4:2 gegen Duisburg

Ronny liefert eine große Fußballshow für Hertha

Hertha hat mit 4:2 gegen den MSV Duisburg gewonnen und baut damit seinen Vorsprung in der Tabelle aus - vor allem dank Ronny. Der Brasilianer war an allen Toren des Spitzenreiters beteiligt.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Die Uhr im Olympiastadion zeigte die 89. Minute an, als sich die Zuschauer erhoben. Ungeachtet der klirrenden Kälte wurde der Spieler des Tages mit einem erneuten „Ronnyyyyyy“-Sprechchor verabschiedet. Hertha-Trainer Jos Luhukay gewährte dem besten Spieler auf dem Platz einen Abgang nach dem Motto: raus mit Applaus. Am Mikrofon vom TV-Bezahlsender Sky staunte Uli Potowski über die „Ronny-Show“. Nach zuletzt mäßigen Leistungen hat sich der Brasilianer mit einer bärenstark Vorstellung selbst aus seiner Minikrise gezogen. 4:2 (2:0) gewann Hertha BSC gegen den MSV Duisburg. Das bedeutete nicht nur den 16. Saisonsieg und den Ausbau der Tabellenführung auf 55 Zähler und damit vorerst vier Punkte Vorsprung auf Verfolger Braunschweig. „Jetzt können wir in aller Ruhe auf der Couch liegen und das Spitzenspiel der Eintracht gegen Kaiserslautern genießen“, sagte Trainer Luhukay.

Beste Offensivleistung dieses Jahr

Vor allem beantwortete die Mannschaft den Rückschlag der Vorwoche, das 0:1 in Dresden, mit der besten Leistung in diesem Jahr. Vier Tore hat Hertha in der gesamten Saison im Olympiastadion noch nicht erzielt. „Und wir hätten noch drei, vier Gegentore mehr bekommen können“, analysierte MSV-Trainer Kosta Runjaic. „Hertha ist das Bayern München der Zweiten Liga. Sie haben vor allem ihre Qualität in der Offensive gezeigt.“

Das meinte bei minus vier Grad im Kühlschrank Olympiastadion vor allen anderen Ronny. Der Brasilianer zirkelte nach zwölf Minuten eine Ecke auf Adrian Ramos, der Kolumbianer köpfte den Ball unerreichbar ins linke Eck, 1:0. Es war das neunte Mal in der Saison, dass Ramos den ersten Hertha-Treffer erzielte. Die Gäste versteckten sich nicht, sie spielten durchaus nach vorn. Damit ergaben sich Räume für die Hausherren, die sie eiskalt nutzten. Hertha-Kapitän Peter Niemeyer eroberte den Ball mit einem starken Einsatz und startete den Konter mit einem schnellen Pass auf Kluge. Der lief auf den Strafraum zu und legte quer, der mitgelaufene Ronny legte sich den Ball zurecht und jagte ihn flach unten ins rechte Eck, 2:0 (24.). „Das Tor widme ich meinem Sohn Ronnynho“, sagte der Papa strahlend.

Damit die Partie des 25. Spieltages überhaupt angepfiffen werden konnte, hatten rund 100 Mitarbeiter, darunter viele Freiwillige, ab 5.30 Uhr zur Schaufel gegriffen. Die Kombination aus Schneefall in der vorangegangenen Nacht und Minusgraden führte dazu, dass die Rasenheizung den Schnee nicht auftauen konnte. In einer Frühschicht sorgten viele fleißige Helfer dafür, dass die Spielfläche per Schaufel-Einsatz von der weißen Last befreit werden konnte.

Immer wieder „Ronnyyyy“-Sprechchöre

Der MSV, der Abstiegssorgen hat, griff nach der Pause erneut an. Sören Brandy verkürzte, wenn auch aus stark abseitsverdächtiger Position, auf 2:1 (49.). Als Hertha jedoch wenig später einen Freistoß erhielt, donnerten wieder die „Ronnyyyy“-Sprechchöre durch das Stadionrund. Er lief an und schlug den Ball hoch in den Duisburger Strafraum, Sami Allagui sprang in das Spielgerät und lenkte es aus sechs Metern ins Tor, 3:1 (57.). Damit war die Partie entschieden. Und die Statistik belegt, warum unter der Woche Trainer Luhukay Ronny als „unseren mit Abstand besten Spieler“ hervorgehoben hatte. Der Mittelfeldspieler hat mittlerweile 13 Tore erzielt und zwölf vorbereitet. Mit anderen Worten: Hertha stellt mit 49 Treffern die beste Offensive der Liga – und Ronny ist an 25 davon direkt beteiligt. Sein zurückhaltender Kommentar: „Das war eine gute Leistung, ich bin froh.“

In dieser Phase drohte Hertha die Gäste an die Wand zu spielen. Der quirlige Allagui, der mehrere gute Gelegenheiten vergab, bekam von der Deutschen Fußball Liga auch den vierten Hertha-Treffer zugesprochen. Da hatte MSV-Torwart Felix Wiedwald einen Ronny-Schuss pariert, den Abpraller donnerte Allagui in Richtung Tormitte, vom Körper des Duisburgers Brandy sprang der Ball ins Netz, 4:1 (64./siehe auch Text rechts).

In der Defensive zu nachlässig

Für viele Zuschauer dürfte der zweite Gäste-Treffer durch Daniel Bomheuer zum 4:2-Endstand nur eine unbedeutende Randerscheinung gewesen sein (72.). Doch Hertha-Manager Michael Preetz sagte: „Die beiden Gegentore ärgern mich persönlich. Die Offensive war sehr griffig, aber hinten waren wir nachlässig. Das können wir uns nicht erlauben.“

Trainer Luhukay war hingegen nicht allzu streng. Er freute sich über „die gute Reaktion der Mannschaft auf die vergangene Woche. Sie hat eines ihrer besten Heimspiele abgeliefert.“

MSV-Trainer Runjaic sah es ähnlich: „Das war eine bärenstarke Vorstellung der Hertha-Offensive. Ich bin sicher, dass wir Hertha in der nächsten Saison in der Bundesliga erleben.“

Neben den drei Punkten hatten die Berliner allerdings auch zwei Ausfälle zu melden. Mittelfeldspieler Peer Kluge zog sich einen Bluterguss über dem rechten Sprunggelenk zu. Für ihn kam zur Pause Maik Franz erstmals in diesem Jahr zum Einsatz. Ramos musste wegen eines Blutergusses in der Kniekehle ausgewechselt werden. Ob die beiden Leistungsträger am kommenden Sonnabend gegen 1860 München spielen können, ist offen.