Bundesliga

Hertha BSC: Müde Beine, müder Kopf

Nach starkem Saisonstart hängt Hertha nun durch. Aufgrund der Kopfverletzung von Kalou gibt es für das Hannover-Spiel Sorgen im Sturm

Gernervt: Die Herthaner Ronny (v.l.), Kapitän Fabian Lustenberger, Alexander Baumjohann und Genki Haraguchi nach dem 1:4 gegen Gladbach

Gernervt: Die Herthaner Ronny (v.l.), Kapitän Fabian Lustenberger, Alexander Baumjohann und Genki Haraguchi nach dem 1:4 gegen Gladbach

Foto: dpa Picture-Alliance / GES-Sportfoto / picture alliance / GES-Sportfoto

Berlin.  1:3, 0:2, 1:2 und nun 1:4 – das sind die Resultate von Hertha BSC bei den Kräftemessen mit den bisherigen Topteams der Bundesliga. Aber in keinem Vergleich waren die Berliner so chancenlos wie beim 1:4 (0:2) gegen Borussia Mönchengladbach. Das ist nicht unsere Kragenweite, gab Hertha-Trainer Pal Dardai zu verstehen: „Gladbach ist ein Topmannschaft, sie spielen in der Champions League.“

Wie zuvor schon bei den Partien in Dortmund, Wolfsburg und auf Schalke gab es für Hertha nichts zu holen. Für die 58.566 Zuschauer im Olympiastadion blieb die Erkenntnis: So schön die bisher erreichten 17 Punkte sind, die Bäume wachsen nicht in den Himmel.

Auf der Suche nach der Fitness

Hertha gehört unter Dardai nicht mehr zu jenen Teams, die in den Abstiegsabgrund schauen. Aber die Vorstellung gegen Gladbach zeigte, was die Verantwortlichen im Verein schon etwas länger predigen: Der Weg zu den Top-fünf-Teams der Liga ist sehr, sehr lang. Anders gesagt: So weit ist Hertha noch lange nicht. „Nein, wir haben nicht gedacht, dass wir schon weiter sind“, ­sagte Manager Michael Preetz. „Aber das war ein ­hervorragendes Spiel von Borussia Mönchengladbach.“

Dardai verschoss nach dem Spiel ein paar Spitzen. Die Niederlage sei ­vielleicht auch hilfreich, weil sie zur rechten Zeit komme. Einige Leute hätten ja bereits Hertha in der Europa League gesehen. Dazu ist zu sagen: Dardai selbst war es, der vor zwei Wochen formuliert hatte, die Mannschaft sei auf einem richtig guten Weg. Jetzt müssten auch die Anhänger ihr Team unterstützen. Gegen Gladbach hatte der Trainer zunächst auf ein ausverkauftes Olympiastadion gehofft.

Gladbach schnell und modern

In den Tagen vor der Begegnung hatte Dardai darüber gesprochen, dass die Tabelle nach zehn Spieltagen nun einige Aussagekraft habe. Gegen Gladbach, das sei für ihn das erste Topspiel mit Hertha.

Die Gäste spielten einen feinen, modernen Ball, schnell und kombinationssicher. Wenn man weiß, wo Hertha nach der vergangenen Rumpel-Saison herkommt, ist es keine Schande, da nicht mithalten zu können. Erstaunlich war, dass das Faustpfand der ersten acht Saisonwochen nicht griff: Statt in überzeugender körperlicher Verfassung schleppte sich die Mannschaft um Kapitän Fabian Lustenberger mit viel Willen, aber wenig Dynamik übers Feld. Und anders als in den ersten beiden Spielen dieser englischen Woche (1:0 in Ingolstadt, 2:1 n.V. beim FSV Frankfurt im Pokal) reichte es gegen Gladbach nicht.

Skjelbred: Uns hat etwas gefehlt

Mittelfeldspieler Per Skjelbred sagte: „Es war das letzte Spiel der englischen Woche. Vielleicht hat uns ein bisschen gefehlt.“ Die Diagnose seines Vorgesetzten fiel ähnlich aus. „Die Mannschaft hat die Doppelbelastung, die ganzen Reisen nicht runtergeschluckt. Sie war müde, auch mental“, sagte Dardai.

Der Ungar erlebt seine erste Saison als Cheftrainer, auch ihm unterlaufen Fehler. Die Mannschaft hatte sich vor dieser englischen Woche über ein zu hartes Training beschwert. Die letzten drei, ungewohnt matten Hertha-Auftritte bestätigen diese Einschätzung. Allerdings hat es Dardai bisher stets ausgezeichnet, dass er aus Fehlern rasch gelernt hat.

Kalou mit vier Stichen genäht

Das Selbstbewusstsein ist auch nach der vierten Niederlage intakt. Alexander Baumjohann twitterte: „Leider ­keine Punkte und die Heimserie ist ­gerissen. Aber jetzt Köpfe hoch und weiter hart arbeiten! Freitag in Hannover geht’s weiter!“

Für die Partie bei Hannover 96 wartet indessen die nächste Herausforderung: Wer spielt im Sturm? Es ist ­fraglich, ob Salomon Kalou nach seiner Gehirnerschütterung rechtzeitig gesundet. Der Stürmer hatte einen ­Gewaltschuss von Gladbachs Havard Nordtveit geblockt und dabei als ­Reflex seine Hand an den Kopf gelegt. Durch die Wucht des Schusses eben auf die Hand ritzte sich Kalou mit den eigenen Fingernägeln den Kopf auf - der Cut an seinem Schädel musste mit vier Stichen genäht werden.

Vedad Ibisevic heute vor dem DFB-Sportgericht

Zudem wird heute beim Deutschen Fußball-Bund über die Länge der Sperre von Vedad Ibisevic verhandelt. Im Einzelrichter-Verfahren war Ibisevic für seine Rote Karte wegen rohen Spiels auf Schalke für vier Liga-Spiele gesperrt worden. Der Torjäger wird mit Vereinsjurist Thomas E. Herrich in Frankfurt/Main anwesend sein. Selbst, falls es Hertha gelingen sollte, die ­Strafe um eine Partie zu reduzieren, muss Ibisevic in Hannover noch zuschauen. An eine Halbierung der Sperre auf zwei Spiele – dann wäre Ibisevic am Freitag dabei – glauben nicht mal die größten Optimisten.

Dardai sagt: „Ich habe keine Stürmer-Not. Ich habe genügend Spieler, auch Genki Haraguchi oder Valentin Stocker können vorne spielen.“ Die Botschaft des Trainers: „Wir sind eine fleißige Mannschaft, wir arbeiten hart. Ich mache mir keine Sorgen. Wir wissen, was unsere Qualitäten sind, die müssen wir ausspielen..“