Es war ein Tag, in dem sich die gesamte Saison für Roman Hubnik spiegelte. Am Montagnachmittag trainierte Herthas Innenverteidiger noch fleißig mit seinen Kollegen, machte ein paar Späße und erntete grölenden Applaus für einen schönen Treffer bei der Torschussübung. Am Abend dann sah er am Fernseher zu, wie die Berliner so gut wie Zweitligameister wurden.

Durch das torlose Remis von Verfolger Eintracht Braunschweig gegen Energie Cottbus liegen die Herthaner zwei Spieltage vor Schluss mit sechs Punkten und einem um 14 Treffer besseren Torverhältnis unbedrängt vorn. Nur theoretisch ist den Blau-Weißen der Gewinn der Zweitligameisterschale noch zu nehmen.

Albtraum bei der EM

Trainieren und Zusehen, wie die Kollegen die Saisonziele des Vereins erreichen, so lief es für Hubnik oft in dieser Spielzeit. Zwar gelang dem Tschechen zuletzt ein wichtiger Treffer gegen Aue (3:2), doch gegen die Sachsen stand der 28-Jährige erst zum zweiten Mal in der Rückrunde überhaupt in der Startelf. Nur sieben Mal gehörte er in der gesamten Saison zur ersten Formation.

Hinter dem jungen John Anthony Brooks, Fabian Lustenberger und Maik Franz rutschte er in der Hierarchie der Innenverteidiger auf Platz vier ab. Hubnik hat einen veritablen Abstieg zu verkraften, seit er im Sommer mit der tschechischen Nationalmannschaft zur Europameisterschaft fuhr. Beim ersten Gruppenspiel gegen Russland stand er in der Startelf, erwischte jedoch einen rabenschwarzen Tag. Die Tschechen verloren 1:4, und Hubnik verfolgte das Turnier seitdem von der Ersatzbank aus.

Schon in der Abstiegssaison mit Hertha hatte der 2010 von FK Moskau verpflichtete Innenverteidiger Schwächen gezeigt und einige Male unglücklich agiert. Nun verlor er auch seinen Platz in der Nationalelf, für die er zuvor über 20 Mal gespielt hatte. „Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich alles verarbeitet hatte. Das war eine harte Zeit“, sagte Hubnik nach der Winterpause. Denn die Verunsicherung aus der verkorksten EM warf ihre Schatten bis weit in die neue Spielzeit hinein.

Sein Trainer Jos Luhukay setzte zunächst auf den erfahrenden Abwehrmann. Hubnik aber konnte nicht überzeugen, und Luhukay ging lieber das Risiko mit dem Nachwuchsspieler Brooks (20) ein.

Hertha-Manager Preetz: „Wir haben uns mehr erhofft.“

In der Winterpause sagte Herthas Manager Michael Preetz, dass Hubnik, dessen Vertrag noch ein Jahr bis 2014 gilt, die Rückrunde nutzen müsse, damit eine weitere Beschäftigung bei den Berlinern für beide Seiten sinnvoll sei. Dann werde man über seine Zukunft bei Hertha sprechen. Preetz‘ Fazit fällt heute nüchtern aus: „Roman konnte die Rückrunde nicht nutzen, um wieder seinen alten Status als Stammspieler bei uns und Nationalspieler für Tschechien zu erreichen.“

Die Situation habe sich nicht zugunsten des Spielers verbessert. „Er selbst wird nicht zufrieden mit seiner Einsatzzeit sein, und auch wir haben uns mehr erhofft“, so der Manager.

Hubniks Situation in Berlin aber hat sich sogar noch einmal verschlechtert, denn Hertha wird mit Sebastian Langkamp einen neuen Innenverteidiger für die kommenden Bundesligaspielzeit aus Augsburg verpflichten. Der 25-Jährige ist einer von Luhukays Wunschspielern (er kennt ihn aus seiner Zeit in Augsburg) und als Verstärkung für die erste Elf gedacht.

Mit ihm, Brooks, Franz, Lustenberger und Hubnik hätte Luhukay gleich fünf Innenverteidiger im Kader. Selbst wenn Lustenberger wieder verstärkt im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden sollte, ist das wohl einer zu viel, denn auch die Außenverteidiger Christoph Janker und Felix Bastians können im Abwehrzentrum aushelfen. Zwar sagt Preetz, dass man keinen Spieler aussortieren werde, der noch unter Vertrag steht, beantwortet aber die Frage, ob er auch mit fünf Innenverteidigern in die Saison gehen würde, verhalten: „Das müssen wir sehen.“

Hubnik selbst hat die Hoffnung, bei Hertha doch noch den alten Stellenwert wiederherstellen zu können, noch nicht aufgegeben: „Ich werde um meine Position kämpfen, egal ob wir vier oder fünf Innenverteidiger haben werden. Ich werde kämpfen.“

Gespräche nach Saisonschluss

Für die Berliner ist die Personalie Hubnik kompliziert. Denn der 1,92 Meter große Verteidiger, der in dieser Saison auch im defensiven Mittelfeld ausgeholfen hat, ist im Team außerordentlich beliebt. Luhukay lobte ihn nach der Partie gegen Aue: „Roman ist menschlich und charakterlich einwandfrei. Er haut sich im Training immer rein. Eine Mannschaft, die ihre Ziele erreichen will, braucht solche Spieler.“

Und auch Lustenberger, der Hubnik letztlich als Abwehrchef verdrängt hat, sagte nach den Tor gegen Aue: „Dass Roman endlich wieder getroffen hat, darüber habe ich mich am meisten gefreut.“

Doch die Anerkennung als fleißiger Angestellter und gute Seele der Mannschaft wird am Ende nicht ausreichen, um eine Weiterbeschäftigung bei Hertha zu rechtfertigen. Hubniks Zukunft in Berlin ist ungewiss. Und so räumt auch Preetz ein: „Es ist unwahrscheinlich, dass ein Spieler, der in der Zweiten Liga wenig Einsatzzeit bekommen hat, in der Bundesliga mehr spielen wird.“

Wollen die Herthaner noch eine Ablöse für den Tschechen generieren, müssen sie ihn im Sommer abgeben. Preetz kündigt an: „Nach dieser Saison setzen wir uns mit dem Spieler zusammen und entscheiden, ob es weitergeht.“ Geht es bei Hertha weiter für Hubnik, wird es vermutlich auch in der Bundesliga oft für ihn heißen: trainieren und zusehen.