Marvin Plattenhardt

Freistoßartist bei Hertha BSC, aber Zuschauer im Pokal

Warum die Freistoßkunst von Marvin Plattenhardt dafür sorgte, dass Hertha BSC im Pokal gegen Ex-Klub Nürnberg einen Ersatzmann für ihn hat.

Marvin Plattenhardt (2. v.r.) war lange ein Hinterbänkler bei Hertha BSC. Beim 4:0 gegen Darmstadt traf der Linksverteidiger per direktem Freistoß. Es war bereits die vierte Torbeteiligung des 23-Jährigen in dieser Saison

Marvin Plattenhardt (2. v.r.) war lange ein Hinterbänkler bei Hertha BSC. Beim 4:0 gegen Darmstadt traf der Linksverteidiger per direktem Freistoß. Es war bereits die vierte Torbeteiligung des 23-Jährigen in dieser Saison

Foto: Arne Dedert / dpa

An der Wand in Herthas Medienraum hängt die Erklärung für eine der zahlreichen eher schwer zu erklärenden Dinge, die im Moment beim Überraschungstabellendritten passieren. Ein Foto zeigt Marvin Plattenhardt, wie er einen Freistoß tritt.

Sein Oberkörper beugt sich dabei weit über den Ball, dass es fast unnormal aussieht. Neben dem Bild sitzt am Sonntagmorgen der leibhaftige Marvin Plattenhardt und erklärt seine Schusstechnik: „Man sagt ja: Wenn man ein bisschen tiefer runtergeht, fliegt der Ball nicht über die Wolken.“

Rhetorisch hält der Linksverteidiger den Ball ebenfalls schön flach, als er über Herthas Aufschwung spricht, der ja schon ziemlich nah an die Wolken heranreicht. „Wir sollten alle auf dem Boden bleiben“, sagt Plattenhardt.

Kollege Ronny kopiert

Ein Wortakrobat ist er nicht, dafür aber aktuell auf dem Weg, ein Standardartist zu werden. Beim 4:0 in Darmstadt trat er einen so pflaumenweichen Freistoß in den Winkel , dass man sich an einen Berliner Profi mit Inselbegabung erinnert fühlte. Trainer Pal Dardai macht folgenden Witz: „Ich finde es nicht gut, dass Marvin einfach Ronny kopiert.“ Allgemeines Gelächter.

Plattenhardt lacht nicht, als er den Witz hört. Es war zwar sein erstes Tor im Herthatrikot, aber nicht sein erster, direkt verwandelter Freistoß in der Bundesliga. Genau genommen waren es bisher drei. Und wenn man so will, sorgte der 23-Jährige mit einem davon dafür, dass die Blau-Weißen am Mittwoch im Pokal gegen seinen Ex-Klub Nürnberg nicht ohne Linksverteidiger dastehen werden.

Plattenhardt muss gegen die Franken nämlich zusehen, weil er beim 2:1 gegen den FSV Frankfurt in Pokalrunde zwei Gelb-Rot sah. Schade sei das, sagt er und nennt den Club, bei dem er sechs Jahre lang spielte, einen „machbaren Gegner“.

Kabinen-DJ van den Bergh bekommt eine neue Chance

Ersatzmann Johannes van den Bergh darf seinen Job übernehmen. Das wurde mit mehreren Kurzeinsätzen des 29-Jährigen vorbereitet. „Jojo hat sich enorm entwickelt“, sagt Dardai. Bei Hertha war er dennoch meistens Hinterbänkler und in Berlin nur, weil er vor zwei Spielzeiten mit Fortuna Düsseldorf abstieg.

Dafür gesorgt hatte auch Plattenhardts Schusstechnik: Am 33. Spieltag in der Saison 2012/13 erzielte er per direktem Freistoß den 2:1-Siegtreffer gegen van den Bergh und die Fortuna. Der entrissene eine Punkt fehlte Düsseldorf am Ende zum Relegationsplatz 16.

Nun sind beide in Berlin – und galten lange als B-Lösungen. Erst unter Dardai wurde Plattenhardt zum Leistungsträger und ist nun schon an vier Saisontreffern beteiligt. Van den Bergh bekommt jetzt eine neue Gelegenheit. In der Kabine mache er schon die Musik, wie in Darmstadt, als kantiger Hipp-Hopp durch die Tür dröhnte, „und alle eskalierten“, wie Plattenhardt berichtet. Auf dem Platz kann er nun zeigen, wo die Musik spielt.