Zweite Liga

Luhukay ist Herthas Wegweiser für eine erfolgreiche Zukunft

Der Cheftrainer der Berliner hat Hertha vorgelebt, wie der verunsicherte Klub nach dem Abstieg im vergangenen Sommer wieder zurück zum Erfolg finden konnten – mit Mut, Geradlinigkeit und Fleiß.

Foto: Stuart Franklin / Bongarts/Getty Images

Auf dem grünen Rasen schob Jos Luhukay seine Spieler wie Schachfiguren über das Feld. Taktikschulung am lebenden Objekt. Macht der Gegner dies, agieren wir so. Tut er jenes, reagieren wir so.

Herthas Cheftrainer führte seine Profis buchstäblich zur jeweiligen Position auf dem Spielfeld und zeigte ihnen exakt die passende Laufrichtung an. Das sah lustig aus, damals in der Saisonvorbereitung, doch es nahm auch vorweg, welche Rolle Luhukay für den erfolgreichen Ausgang der aktuellen Zweitligasaison spielen sollte: die des Wegweisers.

Denn der Niederländer übernahm im Juni 2012 eine vom Bundesliga-Abstieg tief verunsicherte Mannschaft. „Nach dem Abstieg habe ich jemanden gebraucht, an dem ich mich festhalten konnte. Jemanden, der einen Plan hat, an dem ich mich orientieren konnte“, gab Herthas Kapitän Peter Niemeyer später stellvertretend Einblick in seine Gefühlswelt jener Tage nach dem Fiasko.

Ihm und seinen Mannschaftskollegen hat Luhukay den Weg zurück zum Erfolg gezeigt. Und zwar, indem er seinem Team vor allem drei erfolgsversprechende Eigenschaften selbst vorlebte: Mut, Geradlinigkeit und Fleiß.

Förderer der Jugend

In einer für den Berliner Klub existenziellen Saison, die im Aufstieg münden musste, besaß der 49-Jährige von Beginn an den Mut, auf Nachwuchsspieler zu setzen. Er formte nicht nur den erst 20 Jahre alten John Anthony Brooks zur festen Größe in Herthas Innenverteidigung. Auch Linksverteidiger Fabian Holland (22) und Flügelspieler Nico Schulz (20) haben sich unter Luhukay phasenweise ihren Platz in der ersten Elf erkämpft.

Unsere Timeline zum Aufstieg von Hertha BSC.

Unerschrockenheit bewies der Sohn eines Indonesiers und einer Niederländerin auch, als er wegen eines bis dahin in zwei Jahren bei Hertha nie wirklich positiv aufgefallenen Akteurs sein geplantes Spielsystem mit zwei Stürmern über Bord warf, um diesem alle Freiheiten in der Offensive zu gewähren: Ronny. Der Brasilianer zahlte das Vertrauen mit bisher 16 Toren und 13 Vorlagen zurück und ist maßgeblich an Herthas Aufstieg beteiligt. Zu dem 26-Jährigen baute Luhukay ein persönliches Verhältnis auf, dass dem Freistoßexperten das nötige Selbstbewusstsein gab.

Mut brauchte es vor allem aber auch für Luhukays Entscheidung, ungeduldige Starspieler wie den Stürmer Pierre-Michel Lasogga, Mittelfeldspieler Änis Ben-Hatira und Innenverteidiger Maik Franz nach ihrer Genesung vorerst auf die Ersatzbank zu verweisen und sie aufzufordern, sich zu gedulden. Man dürfe nicht vergessen, was die anderen Spieler in Abwesenheit der Verletzten geleistet haben, betonte Luhukay immer wieder.

Dass seine Spieler dies verstanden haben, beweist ein Zitat von Franz am Tag des Aufstiegs: „Wir alle sind immer ruhig geblieben. Jeder hat weiter Gas gegeben und die Klappe gehalten.“

Unbequeme Entscheidungen

Seine konsequente Haltung hat Luhukay beim Team großen Respekt eingebracht. Denn sie bewies, dass der Trainer selbst in kniffligen Situationen und unter dem Druck der Öffentlichkeit nach der immer gleichen Prämisse handelt: Der Einzelne ist unwichtig, das Kollektiv ist entscheidend. Und das ist die zweite Eigenschaft, mit der Luhukay das Team auf seinen Weg und Hertha BSC zurück in die Erfolgsspur geführt hat: Geradlinigkeit.

