Bundesliga

Salomon Kalou – ein Champions-League-Sieger für Hertha

Der Stürmer-Star ist die spektakulärste Verpflichtung des Hauptstadt-Klubs in den vergangenen fünf Jahren. Manager Preetz gelang es, Torjäger Kalou für nur 1,8 Millionen Euro nach Berlin zu holen.

Foto: EDDIE KEOGH / REUTERS

Es waren aufregende Tage bei Hertha BSC, doch am Sonntag kamen die entscheidende Papiere aus Frankreich: Die Vertragsauflösung mit dem OSC Lille sowie der von den Franzosen unterschriebene Transfervertrag liefen als eingescannte Dokumente im Email-Fach bei Hertha ein. Damit war das Puzzle perfekt, das Manager Michael Preetz über vier Wochen angelegt hatte: Stürmer-Star Salomon Kalou, 29, wechselt nach Berlin.

Das ist die spektakulärste Verpflichtung des Hauptstadt-Klubs in den vergangenen fünf Jahren. „Salomon Kalou ist ein Top-Stürmer, der in der Premier League, in der Champions League und mit seinem Nationalteam seine Klasse bewiesen hat. Wir freuen uns sehr, dass er da ist“, sagt Preetz. Hertha hat einen Champions-League-Sieger verpflichtet, Kalou gewann 2012 mit dem FC Chelsea das Finale im Elfmeterschießen gegen den FC Bayern, Kalou stand in der Startelf.

Im vereinseigenen Hertha-TV sagte Kalou: „Ich sehe die Chance, mich hier weiter entwickeln zu können. Ich möchte mit Hertha etwas gewinnen. Ich höre, dass die Fans toll sind. Und Berlin ist eine beeindruckende Stadt.“

Kalou wird Top-Verdiener

Für drei Jahre, bis Juni 2017, hat Kalou unterschrieben. Der Stürmer von der Elfenbeinküste wird Top-Verdiener bei Hertha. Bis zu drei Millionen Euro im Jahr kann er verdienen. Die Ablöse ist für einen Torjäger dieser Größenordnung erstaunlich moderat ausgefallen. Nach Morgenpost-Informationen überweist Hertha lediglich 1,8 Millionen Euro nach Lille. (Moderate) Zuschläge werden fällig, wenn Hertha einen Titel gewinnt oder sich fürs internationale Geschäft qualifiziert. Kalou erhält die Rückennummer 11.

Vor einem Monat hatte Preetz Kontakt aufgenommen. Kalou spielte mit dem OSC Lille in der Qualifikation zur Champions League. Es galt herauszufinden, ob der 67malige Nationalspieler der Elfenbeinküste, WM-Starter 2010 und 2014, Interesse habe.

Hertha profitiert vom Liga-Image

Kalou, der nach seiner Lehrzeit bei Feyenoord Rotterdam von 2006 bis 2012 alles mit dem FC Chelsea gewonnen hat, was es zu gewinnen gab (englischer Meister/2010, dreimal englischer Pokalsieger, Champions-League-Sieger 2012), hoffte da noch auf die Königsklasse. In jener Phase gab Kalou Borussia Mönchengladbach einen Korb, er hatte keine Lust auf die Europa League. Aber keiner der Schwergewichte unter den Champions-League-Klubs zeigte Interesse an Kalou.

Hertha profitierte davon, dass die Reputation der Bundesliga international gewachsen ist. „Die Bundesliga ist mit der Premier League die beste Liga der Welt“, sagte Kalou. Die seit Jahren starken Auftritte deutscher Klubs in der Champions League, der Weltmeister-Titel im Sommer, die ausgeglichene Konkurrenz, tolle Stadien mit regelmäßig über 50.000 Besucher, dazu die Vertragstreue deutscher Klubs – all’ das zeigt Wirkung. Trotzdem waren die Verantwortlichen bei Hertha darauf bedacht, das eigene Interesse nicht publik werden zu lassen. „Wir waren sehr froh, dass unser Name nirgends aufgetaucht ist“, berichtet Trainer Jos Luhukay über die vergangenen 14 Tage.

Die Probleme des OSC Lille

Mittlerweile waren auch Galatasaray Istanbul und Besiktas Istanbul in das Rennen eingestiegen, ebenso der FC Sunderland. Parallel wurde die Situation für den OSC Lille immer schwieriger. Die Franzosen scheiterten in der Qualifikation zur Champions League am vergangenen Dienstag am FC Porto (0:1, 0:2) – 20 Millionen sicher geglaubte Einnahmen waren dahin. Lille hat sich finanziell beim Stadion-Bau übernommen, dazu musste der Verein für Kalou eine Reichen-Steuer entrichten. Das Paket Kalou dürfte den OSC rund sieben Millionen Euro pro Jahr gekostet haben. Eine Summe, die der Verein unbedingt los werden wollte.

Mittlerweile hatte Trainer Jos Luhukay in einem ausführlichen Telefonat Kalou erklärt, was er mit ihm bei Hertha vor habe. „Schnell, beweglich und unberechenbar – Salomon passt perfekt in das Profil, das wir gesucht haben“, sagte Luhukay. Der Trainer war überrascht, wie gut Kalou Bescheid wusste über Hertha, die Spielweise und die Ziele.

Luhukay schwärmt von seinem neuen Stürmer

Kalou hat zwar in zwei Saisons für den OSC Lille 30 Tore erzielt, aber er war als einzige Sturmspitze der defensiven, taktisch geprägten Spielweise der Ligue 1 überdrüssig. Luhukay skizzierte seine Idee, dass Hertha aus einer sicheren Defensive heraus, selbstbewusst nach vorne spielen will. Ein weiteres, weiches Argument war die Stadt. Kalou, der seine Zeit in London geliebt hat, elektrisiert die Aussicht, in Berlin zu leben.

Persönlich lernten sich Herthas sportliche Leitung und der künftige Star am Freitag kennen, als Kalou die medizinischen Untersuchungen in Berlin absolvierte. „Ein sehr freundlicher, offener Typ“, sagte Preetz. „Ein Spieler mit Extraklasse“, schwärmte Luhukay, der eigentlich nicht zum Schwärmen neigt. Kalou könne zentral im Sturm spielen, als zweite Spitze oder offensiv auf der rechten und der linken Seite.

Mainz hat Kaufoption für Allagui

Der eine Star kommt, ein anderer räumt seinen Platz. Gestern besiegelten Hertha und der FSV Mainz den Wechsel von Sami Allagui. Allagui sah nach den Verpflichtugen von Roy Beerens, Julian Schieber und nun Kalou kaum noch Chancen, regelmäßig zu Einsätzen zu kommen. Für 500.000 Euro Leihgebühr wird der Offensivspieler nach Mainz ausgeliehen.

Im kommenden Sommer hat der FSV eine Kaufoption, Allagui für 2,5 Millionen erwerben zu können.