Lange war es nicht mehr zu hören im weiten Rund des Olympiastadions. „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey“ schallte es am Montagabend aus der Ostkurve in den Berliner Nachthimmel, und die Mannschaft von Hertha BSC tanzte im Takt. Verdient hatte sich das Team von Trainer Jos Luhukay das Bad in der Menge allemal.
Hatten es sich doch mit einer engagierten Leistung im Spitzenspiel gegen den Tabellendritten 1. FC Kaiserslautern nicht nur einen völlig verdienten 1:0-Sieg erkämpft. Erstmals in der laufenden Spielzeit schafften die Herthaner darüber hinaus den Sprung an die Tabellenspitze.
Das Tor des Tages erzielte Mittelfeldspieler Peer Kluge nach feiner Vorarbeit des eingewechselten Pierre-Michel Lasogga. Damit baut Hertha ihre beeindruckende Serie auf 21 Partien ohne Niederlage und den Abstand auf die Pfälzer auf dem Relegationsplatz drei auf 13 Punkte aus.
Schulz erhält Luhukays Vertrauen
„Wir haben es uns verdient, da oben zu stehen. Das ist eine Belohnung für unsere Fans und für uns als Mannschaft“, sagte Marcel Ndjeng. Luhukay stellte seine Mannschaft im Vergleich zum Auswärtserfolg gegen den VfR Aalen (1:0) vor einer Woche auf zwei Positionen um. Kluge, der gegen den VfR noch gelbgesperrt fehlte, rückte zurück ins defensive Mittelfeld. Für die Position im linken Mittelfeld entschied sich der Niederländer für den jungen Nico Schulz, der nach seiner Sprunggelenksverletzung Ende November sein Comeback gab. Kaiserslauterns Trainer Franco Foda brachte Erwin Hoffer für den gelb-rotgesperrten Mohamadou Idrissou.
Und die Partie begann furios. Hertha machte vom Anpfiff an Druck. Dritte Minute, Adrian Ramos, als einzige Spitze aufgeboten, setzte Schulz im Strafraum ein, der 20-Jährige war früher am Ball und wurde vom herausstürmenden Lauterer Torwart Tobias Sippel zu Fall gebracht. Elfmeter. Eine Sache für Herthas Spezialisten. Doch als die „Roooonnnnyyy“-Rufe aus der Ostkurve schallten, scheiterte der Brasilianer am stark parierenden Sippel. Sein Kapitän Peter Niemeyer sagte: „Ronny, Mister 100-Prozent, kann auch mal einen daneben setzen.“
Hertha ließ sich nicht beeindrucken und spielte weiter druckvoll nach vorn. Der agile Schulz setzte sich über die linke Seite durch, flankte in die Mitte, wo Ramos nicht mehr hinter den Ball kam und vergab (7.). Danach war es erst einmal vorbei mit Herthas Angriffslust. Der FCK, der nach der Winterpause noch keinen Gegentreffer hinnehmen musste, kam nun besser ins Spiel und zwang die Blau-Weißen immer wieder zu Fehlpässen. Doch gerade, als die Pfälzer die Überlegenheit der Berliner zu brechen begannen, schwächten sie sich selbst. Mittelfeldspieler Alexander Baumjohann stieg gegen Herthas Peter Pekarik brutal ein und ließ Schiedsrichter Tobias Welz keine andere Möglichkeit, als ihn mit der Roten Karte vom Platz zu stellen (33.). Hertha spielte von dort an 57 Minuten in Überzahl.
Rochade nach der Pause
In der Halbzeit entschied sich Luhukay zu einer Rochade. Der 49-Jährige brachte Pierre-Michel Lasogga für Pekarik. Der 21-Jährige ging in die Sturmspitze. Für ihn wich Ramos auf die linke Seite aus, Marcel Ndjeng rückte zurück in die Viererkette auf Pekariks Position. Diese Umstellung machte sich bemerkbar. Hertha bestimmte wieder das Geschehen. Ronny spielte Ndjeng im Strafraum frei, doch der 31-Jährige verfehlte das Lauterer Tor knapp (57.).
Luhukay wollte nun noch mehr Offensive gegen die immer tiefer stehenden Pfälzer. Er nahm Innenverteidiger John Anthony Brooks vom Feld, schickte Stürmer Sandro Wagner in die Spitze neben Lasogga (62.) und stellte in der Abwehr auf eine Dreierkette um. Die Mannschaft verstand das Signal: alles auf Sieg!
Nach einer Ecke von Ronny köpfte Lasogga noch knapp vorbei. Kurz darauf war es wiederum der sehr präsente Lasogga, der eine Flanke von Ramos über das Tor schoss (64.). Aber vier Minuten später war es so weit: Fabian Lustenberger spielte einen langen Ball auf Lasogga, der steckte durch zu Kluge, der im Stile eines Torjägers in die kurze Ecke traf (68.). Kluge freute sich über seinen dritten Saisontreffer: „Ich habe gesehen, dass da eine Lücke war und habe einfach draufgehalten. Es war auch ein bisschen Glück dabei.“
Wer dachte, dass Hertha nun nachlassen würde, sah sich getäuscht. Die Blau-Weißen spielten weiter munter nach vorn. Wagner setzte sich über die rechte Seite gut durch, flankte in die Mitte, wo Lasogga hochstieg und Sippel im Tor der Lauterer zu einer Glanzparade zwang (75.).
Lasogga kommt ins Schwärmen
Luhukay brachte Levan Kobiashvili für den entkräfteten Ronny (79.). Es galt nun die Führung zu halten. Doch Kaiserslautern fiel nichts ein, so blieb es beim verdienten 1:0 für Hertha. „Es war ein unglaubliches Gefühl, hier im Olympiastadion die Tabellenspitze zu erklimmen“, sagte Lasogga. Luhukay bemühte sich, die Euphorie zu bremsen: „Es war ein hartes Stück Arbeit. Ich bin froh, dass wir das wichtige Tor gemacht haben. Aber eine Vorentscheidung im Aufstiegsrennen war es noch nicht.“ Am Sonnabend muss Hertha bei Dynamo Dresden antreten.





