Zweite Liga

Für Herthas Trainer Luhukay ist Ronny nicht zu ersetzen

Herthas Spielmacher Ronny ist der effizienteste Spieler der Zweiten Liga. Luhukay traut ihm eine ähnliche Rolle in der Bundesliga zu und hofft, dass der Brasilianer seinen Vertrag schnell verlängert.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Krise? Welche Krise? Herthas Spielmacher Ronny zieht die dunklen Augenbrauen nach oben, als er am Tag nach dem verdienten Heimsieg gegen den MSV Duisburg (4:2) gefragt wird, ob er mit seinem Tor und den beiden Vorlagen nun seine kleine Schaffenskrise aus den vergangenen drei Partien überwunden habe.

Da hatte der sonst so torgefährliche Brasilianer dreimal in Folge nicht getroffen, und auch die gewohnte Spielfreude der Hinrunde schien ihm irgendwie abhanden gekommen zu sein. Hemmte ihn etwa seine immer noch ungeklärte Zukunft? Oder zeigte sich nunmehr, dass Ronny eben doch nicht in der Lage ist, eine komplette Saison auf konstant hohem Niveau zu spielen?

Alles Quatsch, sagt Ronny: „Ich glaube nicht, dass ich eine Krise hatte. Der Trainer war der Meinung, dass ich zuletzt gegen Dresden nicht bei einhundert Prozent war. Das habe ich akzeptiert. Aber eine Krise war das nicht.“

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In der Tat hatte Herthas Übungsleiter Jos Luhukay vor der Partie gegen den MSV gesagt, dass Ronny noch nach seiner Form der Hinrunde suche. Mit seinem Gala-Auftritt gegen den Revierklub aber hat der 26-Jährige eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er die verloren gegangene Leichtigkeit nunmehr wiederentdeckt hat.

„Ronny ist wieder da, wo er vor der Winterpause war“, lobt Luhukay und will die Freude darüber nicht verbergen. „Er war an allen vier Toren und den entscheidenden Momenten der Partie beteiligt.“

Der Niederländer spricht über den Auftritt am Sonntag. Dabei gilt Selbiges für die gesamte, bisherige Zweitliga-Spielzeit. Mit 13 Treffern und zwölf Vorlagen ist Ronny an mehr als der Hälfte aller Hertha-Tore direkt beteiligt (25 von insgesamt 49 Treffern).

In den vergangenen 15 Jahren gab es nur einen einzigen Spieler, der die Zweite Liga noch deutlicher dominierte als Ronny in der laufenden Saison – der junge Lukas Podolski, der bis zum 25. Spieltag 2004/2005 28 Scorerpunkte sammelte und den 1. FC Köln am Ende zum Wiederaufstieg führte.

Kongeniales Duo mit Adrian Ramos

Auch Luhukay ist sich der herausragenden Stellung eines Spielmachers in der Liga bewusst: „Ich hatte in anderen Klubs auch schon dominante Spieler. Aber an 25 Toren direkt beteiligt zu sein, ist eine Menge. So eine Effizienz hat in dieser Saison kein anderer Spieler der Zweiten Liga.“

Der 49-Jährige hat zu Saisonbeginn erkannt, was viele seiner Vorgänger bei Hertha zwar ebenfalls gesehen, aber eben die richtigen Schlussfolgerungen nicht gezogen haben: Ronny braucht Freiheiten, um sein Spiel vollkommen entfalten zu können. Für ihn hat Luhukay sein geplantes System mit zwei Angreifern auf ein 4-2-3-1 mit Ronny als klassischen Spielmacher hinter einer einzigen Spitze umgestellt.

Dafür riskiert Luhukay auch die latente Unzufriedenheit namenhafter Angreifer wie Pierre-Michel Lasogga und Sandro Wagner, für die damit kein Platz mehr in der Startelf ist. „Dass wir einen Stürmer weggelassen haben, ist für Ronny das beste System, um seine Qualitäten voll einbringen zu können“, sagt der Trainer.

Dass Ronnys kongenialer Partner niemand anderes als Adrian Ramos ist, daran gibt es für Luhukay keinen Zweifel: „Die beiden verstehen sich auf und neben dem Platz blind. Das gibt uns noch einmal eine ganz andere Qualität.“

Der Vertragspoker geht weiter

Weil Herthas Erfolg der laufenden Spielzeit maßgeblich mit dem unerwarteten Aufstieg Ronnys zum absoluten Schlüsselspieler verknüpft ist, sagt Luhukay: „Ronny ist für uns nicht zu ersetzen. Er ist nicht nur ein Spieler mit hohen technischen Fähigkeiten und viel Kreativität. Er kann auch den finalen Pass spielen. In dieser Vielfall der Qualitäten ist er für uns nicht eins zu eins zu ersetzen.“

Dabei könnte es passieren, dass Luhukay dennoch bald Ersatz suchen muss. Denn Ronnys Vertrag läuft zum Saisonende aus, und die Gespräche über eine Verlängerung gestalten sich schwierig. Zwar sagt Ronny: „Ich möchte gern bleiben.“ Ergänzt aber auch, dass die Entscheidung über seine Zukunft nicht nur von ihm abhänge, sondern auch von Hertha und seinem Berater Dino Lamberti.

Dank der starken Leistungen von Ronny hat der Schweizer Agent beste Argumente, um eine deutliche Gehaltserhöhung für seinen Klienten aushandeln zu können, was wiederum für die klammen Berliner zum Problem werden könnte.

„Wir haben die Entscheidung getroffen, grundsätzlich mit Ronny verlängern zu wollen“, sagt Herthas Manager Michael Preetz. Natürliche gehe es nunmehr ums Geld, und Hertha sei bereit, in einem finanziell vertretbarem Rahmen die Bezüge anzupassen. Daran ändere auch ein starkes oder drei weniger gute Spiele von Ronny nichts, so Preetz.

Luhukay traut Ronny Bundeliga zu

Dabei ist die entscheidende Frage für Hertha nicht, ob Ronny das geforderte Millionengehalt wert ist. Wesentlicher ist die Frage, was es den Verein kosten würde, einen adäquaten Ersatz zu verpflichten? Preetz ist weiter zuversichtlich, dass es zu einer Weiterbeschäftigung des Offensivspielers in Berlin kommt: „Die Gespräche sind in einem permanenten Fluss. Ronny ist eine ganz zentrale Personalie für unsere Planungen. Das beste Argument für uns ist der Fakt, dass er sich mit diesem Team und diesem Trainer in die tolle Verfassung gebracht hat.“

Auch Luhukay hofft, dass er in der kommenden Saison, in der Hertha mit großer Wahrscheinlichkeit in die Bundesliga zurückkehren wird, weiter auf Ronny setzen kann.

„Wir wollen unglaublich gern, dass er bei uns bleibt, und ich hoffe, dass er sich mit Hertha einigen kann.“ Die zwei wichtigsten Ziele der kommenden Tage seien daher: „ein Sieg gegen 1860 München am Sonnabend und Ronnys Vertragsverlängerung“. Dass sein Schützling ohne Frage die Tauglichkeit für die Bundesliga hat, daran zweifelt Luhukay nicht: „Für mich ist sicher, dass er auch in der Ersten Liga die gleiche wichtige Rolle für uns spielen wird wie in diesem Jahr. “

Ronny selbst sieht das ähnlich: „Es ist gerade eine sehr gute Zeit für mich. Aber ich werde versuchen, mich noch zu verbessern und auch in der Bundesliga so dominant zu spielen.“ An Krisen denkt Ronny nicht.