Die Ausfallliste hat sich mal eben verdoppelt. Neben den verletzten Peer Kluge und Marcel Ndjeng müssen auch die an Grippe erkrankten Peter Niemeyer und John Brooks passen. Somit fehlen Hertha BSC vier Stammspieler für das Spiel am Sonnabend bei 1860 München (13 Uhr). Mit Innenverteidiger Brooks, Kapitän Niemeyer und Kluge sind gleich drei Spieler aus der sogenannten Achse betroffen, um die herum eine Mannschaft gebaut wird.

„Es wird nicht gejammert, wir haben genügend Qualität in der Mannschaft“, sagte jedoch Trainer Jos Luhukay. „Wir haben oft genug bewiesen, dass wir selbst auf kurzfristige Ausfälle Antworten gefunden haben.“

Eine Antwort wird Maik Franz (31) lauten. Der Innenverteidiger kehrt in der WM-Arena in München nach fast sechsmonatiger Pause in die Startelf zurück. Im vergangenen September, beim 1:1 in Kaiserslautern, hatte sich Franz eine schwere Schulterverletzung im beinharten Duell mit Mohamadou Idrissou zugezogen.

Seit Jahresbeginn darf er wieder trainieren. Zunächst war Geduld angesagt, weil sich die Überraschungsabwehr Lustenberger/Brooks als absolut sattelfest erwies.

Erfahrung aus 192 Bundesliga-Spielen

Gefragt, ob er Ansprüche stellen würde – Franz bringt die Erfahrung von 192 Bundesliga-Spielen mit – antwortete er schon im Januar: „Die Jungs machen das einfach gut.“ Am vergangenen Sonntag hatte die Wartezeit auf der Zweitliga-Bank ein Ende. Franz wurde zur Pause für den verletzten Kluge eingewechselt.

In der „Bild“ beschrieb er seine Emotionen: „Ich war aufgeregt wie beim ersten Mal . . . also beim ersten Bundesliga-Spiel. Ein euphorisches Gefühl. Ich existiere wieder.“ Gegen den TSV 1860 ist Franz erneut dabei. Bei den „Löwen“ bekommt es der 1,90 Meter große Verteidiger mit einem alten Bekannten zu tun.

Rob Friend, 1,93-Meter-Stoßstürmer in München, hat als damaliger Herthaner im Juli und August 2011 acht Wochen gemeinsam mit Franz trainiert, ehe der Kanadier zu Eintracht Frankfurt gewechselt war.

Weniger eindeutig ist, wie die anderen Antworten ausfallen. Fabian Lustenberger, neuerdings Herthas „Mr. Zuverlässig“ mit den meisten Einsatzminuten aller Profis, ist dabei. Der Schweizer kann als gelernter defensiver Mittelfeldspieler in der so genannten „Doppel-Sechs“ die Niemeyer-Position übernehmen. Der Trainer ist aber kein Freund von allzu vielen Veränderungen.

Im Training unter der Woche ließ Jos Luhukay das Innenverteidiger-Duo Franz/Lustenberger spielen.

Doppelsechs Kobiashvili/Morales

„Wichtig ist, dass die Balance zwischen Offensive und Defensive stimmt“, erklärte Luhukay sein Credo. Somit gibt es für die Doppel-Sechs, die Schaltzentrale im Spiel, vier weitere Bewerber: Levan Kobiashvili, Alfredo Morales, Fabian Holland und Hany Mukhtar. Gut möglich, dass der Trainer auf eine Mischung aus Erfahrung und Unbekümmertheit setzt. Dann würden Kobiashvili (35) und Morales (22) spielen. Den vakanten linken Posten als Außenverteidiger übernimmt in diesem Szenario Holland.

Der Trainer ließ sich nicht in die Karten schauen. „Ich will mich noch nicht festlegen, sondern warte die Eindrücke von den letzten Trainingseinheiten ab“, sagte Luhukay am Donnerstag. Er appellierte an seine Mannschaft, die Aufgabe mit Selbstbewusstsein anzugehen. „Wir sind die beste Auswärtsmannschaft der Liga, wir haben mit Abstand die meisten Auswärtstore erzielt.“

In der Tat ist Hertha in der Fremde eine Klasse für sich. 28 Punkte haben die Blau-Weißen auf 13 Dienstreisen gesammelt, das Torverhältnis liegt bei 28:12. Zum Vergleich: Zweiter in der Auswärtsstatistik ist Eintracht Braunschweig (22 Punkte/17:11).

Gastgeber TSV 1860 wird alles daran setzen, den Tabellenführer der Zweiten Liga zu schlagen. Nur ein Sieg hält die „Löwen“, die vier Punkte hinter Kaiserslautern und damit dem Relegationsplatz zurückliegen, im Aufstiegsrennen.

In jedem Fall logiert Spitzenreiter Hertha, nach dem 4:2 gegen Duisburg von MSV-Trainer Kosta Runjaic am vergangenen Sonntag als „Bayern München der Zweiten Liga“ geadelt, standesgemäß. Der blau-weiße Reisetross steigt im Hotel „Dolce“ in Unterschleißheim ab. Dort bereitetet sich auch der deutsche Rekordmeister und Champions-League-Viertelfinalist FC Bayern regelmäßig auf seine Heimspiele vor.