Zweite Liga

Hertha BSC verliert gegen Dresden durch ein Eigentor

Der Berliner Pechvogel des Tages heißt Pierre-Michel Lasogga. Der Herthaner köpfte den Ball ins eigene Tor.

Foto: Thomas Eisenhuth / dpa

Den Kopf ließ Pierre-Michel Lasogga nicht hängen. Als Herthas Stürmer nach der 0:1-Niederlage seiner Mannschaft bei Dynamo Dresden am Sonnabend vom Platz trottete, sprach aus seinem Gesicht eher Wut und Enttäuschung als Trauer.

Wut über Herthas erste Pleite seit 21 Partien. Enttäuschung über ein Spiel, in dem die Berliner nie in den Rhythmus der vergangenen, erfolgreichen Wochen fanden. Und ein bisschen von beidem über ein Missgeschick, dass jedem Profi schlaflose Nächte bereitet.

Ausgerechnet Lasogga, der nach seiner Genesung von einem Kreuzbandriss wochenlang auf seinen Einsatz gedrängt hatte, erzielte per Selbsttor den einzigen Treffer des Tages (38. Minute). „Obwohl wir die überlegene Mannschaft waren, haben wir heute einfach nicht den Weg in den gegnerischen Strafraum gefunden. Leider Gottes passiert mir auch noch das unglückliche Eigentor. Aber so ist es manchmal im Fußball“, so der 21-Jährige.

Dabei hatte die Partie vor 29.174 Zuschauern mit einer für Lasogga positiven Überraschung begonnen. Obwohl Marcel Ndjeng und der Brasilianer Ronny auf dem Spielbogen auftauchten, standen beide Mittelfeldspieler nicht in der Anfangself.

Beim Warmmachen zog sich Ndjeng einen Muskelfaserriss zu. Ronny blieb zunächst wegen muskulärer Probleme an der Kniekehle draußen. Dafür kam Lasogga zum ersten Startelfeinsatz seit 301 Tagen. Für Ronny stürmte Sandro Wagner.

„Bei Marcel ging es gar nicht. Bei Ronny wollten wir vorsichtig sein und ihn nur im äußersten Notfall bringen“, sagte Luhukay später.

Der verletzungsbedingte Ausfall bedeutete auch eine Systemumstellung für den Niederländer. Statt des bevorzugten 4-2-3-1 stellte er auf ein 4-4-2 um. Adrian Ramos rückt auf die rechte Seite. Ebenso wie Lasogga stand auch Levan Kobiashvili zum ersten Mal nach seiner monatelangen Sperre in der Startelf. Der Georgier ersetzte Fabian Holland links in der Viererkette.

Ronny erst spät eingewechselt

Zunächst aber wirkte es so, als stecke Hertha dieses Wirrwarr ohne Probleme weg. Die Berliner begannen druckvoll. Lasogga setzte Ramos im Strafraum in Szene, doch den Schuss des Kolumbianers parierte Benjamin Kirsten im Tor der Dresdener (6.).

Wenig später verfehlte Kapitän Peter Niemeyer mit einem Fernschuss das Tor nur knapp (16.). Danach aber war es vorbei mit Herthas Anfangsschwung.

Angefeuert von einer fantastischen Kulisse legte Dresden nach 20 Minuten seine Zurückhaltung ab. Dynamos Angreifer Lynel Kitambala setzte sich im Sprintduell gegen John Anthony Brooks durch, schoss aber rechts am Tor vorbei (21.).

„Nach 20 Minuten haben wir einfach nachgelassen“, gab Nico Schulz, der erneut im linken Mittelfeld begann, zu. „Warum? Das kann ich mir nicht erklären. Es lief irgendwie nicht.“

Nach 38 Minuten war es dann passiert. Der eingewechselte Cristian Fiel brachte einen Freistoß in den Berliner Strafraum, wo Poté und Lasogga hochstiegen, und der Ball vom Scheitel des Herthaners ins Tor sprang, 0:1. Zwar beanspruchte der Nationalspieler des Benin, der seit dem 11. Spieltag nicht mehr getroffen hatte, den Treffer später für sich, doch Lasogga sagte: „Ich hätte ihm zum Tor gratuliert, denn ich weiß, wie wichtig das für einen Stürmer ist. Aber es war leider mein Ding.“

Kurz vor der Pause hätte Dresden beinahe auf 2:0 erhöht. Doch Kraft bewahrte seine Mannschaft mit einer Glanzparade gegen Idir Ouali vor einem höheren Rückstand.

Einfallslosigkeit bei den Berlinern

Wer nun dachte, dass Hertha mit reichlich Wut aus der Kabine komme würde, sah sich getäuscht. Dynamo übernahm wieder das Kommando. Hätte Kraft nicht erneut gegen den flinken Kitambala gerettet, die Partie wäre schon früh entschieden gewesen (47.).

Luhukay reagierte und brachte Änis Ben-Hatira (62.) und Ronny (69.). Doch an der Einfallslosigkeit seiner Mannschaft änderte das wenig. Ronny spielte Ben-Hatira zwar mit einem feinen Pass im Strafraum frei, doch der 24-Jährige verfehlte knapp.

Und Pierre-Michel Lasogga? Für den Angreifer wurde es in der Schlussphase nun endgültig ein gebrauchter Tag: Erst setzte er eine Flanke von Peter Pekarik neben das Tor. Und zu allem Überfluss erkannte Schiedsrichter Michael Weiner, als Lasogga Herthas allerletzter Chance im Netz versenkt hatte, auf ein Foulspiel zuvor, Freistoß für Dresden. Somit blieb es beim 0:1.

Hertha verlor erstmals seit 21 Spielen wieder und könnte bei einem Sieg von Verfolger Eintracht Braunschweig gegen den MSV Duisburg am Montag von der gerade erst erkämpften Tabellenspitze verdrängt werden.

Durch das zeitgleiche 0:0 des 1. FC Kaiserslautern gegen den VfL Bochum verfügt Hertha jedoch immer noch über einen beruhigenden Vorsprung von zwölf Punkten auf den Relegationsplatz drei.

Luhukay nahm die Niederlage mit Fassung: „Ich denke, dass Dynamo verdient gewonnen hat. Sie sind über sich hinaus gewachsen.“ Enttäuscht sei er nicht. „Eine Serie kann auch mal reißen. Wir müssen diese Niederlage mit Größe wegstecken.“

Hertha Manager Michael Preetz sagte: „Wir konnten uns in der zweiten Halbzeit keine zwingende Torchance mehr erspielen. Deshalb geht die Niederlage in Ordnung.“

Das letzte Wort hatte aber der Pechvogel des Tages. „Die Mannschaft“ sagte Lasogga, „ist trotzdem stark genug, diese Niederlage wegzustecken“. Den Kopf hängen zu lassen, das erlaubte er sich nicht.