Bundesliga

Hertha holt zwei Neue für das gute Gefühl

Kurz vor Transferschluss reagieren die Berliner auf den Ausfall von Baumjohann und leihen Talent Cigerci aus Wolfburg aus. Auch Skjelbred kommt vom HSV. Ein anderer Profi steht vor dem Absprung.

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Modisch passte es. Am Montagmittag trat Tolga Cigerci aus der Praxis von Herthas Mannschaftsarzt Dr. Ulrich Schleicher in Schöneberg und trug ein schwarzes Basecap. Der 21 Jahre alte Deutsch-Türke hatte gerade den obligatorischen Medizincheck absolviert, um danach seinen neuen Arbeitsvertrag über ein Jahr auf Leihbasis beim Berliner Bundesligasechsten zu unterschreiben.

Wenig später spazierte Per Ciljan Skjelbred ebenfalls aus Schleichers Praxis. Auch der 26 Jahre alte Norweger hatte soeben den Test auf orthopädische und kardiologische Gesundheit bestanden. Auch er machte sich daraufhin auf den Weg, seine Unterschrift unter ein Arbeitspapier zu setzen, dass ihn leihweise bis zum Ende der Saison an Hertha bindet. Und obenrum trug auch er eine schwarze Baseballkappe.

Die beiderseitige Vorliebe für lässig-schlichte Kopfbedenkungen mag ein Zufall sein. Dass sich bei beiden Profis, die Hertha BSC am allerletzten Tag der Sommer-Transferperiode ausgeliehen hat, aber auch sonst ein paar Ähnlichkeiten herausfiltern lassen, ist weniger dem Zufall geschuldet. Nur die Entstehungen beider Verpflichtungen unterscheiden sich deutlich.

Kaufoption ist gesichert

Erst am Sonntagmittag war gewiss, dass sich Herthas Spielmacher Alexander Baumjohann in der Partie gegen den VfL Wolfsburg (0:2) das vordere Kreuzband des rechten Knies gerissen hat und mindestens sechs Monate ausfällt. Manager Michael Preetz und Cheftrainer Jos Luhukay entschieden sich schnell, kurz vor Transferschluss noch eilig nach Ersatz zu suchen und erinnerten sich an einen Spieler, der schon einmal nach Berlin gelockt werden sollte: eben jener Tolga Cigerci vom VfL Wolfsburg.

Schon in der Vergangenheit erkundigte sich Hertha bei den Niedersachsen nach dem deutschen U-Nationalspieler. Statt nach Berlin ließ sich Cigerci im Januar 2012 aber zu Borussia Mönchengladbach ausleihen, wo er unter Trainer Lucien Favre 14 Mal in der Bundesliga zu Einsatz kam (1 Tor) – zumeist auf der „Zehn“ und rechts auf dem Flügel.

„Es ging um eine Lösung, die wir kurzfristig hinbekommen konnten und die auch finanziell in den Rahmen passt“, begründete Preetz am Montag die Entscheidung für Cigerci gegenüber der Morgenpost. „Tolga ist im Mittelfeld variabel einsetzbar und kann bis auf die Sechser-Position überall spielen“, so Preetz. Dass er sich von Cigerci einiges verspricht, beweist der Umstand, dass Hertha sich eine Kaufoption für den Offensivallrounder gesichert hat.

HSV zahlt Leihgebühr für Lasogga

Anders als bei Cigerci ist der Wechsel von Skjelbred kein Last-Minute-Deal. Schon am Freitag hatte sich der 18 malige norwegische Nationalspieler mit Preetz und Luhukay in Berlin getroffen. Skjelbreds Verein, der Hamburger SV, war auf der hängeringenden Suche nach einem neuen Stürmer auf Herthas Pierre-Michel Lasogga gestoßen.

Beide Klubs vereinbarten einen Tausch: Skjelbred für Lasogga. Eine Kaufoption gibt es für beide Spieler nicht. Der HSV aber zahlt eine Leihgebühr in Höhe von etwa 500.000 Euro für Lasogga.

Allerdings haben die Berliner nicht im HSV-Kader wie auf der Resterampe nach einem möglichen, interessanten Spieler gewühlt, als die Anfrage für Lasogga kam. Ebenso wie bei Cigergi gab es bereits lange im Vorfeld Kontakt zu Skjelbred. Schon im Winter wollten ihn die Blau-Weißen haben. Der aber wollte damals nicht in die Zweite Liga.

Nun ist er da, und weil sein Profil als im Mittelfeld vielseitig einsetzbarer Spieler dem von Cigergi gleicht, ordnet Preetz beide Wechsel wie folgt ein: „Sie vergrößern die Optionen für den Trainer.“

Auch Hubnik vor Wechsel

Übersetzt bedeutet das: Die Neuen sind zwei für das gute Gefühl, nach dem Ausfall von Baumjohann nun nicht mit einem zu dünn besetzten Kader um den Klassenerhalt spielen zu müssen. Keiner von beiden kommt mit dem Anspruch nach Berlin, sofort Stammspieler zu werden.

Damit wird auch deutlich, dass Hertha die Last des Spielgestalters, die Baumjohann in den ersten vier Partien beeindruckend geschultert hatte, nicht nur den Brasilianer Ronny stemmen lassen will.

Zwar dürfte der Topscorer der vergangenen Saison vorerst die erste Wahl bei Luhukay sein. Doch nun hat der Cheftrainer zwei neue Alternativen, denn auch Skjelbred durfte sich bei seinen ersten Auftritten für die Hamburger als Spielmacher versuchen.

Fraglich ist aber, ob Cigerci und Skjelbred das bisher überraschend gute Niveau der Mannschaft halten oder sogar noch einmal heben können? Beide standen für ihre Ex-Klubs in dieser Saison noch keine einzige Minute auf dem Feld. Schon am heutigen Dienstag können sich die Hertha-Anhänger ein Bild von den Zugängen machen, wenn sie um 10 und 15.30 Uhr zum ersten Mal mit dem Team trainieren.

Dann könnte es sein, dass ein anderer Profi fehlt: Nach Morgenpost-Informationen steht der tschechische Innenverteidiger Roman Hubnik kurz vor einem Wechsel ins Ausland.