DFB-Pokal gegen Frankfurt

Traum gegen Trauma bei Hertha im Pokal

Nach Erfolgen in der Bundesliga will Hertha BSC beim FSV Frankfurt nun auch die eigene Pokal-Allergie überwinden.

Hertha-Trainer Pal Dardai

Hertha-Trainer Pal Dardai

Foto: imago/Sebastian Wells

Wie lange muss man bei einem Verein sein, damit dessen Sehnsüchte die eigenen werden?

Pal Dardai ist knapp 19 Jahre bei Hertha BSC. „Mein größter Wunsch ist es, einmal den DFB-Pokal zu gewinnen“, hat der Ungar gesagt. Damals war er noch Spieler. Einer, dessen Karriere sich dem Ende entgegen neigte, und der sich deshalb im Juli 2007 damit beeilen musste.

Drei Monate später flog Hertha in der zweiten Runde gegen den Regionalligisten Wuppertaler SV raus. Ein weiterer Beitrag zur besonders belasteten Beziehung der Berliner mit diesem Wettbewerb. Seit 30 Jahren schaffte es Hertha nur sieben Mal überhaupt in die dritte Runde.

Trainer Dardai hofft auf das Endspiel im Olympiastadion

Nun ist Pal Dardai kein Spieler mehr, sondern Trainer bei Hertha. Aber an seinem Wunsch hat sich nur marginal etwas verändert. Er träume nun davon, ins Finale einzuziehen, sagte der 39-Jährige vor der aktuellen Saison. Das Geheimnis von Dardais Beliebtheit bei den Hertha-Anhängern ist ja, dass sie in ihm ihre Sehnsüchte recht gut vertreten sehen: Er habe keine Lust mehr, zum Endspiel ins heimische Berliner Olympiastadion zu marschieren und dort anderen Mannschaften zuzuschauen, hat Dardai gesagt.

Um die Chance auf einen Platz im Finale nicht wieder bereits im Herbst zu ersticken wie so oft in den letzten Jahren, muss Hertha an diesem Dienstag beim Zweitliga-Neunten FSV Frankfurt bestehen (19 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de).

Wiedersehen mit Fanol Perdedaj

Die Frankfurter sind in Liga zwei zwar ein klassisches Durchschnittsteam, aber eines, das kämpfen kann: Am Freitag gewann die Elf von Trainer Tomas Oral gegen den Aufstiegsaspiranten Bochum nach einem 0:2-Rückstand noch 3:2. Solche unterklassigen Mentalitätstruppen haben Hertha in der Vergangenheit oft genug zu Fall gebracht. „Wir wollen ein brutal unangenehmer Gegner für Hertha sein“, sagt Oral.

Bei den Hauptstädtern dagegen wollen sie gern den Schwung aus der Bundesliga mit in den Pokal nehmen. Aus dem 1:0 gegen Ingolstadt am Sonnabend nehme man auch die Erkenntnis mit, „dass wir aktuell eine gute Form haben“, sagte Kapitän Fabian Lustenberger. Und er versprach: „Wir werden alles raushauen. Wir sind der klare ­Favorit und wollen eine Runde weiterkommen“, sagte der Schweizer.

Liga und Pokal unterhalten eine Wechselbeziehung

Pokal und Bundesliga unterhalten ohnehin eine Art Wechselbeziehung: „Wir wissen, dass der Auftakt in die Saison mit dem Erstrunden-Sieg gegen Bielefeld enorm wichtig für das war, was danach passiert ist“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Im August gewannen die Blau-Weißen beim Zweitligaaufsteiger erstaunlich souverän 2:0. „Das trägt. Das gibt Selbstvertrauen und setzt Kräfte frei“, sagte Preetz. Hertha hat danach 17 Punkte aus zehn Bundesligapartien geholt.

Aber Preetz sagte das auch deshalb, weil er weiß, wie es ebenso gut umgekehrt laufen kann. Dafür muss der 48-Jährige nur fast genau ein Jahr zurückschauen: Am 28. Oktober 2014 verloren die Berliner beim Drittligisten Arminia Bielefeld (2:4 nach Elfmeterschießen) in der zweiten Pokalrunde. Hört man sich im Verein um, hört man auch, dass dies der Anfang vom Ende von Dardais Trainer-Vorgänger Jos Luhukay war.

Berliner planen mit dem Erreichen der dritten Runde

Ein erneutes frühes Pokal-Aus würde zwar Dardais Job nicht in Gefahr bringen, aber die aufgekeimte Euphorie killen. Denn es ist wohl so, dass die Dinge, die man sich am sehnlichsten wünscht, auch das größte Enttäuschungsrisiko bergen. Traum und Trauma liegen nur einen einzigen Buchstaben von einander entfernt.

Aber das gilt ja auch umgekehrt: Ein Weiterkommen würde die Euphorie bei den Berliner Fans steigern. Dardai sagte im RBB passend dazu: „Wenn wir gegen Frankfurt gewinnen, erwarte ich im Heimspiel am Sonnabend gegen Gladbach ein ausverkauftes Stadion.“

Bei Hertha trauen sie sich also wieder was. Auch in Sachen Pokal. Geschäftsführer Ingo Schiller verkündete schon Ende Mai, dass sein Verein in der neuen Spielzeit mit dem Erreichen der dritten Pokalrunde plane. Das sorgte bei den Journalisten im Raum für ein paar Lacher.

Aber so lächerlich ist das jetzt dann auch nicht mehr. Beim FSV Frankfurt nämlich warten sie schon seit 33 Jahren darauf, endlich mal die dritte Runde im Pokal zu erreichen.