Hertha BSC

Salomon Kalou – Herthas schillernder Mitläufer

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Jörn Meyn

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Salomon Kalou kann bei Hertha BSC endlich der Spieler sein, der er ist – dank Zugang und Sturmkollege Vedad Ibisevic.

Vor ein paar Wochen ist Salomon Kalou 30 geworden. Normalerweise feiert man das gebührend und lässt sich hochleben. Bei Kalou aber gab es keine Party. Stattdessen Spielvorbereitung: Ein paar Tage später nämlich stand Herthas Pokalpartie in Bielefeld an. Und nachgeholt wird die Fete auch nicht. „Aber ich bin nicht unglücklich darüber“, sagt Kalou.

Wenn man nun so da sitzt mit Herthas Angreifer und ihm zuhört, wie er über die verpasste Party spricht, dann wundert man sich. Man denkt: Der Typ ist Champions-League-Sieger, Afrikameister, ein Star. Und der ist froh, wenn es keine Sause für ihn gibt?

Mögen Sie es eigentlich, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, Herr Kalou? „Nein“, sagt der Ivorer. „Ich mag es nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Ich mag es, mit Leuten zusammen zu sein, aber ich will nicht der sein, über den alle reden. Ich halte mich gern zurück.“

In Berlin stets im Mittelpunkt, obwohl er sich lieber zurückhält

Salomon Kalou ist in einer Großfamilie in der Elfenbeinküste aufgewachsen – acht Schwestern, zwei Brüder. „Da kann man mal untertauchen. Und man lernt, dass es okay ist, wenn sich nicht alles um einen selbst dreht“, sagt er.

Das erklärt die ganze Geschichte, aber nach der Persönlichkeitsstruktur des Spielers hat keiner gefragt, als Kalou vor etwas mehr als einem Jahr zu Hertha wechselte. Endlich hatten die Berliner wieder einen Star im Team, einen, der den Klub aus seiner Mittelmäßigkeit nach oben hieven sollte. Alle Aufmerksamkeit richtete sich auf ihn. Und das ging natürlich schief.

Kalou schoss nur sechs Tore in der Saison und enttäuschte die Erwartungen. Aber auch in diesem Fall stand er im Mittelpunkt: nur eben im Mittelpunkt der Kritik. „Jeder hat von mir erwartet, dass ich allein alles zum Positiven ändere. Aber ich habe Zeit gebraucht“, sagt er heute.

Im Windschatten von Ibisevic

Seit ein paar Wochen hat sich die Aufmerksamkeit jedoch verschoben. Vedad Ibisevic ist nun da, der Bosnier füllt jetzt die Schlagzeilen – und Kalou ist froh darüber: „Dass Vedad gekommen ist, ist gut für mich. Es ist jetzt alles in einer besseren Balance“, sagt er.

Das klingt paradox: Mit Ibisevic kam ein neuer Stürmer in eine Mannschaft, die bis dahin oft nur mit einem Angreifer spielte, und der, der schon da war, freut sich drüber? Ja. Denn endlich kann Kalou in Berlin der Spieler sein, der er immer gewesen ist: ein Mitläufer, im besten Fall ein sehr guter.

Nichts anderes als ein Mitläufer war Kalou zu seiner erfolgreichsten Zeit beim FC Chelsea, wo Leute wie Didier Drogba und Michael Ballack im Fokus standen. Gleiches Bild in der ivorischen Nationalelf, wo Drogba und Kalous Jugendfreund Yaya Touré die Platzhirsche waren. Er selbst war dann gut und glücklich, wenn er in deren Windschatten agieren konnte.

In Berlin bietet nun Ibisevic diesen Windschatten. Aber nicht nur was die Persönlichkeit angeht, kann Kalou jetzt der Spieler sein, der er ist, sondern auch was seine Rolle auf dem Rasen betrifft. Herthas Trainer Pal Dardai hat zuletzt gegen Köln mit Ibisevic und Kalou gemeinsam stürmen lassen. „Vedad bindet vorn die Gegenspieler, und Salomon hat ein bisschen mehr Platz“, sagt der Ungar. Die hängende Spitze entspricht Kalou deutlich mehr. Denn so, wie er zuvor nie ein echter Star in seinen Mannschaft gewesen ist, war er auch nie ein klassischer Mittelstürmer.

Heute auswärts gegen Eintracht Frankfurt

An diesem Sonntag spielt Hertha auswärts gegen Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de). Dardai will sich erst am Spieltag entscheiden, wie er angreifen lassen wird. Ibisevic könnte eigentlich eine Pause gebrauchen, weil er nach langer Zeit ohne Spielpraxis zuletzt zweimal in der englischen Woche durchspielen musste. Das würde bedeuten, dass Kalou allein stürmt.

Spielt Ibisevic doch, könne Kalou auf einer Außenposition beginnen, wie er das bei Chelsea tat. Aber das ist eher unwahrscheinlich. Geht es nach Kalou, bleibt es bei der Doppelspitze: „Das klappt gut, weil Vedad und ich das gewohnt sind. Ich habe das in Lille gespielt, er für die bosnische Nationalelf“, sagt er. Beide hätten sie eine eigene Sprache für sich gefunden: Sie sprechen Französisch miteinander, Kalous Muttersprache. Ibisevic hat sie einst in Paris gelernt.

Bessere Körpersprache

Dardai sagt auch, Kalou habe seit einiger Zeit auch eine bessere Körpersprache als noch in der Vergangenheit. Fragt man Kalou danach, erzählt er: „Ich habe erkannt, dass ich mich besser anpassen muss.“ Aber auch Hertha scheint nun besser zu ihm zu passen. Das liegt einerseits an Ibisevic und anderseits am nun ballorientierten Stil.

Kalou ist sehr religiös. Er glaubt, dass alles im Leben seinen Sinn hat. „Es gibt einen Grund, warum ich hier in Berlin bin“, sagt er. „Ich hoffe, dass sich das in dieser Saison zeigen wird.“