DFB-Pokal

Hertha gewinnt gegen Bielefeld souveräner als gedacht

Hertha hat sich im DFB-Pokal für das Vorjahres-Aus in Bielefeld revanchiert. Kalou und Darida treffen - unbeeindruckt vom Bus-Vorfall.

Bielefeld.  Es war ein riskantes Spiel, aber es ging auf. Und damit lebt der Traum von Pal Dardai. Der Trainer von Hertha BSC will endlich das Pokalfinale im Olympiastadion als Teilnehmer erleben. Den ersten Schritt tat seine Mannschaft in Bielefeld. In einer hitzigen Erstrunden-Partie bei Arminia Bielefeld setzt sich der Bundesligist aus Berlin am Montag mit 2:0 (0:0) durch.

Riskant war das Spiel, nicht nur wegen der Umstände mit dem Schuss auf den Hertha-Mannschaftsbus am Vortag oder wegen der vielen Polizeibeamten, die Hertha in Bielefeld permanent umgaben. Riskant war die Strategie von Hertha, sich über drei Viertel der Partie auf das Prinzip „Safety first“ zu verlegen. Der Favorit begnügte sich zunächst damit, gegen den Zweitligisten sicher zu stehen. Keine Chancen zulassen. Sich nicht von der Hektik anstecken lassen, die die Hausherren versuchten zu verbreiten. Wenn die Gegner müde werden, dann setzt Dardai auf frische, schnelle Spieler. Ein Schachzug, der aufgehen sollte.

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Schulz kommt und bereitet vor

Nico Schulz war erst nach 67 Minuten eingewechselt worden. Mit einem rasanten Antritt aus der eigenen Hälfte, riss er die Arminen-Defensive auseinander. Leichtfüßig schob sich Schulz an zwei Gegnern vorbei, sprintete auf den Strafraum zu. Dort lockte er Bielefeld Schlussmann Wolfgang Hesl aus dem Tor und legt den Ball am Keeper vorbei Salomon Kalou in den Lauf. Herthas Stoßstürmer beförderte das Spielgerät aus vier Metern ins leere Tor: 0:1 (73.).

Ein wichtiges Tor für Hertha, nun war der Widerstand der Gastgeber gebrochen. Und eine wichtige Torvorbereitung für Schulz. Bei dem Hertha-Eigengewächs soll sich noch in diesem Monat entscheiden, wohin die Reise geht. Hertha will mit dem U21-Nationalspieler, dessen Vertrag bis 2016 läuft, verlängern. Schulz scheint seine Perspektive aber anderweitig zu sehen. In diesem Fall, so sagt es Hertha-Manager Michael Preetz, müsse der Verein noch in dieser Transferperiode (bis 31. August) über einen Wechsel nachdenken. Schulz kaute 40 Minuten nach dem Abpfiff an einem Schinken-Sandwich und sagte: „Ich freu mich sehr, dass wir hier gewonnen haben.“ Zu seiner Situation wollte er nichts sagen, nur soviel: „Alles andere entscheidet der Trainer.“

Bis zur Führung mussten sich die Berliner vor allem der Bielefeld Wucht erwehren. Schon nach wenigen Sekunden flog Arminen-Kapitän Fabian Klos seinem Amtskollegen bei Hertha, Fabian Lustenberger, in die Beine – Gelbe Karte. Gleich in der nächsten Aktion wurde Peter Pekarik rüde gefoult. Der Außenseiter versuchte, Hertha mit Härte zu beeindrucken. Schiedsrichter Benjamin Brand ließ sich von der hitzigen Kulisse nicht beirren und lag in den Schlüsselmomenten richtig.

Erst nach der Pause legte der Bundesligist ein wenig den Vorwärtsgang ein. Kalou spielte Valentin Stocker frei, der den Ball jedoch aus acht Metern nicht an Hesl vorbei brachte (48.). Glück hatte Hertha, als die Hausherren ihren gefährlichsten Angriff nicht zu Ende spielten: Tom Schütz tauchte völlig frei vor dem Berliner Tor auf, brachte aber nur einen harmlosen Schuss zustande, der in den Armen von Thomas Kraft endete (65.).

Erstes Pflichtspiel, erstes Tor

Nach der Führung durch Kalou legte Hertha noch einen nach. Pekarik trieb den Ball über die rechte Seite, bediente Vladimir Darida. Er war der einzige Neue bei Hertha. Und führte sich in seinem ersten Pflichtspiel für den neuen Arbeitgeber mit einem sehenswerten 16-Meter-Schuss ein, der flach im linken Eck landete: 2:0, das war’s (88.). Hertha gelingt die Revanche für das blamable Ausscheiden zehn Monate zuvor an gleicher Stelle gegen den damaligen Drittligisten und zieht souveräner als gedacht in die zweite Runde des DFB-Pokals ein.

„Wir haben es besser gemacht als im Vorjahr, haben uns mehr Chancen rausgespielt und sind am Ende souverän weitergekommen“, sagte Lustenberger. Auch der zuletzt formschwache Torschütze Kalou erinnerte ans Vorjahr: „Letztes Jahr haben wir hier verloren, ab jenem Zeitpunkt war unsere Saison schwierig. Umso wichtiger ist es, dass wir diesmal gewonnen haben. Jetzt können wir mit Selbstvertrauen in die Bundesliga gehen“, sagte der Ivorer. Dort tritt Hertha zum Auftakt am Sonnabend (15.30 Uhr) beim FC Augsburg an.

Und Pal Dardai? Er dachte noch einmal an seinen Traum vom Finale und sagte: „Wir sollen alle Träume haben. Denn das gehört zum Spiel dazu.“