Aufstieg

Wie es mit Hertha BSC in der Bundesliga weitergeht

Nach der Strafrunde durch die Zweite Liga wird der Hauptstadt-Klub voller guter Vorsätze in seine 31. Bundesliga-Saison starten. Die Morgenpost beantwortet die zehn wichtigsten Fragen zum Aufstieg.

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Das Wochenende zwischen dem 9. und 11. August 2013 haben sich die Hertha-Fans im Kalender rot angestrichen. Dann haben 15 bittere Monate ein Ende.

So viel Zeit wird dann zwischen dem 1012. und dem 1013. Bundesliga-Spiel von Hertha BSC liegen. Die Berliner Morgenpost beantwortet die zehn wichtigsten Fragen zum neuen Spieljahr.

Wie lautet das Saisonziel in Liga eins?

Wie für jeden Aufsteiger lautet die oberste Priorität: Klassenerhalt. Wenn möglich „ein sicherer Klassenerhalt“, wie Präsident Werner Gegenbauer formuliert. Man darf gespannt sein, wie die erfolgsverwöhnte Mannschaft, die im Unterhaus lediglich zwei Punktspiele verloren hat, mit Niederlagen umgeht. Bisher war die „Mission Luhukay“ seit dem Amtsantritt des Trainers im Juni 2012 eine reine Positivgeschichte. Das wird sich ändern. Hertha wird nicht nur wegen der Bayern und Dortmund mit diversen Rückschlägen zu rechnen haben.

Ist das Kapitel Fahrstuhlteam erledigt?

Wer weiß. Die Abstiege 2010 und 2012 haben Zweifel hinterlassen. Wer über den Tellerrand schaut, sieht: Viele Klubs können in Abstiegsgefahr geraten. Newcomer wie Fürth, Augsburg oder Düsseldorf. Traditionsklubs wie Werder Bremen oder der HSV. Neureiche Klubs wie Wolfsburg oder Hoffenheim. Abgesehen von den wenigen Vereinen mit satten Champions-League-Einnahmen ist für den Rest der Liga alles möglich. Bei Hertha muss mit Blick auf die schwierige wirtschaftliche Situation (rund 37 Millionen Euro Schulden) der Gürtel weiter eng geschnallt werden. Wenn alle Mosaiksteinchen zusammenpassen, wird Hertha die Liga halten.

Wann gibt es wieder Europacupspiele?

In der kommenden Saison wird Hertha den Europacup nur im Fernsehen verfolgen. Einstige hochfliegende Pläne von der regelmäßigen Teilnahme an der Champions League oder gar einer Fahrt mit der Meisterschale durchs Brandenburger Tor haben derzeit nichts mit der Hertha-Realität zu tun. Allerdings ist es Hertha nicht untersagt, über den DFB-Pokalsieg für 2014/15 den Weg nach Europa zu nehmen.

Bleibt der Kader zusammen?

Im Großen und Ganzen ja. Manager Michael Preetz hat gesagt, dass die jetzige Zweitliga-Mannschaft auch das Gerüst der kommenden Saison stellen wird. Um langfristig Klarheit zu haben, wird Hertha den Vertrag mit Trainer Jos Luhukay vorzeitig über 2014 hinaus verlängern. Spielmacher Ronny hat einen Vier-Jahres-Vertrag unterschrieben. Auch Leistungsträger wie Torwart Kraft, Abwehrchef Lustenberger, Pekarik, Kluge oder Torjäger Ramos sind längerfristig gebunden. Dazu wird es drei, vier Verstärkungen geben: ein Manndecker, ein linker Verteidiger, ein Spieler für die Außenbahnen und eventuell noch ein Offensiv-Allrounder.

Haben die Jungen noch Chancen?

Definitiv. Trainer Jos Luhukay hat eine ganze Reihe von Nachwuchskräften systematisch in Liga zwei für Liga eins vorbereitet. John Brooks, Nico Schulz sind fest eingeplant. Ebenso Fabian Holland, Alfredo Morales und, wenn auch noch etwas im Hintergrund, Rohdiamant Hany Mukhtar. Der Trainer wird seinen Talenten die Nervosität vor der hochkarätigen Konkurrenz nehmen.

Bleibt Pierre-Michel Lasogga?

Noch nicht entschieden. Bei Hertha intern meinen die Verantwortlichen, der U21-Nationalspieler werde nicht für fünf oder sechs Millionen Euro abgegeben. Wenn etwa der VfB Stuttgart nicht deutlich mehr zahlen will, soll Lasogga bleiben. Aber es ist kaum vorstellbar, dass der hyperehrgeizige Stürmer noch ein weiteres Halbjahr auf der Bank zubringt. Die Morgenpost-Prognose: Lasogga wird Berlin im Sommer verlassen. Die Ablöse wird nicht horrend sein, aber Hertha wird an einem möglichen Weiterverkauf von Lasogga überdurchschnittlich beteiligt sein.

Wie viel Geld steht zur Verfügung?

Das Zweitliga-Jahr hat Hertha mit knapp 50 Millionen Euro bestritten. Für die Bundesliga wird mit 64 Millionen Euro geplant. Deutlich steigen werden die Fernseh-Einnahmen, von neun Millionen Euro im Unterhaus auf knapp 21 Millionen Euro in der Bundesliga, wegen des neuen TV-Vertrages. Hauptsponsor Deutsche Bahn gibt 4,5 statt drei Millionen. Die Zahl der Exklusiv-Partner bleibt bei acht. Dafür erhöhen sich die Kosten für die Spieler von 16 auf 22 Millionen Euro. Und Hertha muss die vom Senat gestundeten Mietzahlungen für das Olympiastadion nachreichen: 2,55 Millionen Euro, plus Zinsen.

Ist Hertha öfter im Fernsehen zu sehen?

Ja. Es gibt wieder die klassischen Anstoßzeiten mit dem Schwerpunkt am Sonnabend (15.30 Uhr). In der ARD-Sportschau oder dem ZDF-Sportstudio wird Hertha nicht mehr im Nachrichtenblock abgehandelt, sondern ausführlich gezeigt.

Werden die Eintrittskarten teurer?

Bayern statt Bochum, Dortmund statt Dresden – die Gegner werden attraktiver, die Preise steigen moderat. Die Dauerkarte für 2013/14 wird in der Ostkurve ab 132 Euro kosten, in der Kurve ab 177 Euro. Für die teuerste Dauerkarte auf der Haupttribüne sind 629 Euro zu berappen. Der Vorverkauf startet am 29. April.

Kommt der Bundestrainer mal wieder ins Olympiastadion?

Seit Jahren lässt sich Joachim Löw nur selten bei Hertha-Spielen blicken. Warum auch? Seit Arne Friedrich, der Berlin 2010 verließ, hat Hertha keinen deutschen Nationalspieler mehr gehabt. Für die WM 2014 in Brasilien spielt im DFB-Team kein Herthaner eine Rolle. Löw wird bis Weihnachten in Berlin höchstens zum Kudamm-Bummel vorbeischauen.