Den Plan torpedierte der Trainer. Michael Preetz, Herthas Manager, hatte gerade begonnen, über das weitere Vorhaben des Berliner Bundesligisten bis zum Start der Rückrunde zu parlieren, da war er plötzlich kaum noch zu hören. Preetz stand neben dem Trainingsplatz in Belek, in seinem Rücken übten die Profis zielgenaues Passspiel. Weil das mit der Genauigkeit aber nicht so recht gelingen wollte, überschallte die erboste Stimme von Jos Luhukay die Worte seines Vorgesetzten.
Preetz nahm das hin und sprach einfach weiter. Als er wieder zu verstehen war, klangen seine Sätze so: „Wir haben kein gutes Jahr 2014 gehabt. Das ist nun aufgearbeitet. In der Vorbereitung haben wir viele Dinge gesehen, die uns überzeugen, dass 2015 besser für uns wird. Wir freuen uns drauf und wollen nicht mehr zurückschauen.“
In einem Fußballverein geht es ja immer auch darum, was im Vordergrund zu vernehmen ist und was im Hintergrund passiert. Deshalb hatte jene Szene am Rande des Rasens einen symbolischen Wert: Denn es ist weniger Manager Preetz als vielmehr Trainer Luhukay, dem die Suche nach Antworten auf die dringlichsten Fragen bis zum Rückrundenauftakt in Bremen am 1. Februar übertragen wird.
Wenn man Preetz nämlich genau zuhörte, dann schimmerte durch seine Sätze eine grundsätzliche Entscheidung. Er sagte: „Wir beschäftigen uns nicht nur mit der Frage nach neuen Spielern. Wir wollen uns mehr mit dem befassen, was wir an Spielern haben und wie wir unsere Qualität auf den Rasen bekommen.“
Beerens ist zurück, Cigerci gesund
Das war bewusst ein bisschen offen formuliert, aber dennoch deutet sich zunehmend an, dass Hertha in dieser Wintertransferperiode keinen neuen Spielgestalter mehr verpflichten wird. Zwar sagte Preetz, dass man weiterhin die Augen offen halte, verwies aber darauf, dass der Markt im Januar schwierig sei.
Als Preetz mit seinen Ausführungen fertig war, hatte sich Jos Luhukay längst wieder beruhigt – auch, weil ihm sein Team etwas Versöhnliches anbot. Da war dieses feine Tor von Ronny im Trainingsspiel – ein Heber über den Torwart aus der Bedrängnis. Und da war Roy Beerens, der erstmals wieder komplett mit der Mannschaft trainieren konnte. Kurze Glücksmomente für einen Trainer.
Darauf angesprochen, dass er wohl keinen neuen Regisseur mehr bekommen werde, sagte Luhukay: „Ich bin der Letzte, der neue Spieler fordert.“ Wenn man im Winter neue Spieler hole, „bedeutet das auch, dass man im Sommer den Kader nicht gut zusammengestellt hat. Wir dagegen hatten in der Hinserie mit unseren vielen Ausfällen nicht das Glück auf unserer Seite “.
Einer derjenigen, der die spielerische Armut der Berliner beheben könnte, aber fast ein ganzes Jahr fehlte, ist Tolga Cigerci. Seit einer Woche ist der Deutsch-Türke nach seiner erneuten Zehenverletzung wieder gesundgeschrieben und soll nun mit dem Training beginnen.
Letzter Test gegen Thun
Ihn hatte Luhukay besonders vermisst, aber wann Cigerci wieder einsatzfähig sein wird, bleibt weiter fraglich. „Wir hatten ihn schon einmal an diesem Punkt, und es gab wieder einen Rückfall“, sagte Preetz. Cigerci wurde zuletzt oft überhöht, auch deshalb sagte Preetz: „Tolga kann nicht alle unserer Probleme lösen.“
Die Fähigkeit dafür bringt eigentlich einer mit, der gesund ist und nicht erst neu verpflichtet werden muss: Ronny. Luhukay probierte den Brasilianer in den jüngsten Testspielen als Regisseur aus und wird das aller Voraussicht nach auch an diesem Freitag bei der Generalprobe gegen den Schweizer Erstligisten FC Thun (14.30 Uhr) so machen.
„Von allen, die wir im Augenblick zur Verfügung haben, ist Ronny der einzige Ausnahmespieler, der einzige, der mit seiner Technik Lösungen finden kann“, sagte der 51-Jährige.
Sonderlob für Ronny
Ronny war manchmal derjenige, der für Luhukays Glücksmomente sorgte. „Ich bin vom ersten Tag an ein Liebhaber seines Spiels gewesen“, sagte der 51-Jährige und verwies auf das Hebertor im Training. Doch mit Ronny war es auch immer so, dass die Glücksmomente stets nur portioniert geliefert wurden. Nie konnte sich Luhukay sicher sein, was er vom 28-Jährigen bekommt.
Aktuell erlebe er ihn in der Vorbereitung als „sehr willig“. Beim wankelmütigen Spielmacher ist das ein Lob, und deshalb ist es wahrscheinlich, dass Luhukay trotz der Bedenken auch gegen Bremen auf ihn setzen wird. „Vom Können müsste Ronny immer spielen, aber er muss auch endlich konstanter werden“, so der Trainer.
Die Entscheidung für den defensivschwachen Ronny brächte aber auch Konsequenzen für den Rest der Startelf mit sich: „Wenn er spielt, brauche ich einen echten Balleroberer und einen dynamischen Spieler dahinter“, sagte Luhukay. Beide müssen noch gefunden werden. Auch hier wird Jos Luhukay im eigenen Kader suchen.





