Bundesliga

Hannover 96 beendet Herthas Siegesserie im Olympiastadion

Bittere Niederlage für Hertha BSC: Die Berliner mussten sich im Olympiastadion Hannover 96 geschlagen geben. Die Hannoveraner agierten in der Partie durchweg strukturierter.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Die Hauptattraktion des Abends, die beiden Mannschaften von Hertha BSC und Hannover 96, brachte sich gerade in Wallung für die Partie, da bewies der Stadion-Beschaller im Berliner Olympiastadion ein feines Gespür für die aktuelle Sachlage: Über die Lautsprecher dröhnte Status Quo’s „Rockin’ all over the world“. Das ging natürlich ins Bein und spornte die 39.410 Besucher in der halbleeren Arena zum Mitsingen des Refrains „I like it, I like it, I like it, I liiiike it“ an. So kann man auch die Stimmung heben, denn zuletzt hatten die Berliner Profis ja selbst nicht allzu viel dafür getan, dass man sonderlich Gefallen an ihnen finden konnte. Der Status Quo sah vielmehr so aus: Die Köpfe hingen aufgrund zweier desolater Auftritte im Pokal sowie in der Liga, und so mancher Anhänger forderte sogar den des Hertha-Trainers Jos Luhukay.

Der ist zwar weiterhin nicht ernsthaft in Gefahr, doch durch dieses Freitagabend-Spiel dürfte die Kritik an ihm nicht leiser werden. Denn Hertha verlor das Duell gegen Hannover 96 durch die Tore von Jimmy Briand (44. Minute) und Hiroshi Kiyotake (76.) verdient mit 0:2 (0:1) und könnte damit an diesem Wochenende sogar auf den Relegationsplatz abrutschen. Die schöne Heimserie aus drei siegreichen Partien ist damit gerissen. „Hannover hat es sicher gut gemacht, aber bei uns fehlte einfach der letzte Glaube“, sagte Luhukay.

Hertha hatte immerhin zwei echte Torchancen

Gefallen hatte dem Trainer auch nicht, was er zuletzt von seiner Mannschaft in Paderborn (1:3) zu sehen bekam, und stellte deshalb auf zwei Positionen um: Für Marcel Ndjeng durfte erstmals von Beginn an der aus Nürnberg verpflichtete Marvin Plattenhardt auflaufen. Der Linksverteidiger sollte später eine entscheidende Rolle spielen. Peter Niemeyer musste Genki Haraguchi weichen. Diese Startelf versprach also eigentlich ein bisschen mehr Offensivgeist. Doch Hertha tat zunächst, was sich bei den Heimspielen davor als brauchbares Mittel erwiesen hatte: Man überließ erst einmal dem Gegner das Feld (nur 34 Prozent Ballbesitz in der erste halben Stunde) und setzte auf Konter.

Das Problem mit derlei Maßnahmen aber ist, dass der Gegner, hat er erst einmal den Ball, auch manches Mal etwas Brauchbares damit anzufangen weiß: So musste Thomas Kraft nach 15 Minuten schon einen ersten Arbeitsnachweis erbringen, als Kiyotake den Berliner Schlussmann mit einer Direktabnahme aus fünf Metern überwinden wollte. Auf der Gegenseite versuchte es Salomon Kalou aus ähnlicher Position, drosch das Spielgerät aber über das Tor (17.). Wenig später tauchte der Ivorer erneut frei vor 96-Keeper Ron-Robert Zieler auf, verstolperte jedoch die gute Gelegenheit (24.). Es sollten die einzigen beiden echten Torchancen der Herthaner im gesamten Spiel bleiben.

Zunächst sah es aber so aus, als könne sich Hertha ein bisschen mehr von den Spielanteilen zurückholen, aber just in diesem Moment grätschte mal wieder eine alte Schwäche der Blau-Weißen dazwischen: die Anfälligkeit bei gegnerischen Standardsituationen. Eine Ecke flog in den Berliner Strafraum, Plattenhardt döste, und so konnte Briand aus acht Metern zum 0:1 abstauben (44.). „Ich komme einen Schritt zu spät, hatte spekuliert, dass der Ball anders kommt“, ärgerte sich Plattenhardt später über sein Heimdebüt.

Mit Pfiffen in die Pause

Hatten sich die blau-weißen Anhänger vor Spielbeginn noch zu „I like it“-Gesängen animieren lassen, so schlug das nun in Missfallen um, und sie verabschiedete die eigenen Mannschaft mit Pfiffen in die Pause.

Der zweite Durchgang war noch nicht alt, da blieb Innenverteidiger Fabian Lustenberger bei einer Grätsche im Boden hängen und musste verletzt ausgewechselt werden. Für den Kapitän kam John Brooks und durfte gleich mal zur Begrüßung den Ball aus dem Netz holen. Den Treffer durch Kiyotake nahm Schiedsrichter Peter Sippel allerdings regelkonform wegen einer Abseitsstellung zurück. Die sangesfreudigen Berliner Fans nutzten die Unterbrechung, um ihre Mannschaft mit einem echten Stadionhit aufzufordern: „Wir wollen euch kämpfen sehen“, was ja letztlich nichts anderes heißt, als: Ihr stemmt euch nicht genug gegen die Pleite.

Luhukay brachte nun Ronny, der zwar nicht als Kämpfer aber als formidabler Freistoßschütze bekannt ist. Für die kämpferische Note sollte Sandro Wagner sorgen. Doch falls es noch so etwas wie einen Kampf gegeben hätte, so erstickte ihn Plattenhardt, als er leichtfertig den Ball in der Mitte verlor und Kiyotake zum diesmal gültigen 0:2 einschob (76.). Hertha verliert dieses Spiel, weil sich die Blau-Weißen über 90 Minuten wieder nicht mehr als nur zwei passable Torchancen erspielen konnten und in der Defensive weiterhin so anfällig blieben wie in den zehn Saisonspielen davor. „Fehler können passieren, aber wir müssen anfangen zu kämpfen“, meinte John Heitinga. Die nun anstehende Länderspielpause dürfte ein paar unruhige Tage für Luhukay und Hertha bereithalten. Gefallen wird das bei den Berlinern niemandem.