Mit seiner stets freundlichen, aber bestimmenden Art ist es dem nur 1,68 Meter kleinen Niederländer gelungen, den verschärften Konkurrenzkampf im Kader zu moderieren, ohne dabei den eigenen Prinzipien untreu zu werden. So stellte er den jungen Schulz nach guten Leistungen auch weiterhin im linken Mittelfeld auf, obwohl der etatmäßige Flügelspieler Ben-Hatira nach seiner Verletzung schon längst wieder einsatzfähig gewesen wäre.

Das förderte seine Glaubwürdigkeit innerhalb der Mannschaft, und der Erfolg gab ihm Recht. „Der Trainer hat das Feeling für die richtigen Entscheidungen“, sagte daher auch Vizekapitän Peer Kluge. „Er hat die Erfahrung und weiß, was man braucht, um aufzusteigen.“

Endlich wieder Siegermentalität

Um aufzusteigen, das wusste Luhukay, brauchte es allerdings noch eine dritte Eigenschaft, die er seinen Spielern wiederum selbst vorlebte: Fleiß. Nur wenige Trainer vor ihm bei Hertha BSC haben selbst so viel Einfluss auf die tägliche Trainingsarbeit genommen wie Luhukay. Er führt fast jede Übung selbst vor, verteilt die Hütchen und räumt sie am Ende wieder zusammen.

Während so mancher seiner Vorgänger die Trainingszeiten bisweilen nach seinem Privatleben plante, ist Luhukay „ein akribischer Arbeiter, der dem angestrebten Ziel Wiederaufstieg alles unterordnet“, sagt Niemeyer. Diese Einstellung hat Luhukay des Öfteren als „Mentalität“ beschrieben, und er hat sie ebenso von seinem Team gefordert. Die Balance zwischen fußballerischer Qualität und eben jener Mentalität führe schlussendlich zum Ziel.

Die Qualität war auch in der Vergangenheit oft vorhanden bei den Herthanern. Die nachweisliche Sieger-Mentalität aber, mit der auch enge Spiele noch gewonnen werden konnten, ist die entscheidende Systemverbesserung zur Abstiegsmannschaft der vergangenen Saison. „Die Mentalität hat uns zum Erfolg geführt“, stellte Luhukay kurz vor dem großen Tag der Rückkehr in die Bundesliga fest. Sie soll auch die Kernkompetenz seines Teams sein, um dort zu bestehen.

Manager Preetz: „Luhukay war unsere wichtigste Verpflichtung“

Luhukay war keiner der ganz großen Namen, als ihn Hertha als neuen Cheftrainer verpflichtet hat. Doch mit seiner unaufgeregten aber zielstrebigen Art hat er den kriselnden Klub nach den Turbulenzen der Abstiegssaison wieder zur Ruhe gebracht. „Er hat uns Eckpfeiler durch die Saison gegeben, an denen wir uns orientieren und Sicherheit holen konnten“, sagte Mittelfeldspieler Marcel Ndjeng.

Das habe dazu geführt, dass die Mannschaft die Verunsicherung des Absturzes überwinden und neues Selbstbewusstsein gewinnen konnte. Das ist der Grund, warum Herthas Manager Michael Preetz sagt: „Luhukay war unsere wichtigste Verpflichtung. Er tut Hertha gut.“ Preetz beschreibt den Trainer als „offen, ehrlich und geradlinig“. Bei Hertha wünschen sich daher viele, dass der „kleine General“, wie Luhukay bisweilen von der Presse genannt wurde, dem Klub auch über das Jahr 2014 hinaus erhalten bleibt.

Luhukay kannte den Weg Richtung Aufstieg. Er war ihn zuvor zweimal als Cheftrainer gegangen (2008 mit Mönchengladbach und 2011 mit Augsburg). Weil er seine Mannschaft davon überzeugen konnte, ihm auf diesem Weg zu folgen, spielt Hertha ab Sommer 2013 wieder erstklassig.