Berlin

Hertha kommt ins Rotieren

Cigerci kehrt in die Startelf zurück, Fragezeichen hinter Weiser. Für Kraft käme Frankfurt zu früh

Berlin. Der Trainer wehrt ab, man könne das überhaupt nicht vergleichen: „Anderes Team, andere Zeit“, sagt Pal Dardai. Für viele Spieler hingegen ist die Dienstreise nach Frankfurt am Sonntag die Rückkehr an den Ort einer Schmach. Als erste Mannschaft der 52-jährigen Bundesliga-Historie hatte es Hertha BSC geschafft, nach Ablauf der regulären 90 Minuten in der Nachspielzeit noch einen Zwei-Tore-Vorsprung herzuschenken.

Die Rede ist vom 17. Dezember 2014, auch damals in einer englischen Woche, als Hertha bei der Eintracht anzutreten hatte. Alexander Meier sorgte mit einem Doppelschlag für das 3:4 und 4:4. Auf dem Papier war es zwar ein Auswärtspunkt für Hertha, gefühlt jedoch eine Niederlage, weil die Berliner schon mit 3:0 und 4:2 geführt hatten. Mit einem Sieg hätte Hertha vorzeitig das Halbserien-Ziel von 20 Punkten erreicht.

Stattdessen ging mit dem verspielten Vorsprung der Niedergang von Hertha in den freien Fall von Trainer Jos Luhukay über. Das Arbeitsverhältnis mit dem Übungsleiter endete mit dessen Entlassung im Februar. Und die Mannschaft konnte sich bis Ende der Saison nicht mehr recht befreien aus dem Strudel von Rückständen, Niederlagen und fehlendem Selbstvertrauen. Nur knapp wurde der Abstieg vermieden.

Dardai, der Nachfolger von Luhukay, sagt im Rückblick, es sei stark, auswärts vier Tore zu erzielen, „aber es ist schlecht, wenn du dann nicht gewinnst“. Der Hertha-Jahrgang 2015/16 sei allerdings anders. Stück für Stück hat die Mannschaft sich bei drei Siegen, einem Remis und zwei Niederlagen einiges an Selbstbewusstsein erarbeitet, zuletzt am Dienstag mit dem 2:0 gegen den 1. FC Köln. Platz fünf ist die Folge.

Die Mannschaft hat für ihre bisherigen Leistungen viel Lob bekommen. Der Trainer ist aber zuversichtlich, dass der aktuelle Kader besser mit Anerkennung umgehen kann. „Die Jungs arbeiten gut. Niemand denkt, dass wir jetzt Weltmeister sind.“ 2014/15 hatte der kleinste Fortschritt häufig zur Selbstzufriedenheit geführt – zum Verdruss von Dardai.

Diesmal wird Hertha in Frankfurt rotieren. So wird Tolga Cigerci wieder in der Startelf erwartet. Der Mittelfeldspieler hatte nach langer Verletzungspause am vergangenen Sonnabend vor einer Woche beim VfL Wolfsburg (0:2) ein starkes Comeback gegeben und war gegen Köln geschont worden. Auch Alexander Baumjohann kommt Einsatz für Einsatz mehr in Schwung. Vedad Ibisevic hat nach langer Pause binnen drei Tagen zweimal 90 Minuten gespielt. Der ­Stürmer wird aber ungeachtet seiner zwei Tore vom Dienstag eine Pause erhalten.

Fragezeichen stehen hinter Mitchell Weiser. Der hat sich trotz eines gebrochenen kleinen Zehs zweimal durch die volle Distanz gekämpft, konnte aber am Freitag erneut nicht trainieren. „Wie ich den Charakter von Mitch einschätze, wird er versuchen, sich in den nächsten beiden Spielen durchzubeißen und dann in die Länderspiel-Pause zu kommen“, sagt Dardai. „Aber das ist ein schmaler Grat, da müssen wir aufpassen.“

Der Trainer lobt den guten Teamgeist bei den Torhütern

Wie erwartet zu früh kommt die Partie gegen die Eintracht für Stammtorwart Thomas Kraft. Der trainiert zwar, vermeidet aber Körperkontakt oder Paraden, wo er zu Boden stürzen müsste. Dardai: „Stand jetzt kann Thomas noch nicht spielen.“ Aber er mache sich keine Sorgen und hatte gleich noch eine Spitze parat für jene, die Hertha nun ein Torwart-Problem einreden wollen. Dardai: „Rune hat gut gespielt. Damit war auch Thomas sehr zufrieden. Weil er ein Teamspieler ist und bei uns ein guter Teamgeist herrscht.“