der Bundesligadritte im Achtelfinale auf den 1. FC Nürnberg (19 Uhr, Sky) – wenn man so will, das Hertha der Zweiten Liga . Und Dardai glaubt, dass es „ein Geduldsspiel“ wird.

Zusammen brauchen beide nur dreieinhalb Schüsse für ein Tor

Der 39-Jährige würde die eigene Gefolgschaft also gern mit einem Weiterkommen im Pokal bescheren. Da trifft es sich gut, dass Dardai wie der echte Weihnachtsmann emsige Helfer hat. Und es trifft sich ebenso gut, dass eine ihrer Qualitäten die Geduld ist.

Salomon Kalou und Vedad Ibisevic haben in dieser Bundesligasaison zusammen 14 Tore erzielt und damit mehr als die Hälfte aller Berliner Treffer (24). Seit Marko Pantelic und Andrej Voronin vor sieben Jahren hatte Hertha kein so treffsicheres Sturmduo mehr.

Im Moment drängen sich ohnehin eine Menge Vergleiche zu jener Spielzeit 2008/09 unter Trainer Lucien Favre auf. Wie Pantelic und Voro­nin damals zeichnen sich Kalou und Ibisevic heute durch eine enorme Kaltschnäuzigkeit aus. Durchschnittlich nur dreieinhalb Torschüsse brauchen sie gemeinsam für einen Treffer in der Liga. Kein Team ist effizienter vor dem Tor. Zuletzt in Darmstadt machten die Blau-Weißen aus nur neun Versuchen vier Treffer.

Strafraumraubtier und Kätzchen

„Das ist eine Frage der Geduld“, sagt Dardai, wenn man wissen will, woher die Effizienz kommt. Kein überhastetes Abschließen, sondern ein ruhiges Herausspielen der bestmöglichen Gelegenheit. Herthas Aufschwung in dieser Spielzeit ließe sich allein an dieser Aussage illustrieren: Nun ist man bei den Berlinern nicht mehr nur froh, wenn man überhaupt mal eine eigene Torgelegenheit bekommt, wie noch in der vergangenen Rückrunde.

Man spielt jetzt so lange, bis sich die bestmögliche ergibt. Und nun hat man vorn im Angriff mit Kalou und Ibisevic zwei Burschen, die sie auch nutzen. Dardai hat oft darauf hingewiesen, dass beide Stürmer voneinander profitieren. „Für Salomon ist es schön, dass Vedad hier ist“, hat der Trainer nach dem Sieg in Darmstadt gesagt, als Ersterer einen und Letzterer zwei Tore zum Erfolg beitrugen. „Wir profitieren jetzt ohne Ende von Salomons Spielfähigkeit.“

Im Grunde sind Kalou und Ibisevic auf dem Feld zwei völlig verschiedene Figuren: Der Bosnier legt sich im Strafraum auf die Lauer. Er ist ein Stürmerraubtier, das, wie beim 1:0 in Darmstadt mit Aytac Sulu auch mal den Gegenspieler wegschubst, wenn er ihm beim Beutezug im Wege steht.

Kalou dagegen ist ein ziemlich netter Typ – auf dem Feld und daneben. Geschmeidig wie ein Kätzchen geht er an seinen Gegenspielern vorbei. Der Strafraum allein ist nicht das Habitat des 30-Jährigen. Aber auch er hat den Killerinstikt. Im Pokal erzielte der Ivorer drei der bisher vier Berliner Treffer.

Beide Angreifer kommen aus ähnlich tiefen Löchern

Vielleicht liegt es an ihrer Unterschiedlichkeit, dass beide dennoch gut zueinander passen. Kalou wollte nie im Mittelpunkt stehen, in den er als Champions-League-Sieger bei Hertha gezogen wurde. Am Montagnachmittag teilte er auf Instagram folgendes Zitat des französischen Soziologen Frederic Lenoir: „Frei zu sein heißt, frei zu sein vom Blick der anderen.“

Seit Ibisevic im Sommer kam, richten sich die Blicke nun öfter auf ihn. Der 31-Jährige wollte gern wieder im Mittelpunkt stehen, aus dem man ihn beim VfB Stuttgart vertrieben hatte.

Beide verbindet, dass sie aus ähnlich tiefen Löchern kommen. „Das ist eine Charakterfrage“, sagt Innenverteidiger Sebastian Langkamp über die Kollegen. „Vedad hatte eine schwere Zeit in Stuttgart. Er will nicht nur sich etwas beweisen, sondern auch den Leuten, die ihn weggeschickt haben.“

Kalou habe ebenso kein einfaches, erstes Jahr bei Hertha hinter sich. „Er will zeigen, dass er noch immer der Salomon Kalou ist, der er vorher war.“ Der Mannschaft gebe es ein besonders gutes Gefühl zu wissen, „dass es mit ihnen da vorn jetzt eine gewisse Effizienz gibt“, sagt Langkamp.

Gegner Nürnberg hat die zweitbeste Offensive der Liga

In Nürnberg setzt Hertha am Mittwoch wieder auf die kalte Schnauze seines Sturmduos – und trifft auf einen Gegner, bei dem es keine echten Stürmer mehr gibt. Zwar hat der Club mit 35 Saisontoren hinter Freiburg (40) die zweitbeste Offensive der Zweiten Liga. Aber Trainer René Weiler lässt zumeist die beiden ausgebildeten Mittelfeldspieler Lukas Füllkrug (vier Saisontore) und den Österreicher Guido Burgstaller (acht) im Angriff beginnen. Wahrscheinlich auch am Mittwoch im Pokal-Achtelfinale.

Dardai sagt, in Nürnberg zu gewinnen, sei eine schwierige Aufgabe, „aber eine machbare.“ Für seine beiden Geschenkehelfer werden sich jedenfalls wohl ein paar Gelegenheiten bieten: Denn neben der zweitbesten Offensive unterhalten die Franken mit 27 Gegentoren auch die fünftschlechteste Defensive der Liga.