Bundesliga

John Anthony Brooks – Herthas Juwel im Wartezimmer

Brooks gilt bei Hertha BSC als größtes Talent, ist im Moment aber nicht erste Wahl. Das könnte für die Berliner zum Problem werden.

Bei Herthas Sieg gegen Augsburg wurde John Anthony Brooks (l.) – hier gegen Tobias Werner vom FCA – erst in der 84. Minute eingewechselt

Bei Herthas Sieg gegen Augsburg wurde John Anthony Brooks (l.) – hier gegen Tobias Werner vom FCA – erst in der 84. Minute eingewechselt

Foto: dpa Picture-Alliance / Stefan Puchner / picture alliance / dpa

Berlin. Er ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Und seit Montag weiß die Öffentlichkeit, dass er seinen Klub verlassen wird. Für bis zu 18 Millionen Euro Ablöse zieht es ihn zum AS Rom.

Antonio Rüdiger ist zwar gerade am Knie verletzt, aber für den in Kreuzberg groß gewordenen Innenverteidiger vom VfB Stuttgart gab es trotzdem so viele Interessenten in diesem Sommer, dass sich die Schwaben für den Verlust des 22 Jahre alten deutschen Nationalspielers (sechs Länderspiele) üppig entschädigen lassen können.

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John Anthony Brooks ist ebenfalls in Berlin geboren und aufgewachsen (Tempelhof), 22 Jahre alt und Innenverteidiger. Auch Brooks ist Nationalspieler (zwölf Länderspiele) – zwar nicht für den Weltmeister Deutschland, das Land seiner Mutter, sondern für die USA, die Heimat seines Vaters. Und auch Brooks hat es wie Rüdiger (88 Bundesligaspiele/5 Tore) seit drei Jahren zu den Profis geschafft. Für Hertha bestritt er 44 Erst- sowie 29 Zweitligapartien und schoss vier Tore.

Preetz möchte gern verlängern

Es gibt da noch ein paar schöne Parallelen zwischen beiden Berliner Verteidigern: Zum Beispiel, dass sie in der Jugend kurz zusammen bei Hertha Zehlendorf gespielt haben, dass sie ähnlich groß sind (Rüdiger 1,90 Meter/Brooks 1,93 Meter) und früher auch gern mal für einen kleinen Lapsus zu haben waren. Oder natürlich, dass sie in ihren Vereinen mittlerweile als die größten Talente gelten. Aber da ist eben auch der kleine Unterschied, dass Rüdiger nun weg ist und Brooks bei Hertha noch da. Noch.

Denn Rüdigers Wechsel für eine unverschämt hohe Summer beweist spätestens, dass es einen Markt für junge, in Deutschland ausgebildete, physisch starke Innenverteidiger mit Bundesligaerfahrung gibt. Dass die Nachfrage nach solchen Burschen gestiegen ist.

In der sportlichen Leitung von Hertha haben sie das länger schon geahnt. Neben der Überzeugung von Brooks’ Qualitäten ist auch das ein Grund dafür, warum Manager Michael Preetz gern dessen Vertrag verlängern würde, obwohl dieser noch zwei Jahre gilt.

Lustenberger und Langkamp sind vorerst gesetzt

Das Problem ist jedoch, dass sich diesbezüglich gerade nichts bewegt. Und das hat auch damit zutun, dass John Anthony Brooks im Moment wieder zurück im Wartezimmer bei Hertha sitzt, obwohl der Linksfuß gehofft hat, es längst durchschritten zu haben.

In den ersten beiden Pflichtspielen der Saison entschied sich Trainer Pal Dardai gegen Brooks und für Fabian Lustenberger sowie den gesetzten Sebastian Langkamp im Abwehrzentrum. Der Ungar begründet das nachvollziehbar mit dem Umstand, dass Brooks einen Großteil der Vorbereitung wegen des Gold Cups mit dem US-Team verpasst habe.

Auch gegen Bremen am Freitag wird Brooks draußen sitzen. Denn sein Team habe mit Lustenberger und Langkamp gegen Bielefeld im Pokal (2:0) und Augsburg in der Liga (1:0) nun zweimal zu Null gewonnen. Aber Dardai sagt auch: „Natürlich wird die Zeit kommen, dass John wieder spielt. Ich habe ihm vergangene Saison vertraut, und ich stehe auf ihn.“

Weiche Faktoren sollen Brooks überzeugen

Für Dardai ist das ein mittelschweres Dilemma: Von Brooks ist er ebenso überzeugt wie Preetz, muss ihn aber draußen lassen, weil man ein erfolgreiches Innenverteidigerpärchen nicht sprengt und ansonsten auch die politisch heikle Frage aufkommt: Wohin mit Kapitän Lustenberger ? Den sieht Dardai eigentlich eher im defensiven Mittelfeld, aber da hat sich Per Skjelbred gerade festgespielt.

Brooks ist in den vergangenen zwei Jahren gereift. Fragt man ihn nach der Vertragsverlängerung, antwortet er klug: „Ich will jetzt erst einmal wieder zurück in die Mannschaft kommen und meine Leistung bringen. Dann schauen wir weiter.“ Brooks ist keiner, der über die Öffentlichkeit Druck macht.

Aber auch er kennt seinen Marktwert. Und bevor er sich langfristig an Hertha bindet, muss die Perspektive für ihn stimmen. Zwei Mal hat Brooks in der Jugend Angebote ausgeschlagen: aus Leverkusen und vom FC Bayern.

Wechsel von Nico Schulz nach Gladbach wird erwartet

Bei Hertha wissen sie, dass eine nächste Offerte womöglich über den eigenen finanziellen Möglichkeiten liegt. Und deshalb versuchen sie, bei Brooks mit weichen Faktoren und einer Wohlfühlatmosphäre für eine Verlängerung zu werben.

Obwohl erst 22, ist Brooks seit dieser Saison von Dardai in den Mannschaftsrat berufen. Und vor diesem Hintergrund sagt Dardai: „Wenn John so weiter macht, hat er das Zeug, hier Kapitän zu werden.“

Aber im Fußball zählen meist harte Faktoren und der härteste für einen jungen Spieler ist die Einsatzgarantie. Sonst könnte auch bei Brooks passieren, was am Dienstag bei Nico Schulz erwartet wird: Der aus der eigenen Jugend hervorgebrachte Linksfuß dürfte nach Mönchengladbach wechseln , obwohl ihm ebenfalls ein Angebot zur Verlängerung bei Hertha vorlag. Auch er ist in Berlin geboren und aufgewachsen, und er verlässt seinen Klub.