Bundesliga

Verletzung mit Folgen - Hertha steckt in der Cigerci-Falle

Der Hauptstadt-Klub muss im Winter Ausschau nach Verstärkungen halten, schweigt aber dazu. U19-Europameister Hany Mukhtar wird Hertha wohl verlassen.

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Die Zeiten sind hart für Tolga Cigerci. Der Mittelfeldspieler von Hertha BSC laboriert seit acht Monaten an einer Fußverletzung – und steckt seit Wochen im sogenannten „Jojo-Effekt“. Sobald Cigerci die Belastung im Lauftraining steigert, bekommt er Schmerzen und muss aussetzen. Nach einer Regenerationspause steigt Cigerci wieder ein. Bis ihn erneute Schmerzen zur nächsten Pause zwingen. Hertha-Manager Michael Preetz sagt: „Das ist sehr schade. Aber damit schafft es Tolga nicht, bis Anfang Januar fit zu werden, um ins Teamtraining einzusteigen.“

Nachdem Cigerci seine Verletzung am großen Zeh zunächst hatte von einem Professor am Chiemsee behandeln lassen, ließ er sich im Juli in München operieren. Es war eine Sehne am großen Zeh vernäht und verankert worden. Seither kämpft Tolga Cigerci. Kommt aber seit Längerem nicht über die Stufe des Lauftrainings hinaus.

Transferfenster ist bis zum 2. Februar 2015 geöffnet

Da Cigerci nicht dabei sein wird, wenn Hertha am 5. Januar in die Vorbereitung der Rückrunde startet, steht zu befürchten, dass der Deutsch-Türke in dieser Bundesliga-Saison kaum noch zum Einsatz kommt. Damit stehen die sportlich Verantwortlichen, Preetz und Trainer Jos Luhukay, vor der Frage: Verpflichtet Hertha im Winter noch einen Spieler? Das Transferfenster ist geöffnet bis Montag, den 2. Februar.

Bei der Planung im vergangenen Sommer galt Cigerci aufgrund seiner Qualitäten als einer von zwei Spielern, für die der Trainer keinen 100prozentigen Ersatz im Kader hat (der andere ist Fabian Lustenberger). Ein gesunder Cigerci war als Leistungsträger vorgesehen. Einer, der zwischen den Strafräumen ackert: schnell, aggressiv, technisch versiert, mit gutem Blick für die Mitspieler.

Wie stabil sind die Rückkehrer Langkamp und Lustenberger?

In der laufenden Saison ist es dem Trainer aber nicht entgangen, dass Hertha ohne Cigerci ein Problem im Spielaufbau hat. Der Hauptstadt-Klub erspielt sich relativ wenige Chancen. Und steht nur dank der zweitbesten Chancen-Verwertung der Liga (32,8 Prozent/Top-Wert Schalke: 35,1 Prozent) mit 17 Punkten auf Rang 13.

Manager Preetz sagt zur Frage von Neuen im Winter: „Das ist im Moment offen. Wir müssen schauen, wie sich die Rückkehrer entwickeln.“ Konkret geht es um Innenverteidiger Sebastian Langkamp, der nach viermonatiger Verletzungspause im Januar fit sein soll. Und um Lustenberger, der wegen mehrerer Verletzungen 2014 kaum einmal bei 100 Prozent seiner Form war.

Preetz und Luhukay sondieren den Markt

Wenn die beiden Innenverteidiger in Bestform kommen, kann Jens Hegeler, derzeit ein starker Aushilfs-Manndecker, wieder auf seine angestammte Position, die Nr. 8, zurückkehren. Gibt es aber nur bei einem der Rückkehrer Probleme, braucht Hertha Verstärkung.

Mukhtar auf dem Absprung

Ohnehin wird im Mittelfeld eine Stelle frei. U19-Europameister Hany Mukhtar, 19, hat Hertha mitgeteilt, dass er seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängert. Bei Hertha waren sie nicht amüsiert. Manager Preetz hatte ausgedehnte Verhandlungen mit Mukhtars Agenten von Sports Total geführt, die den Jung-Profi seit Saisonbeginn betreuen. Doch Mukhtar teilte mit, er habe kurzfristig erneut den Berater gewechselt, er lasse sich innnerhalb seiner Familie betreuen. Preetz: „Das heißt, es sieht nach einer Trennung von Hany im Winter aus.“ Angebote für den Mittelfeldspieler liegen derzeit nicht vor.

Heißt: Preetz und Luhukay müssen den Markt im Winter genau im Blick für eine Manndecker-Position sowie eine offensive im Mittelfeld haben. Nur werden sie das öffentlich nicht bestätigen – um nicht die Preise zu verderben.