DFB-Pokal

René Weiler: „Hertha spielt so stark wie lange nicht“

Nürnbergs Trainer geht selbstbewusst ins Pokal-Achtelfinale gegen Hertha BSC: Der Zweitligist ist seit neun Spielen ungeschlagen.

Der Schweizer Rene Weiler  löste beim 1. FC Nürnberg im November 2014 Trainer Valerien Ismael ab.

Der Schweizer Rene Weiler löste beim 1. FC Nürnberg im November 2014 Trainer Valerien Ismael ab.

Foto: Daniel Karmann / dpa

Nürnberg.  Nach neun Pflichtspielen ohne Niederlage glaubt Nürnberg-Trainer René Weiler (42) auch an die Sensation im DFB-Pokal. Er sieht Parallelen zwischen dem Höhenflug des „Clubs“ und dem der Hertha. Ein Sieg wäre auch wichtig, damit der Verein mit den Pokal-Einnahmen Leistungsträger halten kann.

Berliner Morgenpost: Herr Weiler, bei seinem letzten Aufeinandertreffen mit einem Berliner Verein hat der 1. FCN drei Tore kassiert. Dürfen sich die Hertha-Stürmer schon auf das Pokal-Achtelfinale in Nürnberg freuen?

René Weiler: Nein. So einfach werden sie es nicht haben. Das 3:3 bei Union Berlin vor gut einem Monat war eine verrückte Partie. Und ich weiß, worauf Sie anspielen: Wir haben in dieser Saison schon ein paar Mal ein paar Tore zu viel kassiert – das hängt einem natürlich nach. Aber wir sind mittlerweile stabiler und lassen weniger Torchancen zu. Wir haben die Balance in unserem Spiel gefunden.

„Will nicht der Trainer mit den meisten Torhüterwechseln sein“

Reicht das, um die Hertha zu schlagen?

Hertha spielt so stark wie lange nicht. Aber wir haben die Chance, wenn wir einen guten Tag erwischen. Wir müssen jeden Zweikampf, jeden Pass mit voller Intensität und Konzentration angehen. Das werden wir der Mannschaft einschärfen. In so einer Situation brauchst du Spieler, die wissen, wo es langgeht und um was es geht.

Ein Grund für Sie, wieder auf Torhüter Raphael Schäfer zu setzen?

Er ist definitiv eine Persönlichkeit und einer, der den Mund aufmacht. Davon haben wir in unserer jungen Mannschaft noch zu wenige. Ich habe in der aktuellen Spielzeit bereits drei verschiedene Torhüter aus unterschiedlichen Gründen einsetzen müssen und plane nicht, wieder etwas zu ändern. Ich will ja auch nicht der Trainer sein, der mit den meisten Torhüterwechseln in die Geschichte des Klubs eingeht (lacht).

„Unser sportlicher Ehrgeiz ist Anreiz genug“

Der „Club“ ist mit dem Bundesliga-Abstieg 2014 in finanzielle Schieflage geraten, hat rund 3 Millionen Euro Schulden. Ist der finanzielle Aspekt für das Pokalspiel eine Extra-Motivation?

Unser sportlicher Ehrgeiz ist Anreiz genug, das können Sie mir glauben. Wir haben und machen uns so schon genug Druck, da brauchen wir uns nicht noch zusätzlich etwas aufzubürden.

Dennoch droht ohne weitere Einnahmen schon im Winter der nächste Ausverkauf. Ihr Spielmacher Alessandro Schöpf wird offensiv von Hannover und Stuttgart umworben...

Er ist eine tragende Kraft für uns und mein Wille ist, dass er bleibt. Wir hatten erst im vergangenen Sommer einen größeren Umbruch, als ich mir das gewünscht hätte. Darunter hatten wir zum Saisonstart zu leiden. Aber ich bin in dem Fall nicht der Entscheidungsträger – das ist unser Management. Was möglich ist, wenn die Mannschaft zusammenwächst, sehen wir jetzt.

„Niklas Stark ist ein entwicklungsfähiger Spieler“

Niklas Stark ist einer der Spieler der im Sommer aus finanzieller Not heraus wechselte – zur Hertha. Sind Sie froh, dass er nach einer Leistenoperation gegen seinen alten Klub ausfällt?

Nein, ich hätte mich gefreut, wenn er gespielt hätte. Wir kennen ja nicht nur seine Stärken, sondern auch seine Schwächen.

Die da wären?

Er ist ein entwicklungsfähiger Spieler, der noch mehr Ruhe am Ball, mehr Übersicht und ein besseres Timing beim Kopfball braucht.

Das hört sich nicht so an, als hätte Hertha die Ablöse von drei Millionen Euro gut angelegt.

Doch, das Geld ist gut investiert. Niklas ist jung und hat wahnsinnig viel Potential. Für ihn gilt es, nach seiner Rückkehr nach der Winterpause schnell den Anschluss an die Mannschaft zu finden, die bisher so erfolgreich gespielt hat. Ich glaube: Er schafft das. Hertha wird noch viel Freude an ihm haben.

„Wir wurden teilweise arg benachteiligt“

Sagt Ihnen die „wahre Tabelle“ (www.wahretabelle.de, d. Red.) etwas?

Ja, darauf werde ich in Nürnberg häufiger angesprochen. Diese Tabelle ist da, um falsche Schiedsrichterentscheidungen zu bereinigen. Stimmt es, dass wir dort auf Platz zwei stehen?

Nein, sogar auf Platz eins – mit 37 Punkten, zehn mehr als tatsächlich.

Das wundert mich nicht, ist aber auch sehr theoretisch. Wir wurden teilweise arg benachteiligt.

Ihre Konsequenz?

Uns hilft das Jammern auch nicht. Wir haben gelernt, mit den gemachten Benachteiligungen umzugehen und nicht zu hadern – das macht uns stärker.

„Dieser Verein gehört in die Bundesliga“

Ist die Pokal-Partie gegen Hertha der Test für die Bundesliga-Tauglichkeit ihrer Mannschaft?

Es wird definitiv ein Gradmesser, auf den ich mich richtig freue. Danach werden wir sehen, wo wir stehen. Für mich ist klar: Dieser Verein gehört in die Bundesliga, doch den Zeitpunkt müssen wir nehmen, wie er kommt. Die Konkurrenz ist jedenfalls momentan groß. Viele meiner Spieler haben das Potential für den Sprung. Aber dafür brauchen wir vor allem Stabilität – finanziell und in der Führung des Vereins.

Mit Sportvorstand Andreas Bornemann und Finanzchef Michael Meeske hat Nürnberg erst im Herbst eine neue sportliche Leitung bekommen.

Es ist Ruhe drin – das ist ein großer Unterschied. Genau das macht übrigens auch die Hertha momentan so stark: Auch die ist früher durch viele unruhige Phasen gegangen. Jetzt ist der Verein stabil und erfolgreich.