Bundesliga

Marvin Plattenhardt – Herthas Wendegewinner

Hertha BSC verlängert den Vertrag mit Marvin Plattenhardt und will gegen Hannover 96 zeigen, dass die eigene Entwicklung nachhaltig ist.

Im Höhenflug: Marvin Plattenhardt hat in 23 der vergangenen 25 Bundesliga-Partien in Herthas Startelf gestanden

Im Höhenflug: Marvin Plattenhardt hat in 23 der vergangenen 25 Bundesliga-Partien in Herthas Startelf gestanden

Foto: City-Press / City-Press GbR

Der Fußballgott, sollte es ihn wirklich geben, hat ein besonderes Talent: Keiner unter den anderen Göttern des Olymps beweist immer wieder ein so feines Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Der Herr weiß, wann man Pointen setzt. Deshalb überrascht nicht, dass Hertha BSC gerade die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Marvin Plattenhardt um drei weitere Jahre bis 2020 verkündete. Am Mittwoch war das, kurz vor der Auswärtspartie gegen Hannover 96 am Freitagabend.

Es hat nämlich mit Hannover 96 zu tun, dass eine solche Verlängerung mit dem Linksverteidiger noch vor einer Weile kaum vorstellbar gewesen war. Und das macht das Ganze zu einer netten Cinderella-Story – vom verschmähten Aschen-Platte zum Umworbenen.

Der Tiefpunkt des 23-Jährigen war eine Niederlage gegen 96

Vor einem Jahr, am 7. November 2014, durfte Plattenhardt erstmals von Beginn an für Hertha auflaufen, Gegner war Hannover. Sein damaliger Trainer Jos Luhukay hatte bis zum 11. Spieltag nicht sonderlich viel Gefallen am Linksfuß gefunden, obwohl dieser im Sommer für rund 500.000 Euro aus Nürnberg verpflichtet worden war.

Nun aber sollte Plattenhardt gegen die Niedersachsen beginnen – und er vermasselte es kolossal. Hertha verlor 0:2, beide Treffer verschuldete Plattenhardt dilettantisch. Keine Sekunde mehr spielte er unter Luhukay.

Am Freitag, fast auf den Tag genau ein Jahr später, wird Plattenhardt wieder gegen Hannover in der Startelf stehen. Er wird sich dann aber nicht mehr als einer fühlen, der endlich mal eine Chance bekommen hat und unter dem Druck, sie bloß nicht vermasseln zu wollen, Nerven zeigt. Er wird sich vielmehr wie einer fühlen, der weiß, dass er nun zum Establishment der Blau-Weißen gehört.

Obwohl der Kontrakt des 23-Jährigen noch bis 2017 Gültigkeit besaß, fand Herthas Manager Michael Preetz, dass man ihn lieber mal jetzt schon langfristig an den Klub binden sollte. Preetz sagte, Plattenhardt habe sich, „zu einem zuverlässigen Stammspieler entwickelt“ und nennt ihn einen „Eckpfeiler in unser Viererkette“ und perspektivisch einen „sehr wichtigen Spieler für die Mannschaft“.

Von Pal Dardai protegiert

Marvin Plattenhardt ist ein Wendegewinner. Der Umbruch in seinem Berliner Karriereabschnitt kam im Februar und verdankte sich zu einem großen Teil Pal Dardai. Der Ungar löste Luhukay als Hertha-Trainer ab und tat, was viele Neulinge tun, wenn sie eine Mannschaft mitten in der Saison übernehmen: Er setzte auf die, die sein Vorgänger links liegen ließ, weil diese durch den Trainerwechsel frische Motivation bekommen und dem Neuen gegenüber besondere loyale Gefühle entwickeln.

Seit dem ersten Spiel unter Dardai hat Plattenhardt bis heute nur zweimal nicht in der Startelf gestanden – weil er da krank oder verletzt war.

Dardai erklärte die vorzeitige Vertragsverlängerung so: „Marvin hat die internationale Schnelligkeit. Er kann sich noch entwickeln, ist jung und so gut wie nie verletzt. Wenn er fleißig bleibt, hat er eine gute Zukunft vor sich und kann für uns ein wichtiger Spieler werden.“

Aber der 39-Jährige wollte die Ausweitung des Klubvertrauens in Plattenhardt bis 2020 auch als Signal verstanden wissen: „Weil Hertha besser da steht, ist auch Marvins Image besser. Das muss auch das Ziel für andere Spieler sein. Jeder kann seinen Vertrag bei uns verlängern“, sagte Dardai.

Kalou kann gegen Hannover spielen

Bei Hertha glauben sie, dass die Entwicklung Plattenhardts von einer Enttäuschung hin zur Stammkraft nachhaltig ist. Wenn man so will, gilt Gleiches auch für die Entwicklung des gesamten Teams.

Auch die Mannschaft blieb in der Vorsaison unter den Erwartungen. Seit dieser Spielzeit aber hat sich Hertha zu einer ansehnlichen Truppe gemausert, verfügt nun über eine wahrnehmbare Spielkultur und weckt daher Hoffnungen, dass man sich zu einer anerkannten Stammkraft in der Bundesliga ohne Abstiegssorgen entwickelt hat.

Aber ob diese Entwicklung, Herthas eigene Cinderella-Story, tatsächlich nachhaltig ist, wird auch die Partie gegen Hannover 96 zeigen. Dardai sagte daher: „Für uns ist das eine sehr wichtige Woche.“

Seit fünfeinhalb Jahren kein Sieg mehr gegen 96

Denn nach dem Dämpfer gegen Mönchengladbach (1:4) treffen die Berliner nun auf den Tabellen-14. Hannover, eine Mittelklasse-Mannschaft. Gegen das Champions-League-Team Gladbach kommt im Moment fast jeder unter die Räder, gegen 96 aber will Dardai von seiner Mannschaft sehen, dass die eigene Entwicklung nicht ins Stocken geraten ist: „Wir haben in diesem Jahr etwas erreicht. Wir haben uns eine Spielphilosophie erarbeitet. Nun treffen zwei ähnliche Mannschaften aufeinander. Wir müssen zeigen, dass wir unser Spielkonzept durchziehen und mit einem Punkt oder drei nach Hause fahren können“, so Dardai.

Ihm geht es auch darum, dass sein Team „mit einem guten Gefühl“ in die anstehende Länderspielpause gehen kann. Dafür wird er wieder auf Stürmer Salomon Kalou zurückgreifen, der am Mittwoch nach seinem Cut an der Schläfe voll mittrainieren konnte.

Auch möchte der Cheftrainer personell ein paar Änderungen vornehmen. Welche, das verriet er nicht. Dass Hertha gegen Hannover seit fünfeinhalb Jahren auf einen Sieg wartet, erwähnte Dardai ebenfalls nicht. Das Beispiel Marvin Plattenhardt zeigt ja, dass man an 96 schlechte Erinnerungen haben, aber dennoch glücklich werden kann.