Zweite Liga

Herthas Lasogga ist ein Torjäger ohne Lizenz zum Schießen

Stürmer Pierre-Michel Lasogga ist bei Hertha BSC derzeit meist nur Zuschauer. Trainer Jos Luhukay setzt auf andere. Ein Lichtblick für den 21-Jährigen aber ist die U21-Nationalmannschaft.

Foto: Annegret Hilse / picture alliance / Annegret Hils

Drei Worte. Mehr nicht. Das ist alles, was Pierre-Michel Lasogga derzeit sagt, wenn man sich mit dem Angreifer über seine Situation bei Hertha BSC unterhalten will: „Heute leider nicht.“ Heute nicht, gestern nicht. Und auch in den Tagen davor gab sich der 21-Jährige stets wortkarg. Er möchte nicht reden, möchte nichts Falsches sagen. Und so übt sich Lasogga weiter in dem, was zuletzt ohnehin oft seine Hauptaufgabe war: Warten.

Doch das Warten gehört nicht unbedingt zu den Stärken von Pierre-Michel Lasogga. Allzu lange musste der ehrgeizige Stürmer zuschauen. Ein Kreuzbandriss im Mai 2012 zwang ihn zur Pause. Als er zum Ende der Hinrunde wieder ins Mannschaftstraining einstieg, kündigte er selbstbewusst an, alsbald wieder für Hertha auf Torejagd gehen zu wollen.

Enttäuschte Erwartungen

Die Argumente für diesen Stammplatzanspruch wähnte Lasogga durchaus auf seiner Seite. Hatte er nach seiner Verpflichtung von Bayer Leverkusen im Sommer 2010 mit 13 Toren und fünf Vorlagen doch maßgeblichen Anteil daran, dass die Berliner den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga schafften.

Im Jahr darauf avancierte er zum besten Torjäger des Teams und einzigen Lichtblick in einer ansonsten völlig verkorksten Saison, die im erneuten Abstieg mündete. All das hätte doch dafür sprechen müssen, dass man ihm bei Hertha nach seiner Rückkehr den Platz im Sturmzentrum räumen würde. Zum Zeichen seines Selbstverständnisses ließ sich der Junge aus dem Ruhrpott einen Phönix auf den Unterarm tätowieren. Auferstanden aus der Asche.

Herthas Cheftrainer sah das offenbar anders. In den sechs Partien nach der Winterpause setzte Jos Luhukay nur dreimal auf Lasogga. In Regensburg wurde er kurz vor dem Abpfiff eingewechselt. Das Derby gegen den 1. FC Union sah er von der Tribüne aus, nachdem er sich ein Trainingsscharmützel mit Maik Franz geliefert hatte und daraufhin suspendiert worden war. Wenigstens gegen den Dorfklub VfR Aalen? Nein. Wieder warten. Zähneknirschen.

Derzeit nur noch Stürmer Nummer drei

Gegen Kaiserslautern endlich kam seine Chance. Zur Halbzeit eingewechselt, nutzte sie Lasogga mit einem agilen Auftritt und der Vorlage zum entscheidenden 1:0. Das überzeugte Luhukay, er stellte ihn nach dem Ausfall von Ronny gegen Dresden erstmals von Beginn an als zweite Spitze auf. Hertha verlor zum ersten Mal nach 21 Partien, Lasoggas auffälligste Szene war das unglückliche Eigentor, das die Niederlage besiegelte.

„Pierre hatte die Möglichkeit zu spielen“, erläuterte Luhukay danach vielsagend seine Entscheidung, gegen den MSV Duisburg zum System mit Adrian Ramos als einzigem Stürmer zurückzukehren.

Ohnehin hat sich der 49-Jährige auf das Angriffsduo der beiden Südamerikaner Ramos und Ronny als „Zehner“ dahinter festgelegt: „Das sind die Jungs, die für uns oft die Entscheidung herbeigeführt haben. Da brauche ich nicht darüber nachzudenken, das auseinander zu reißen.“

Bei Luhukay scheint Lasogga derzeit nicht einmal die zweite Wahl im Sturm zu sein, denn gegen Duisburg wechselte er nach Ramos‘ verletzungsbedingtem Ausfall nicht etwa Lasogga, sondern Sandro Wagner ein und lobte ihn danach in höchsten Tönen: „Für uns ist Sandro ein Topspieler. Auf ihn kann ich mich immer verlassen.“

Darüber hinaus hat auch Sami Allagui mit zwei Toren gegen den MSV seine monatelange Ladehemmung überwunden und dürfte sich damit ebenfalls langfristig wieder für die Rolle des Mittelstürmers ins Gespräch gebracht haben, für die er im Sommer eingekauft wurde.

Angebot vom Bundesligaklub VfB Stuttgart

In jenem Überangebot in der Offensive liegt für Herthas Manager Michael Preetz auch der Grund für Lasoggas derzeitige, unbefriedigende Rolle als Ergänzungsspieler: „Es geht bei Pierre überhaupt nicht um seine Qualität, sondern vielmehr um die besonders große Konkurrenz im Sturm.“ Er müsse nun geduldig auf den „richtigen Zeitpunkt warten und diese Chance dann nutzen“.

Preetz hatte in der Winterpause ein Angebot des VfB Stuttgart über rund vier Millionen Euro für Lasogga abgelehnt, obwohl dieser sich bereits mit dem Bundesligaklub einig gewesen sein soll. Umso weniger dürfte der bullige Stoßstürmer nun darüber erfreut sein, dass er weiterhin keinen Stammplatz bei Hertha hat.

Doch Preetz ist sich sicher: „Auch wenn es in Dresden zuletzt nicht so gut funktioniert hat, wird es weitere Gelegenheiten für Pierre geben. Er ist ein hoch veranlagter Spieler, der sehr engagiert um seinen Platz im Team kämpft.“

Aussichten auf die U21-EM

Das Angebot des VfB habe er abgelehnt, weil Hertha mit Blick auf die Bundesliga in der nächsten Saison weiter auf Lasogga setzen will und sich sein Marktwert auch bei einem vorübergehenden Dasein als Edelreservist nicht reduzieren wird: „Er ist ein Stürmertyp, wie es in Deutschland nur noch ganz wenige gibt.“

In der Nationalelf zum Beispiel gebe es da nur Mario Gomez. Das sieht auch Juniorennationaltrainer Rainer Adrion so und plant fest mit Lasogga für das U21-Testspiel gegen Israel am 24. März: „Ich habe mit ihm gesprochen und möchte ihn gern mitnehmen“, sagte Adrion. Das dürfte ein Lichtblick für Lasogga sein, denn auch für die im Sommer anstehende U21-Europameisterschaft in Israel hat Adrion den Hertha-Stürmer auf dem Zettel: „Er war vor seiner Verletzung ein wichtiger Spieler für uns. Wenn er sein Leistungsniveau wieder erreicht, ist er ein Kandidat für die EM.“