Zweite Liga

Warum der Poker um Herthas Ronny noch völlig offen ist

Bei den Verhandlungen um die Vertragsverlängerung des Brasilianers geht es nicht nur um das Gehalt. Ein Abgang von Ronny ist möglich.

Foto: Thomas Eisenhuth / dpa

Es sind aufregende Tage für Herthas derzeit besten Torjäger und Vorbereiter Ronny. In der vergangenen Woche war sein Berater, der Schweizer Dino Lamberti, in Berlin zu Gast, um über eine Verlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrages seines Schützlings zu verhandeln.

Dies allerdings entpuppt sich als äußerst schwieriges Unterfangen, und kein Tag vergeht, an dem nicht über die bisher unterschiedlichen Vorstellung beider Seiten berichtet wird.

Am Sonnabendnachmittag hat sich Ronnys Verhandlungsposition ohne sein Zutun noch einmal verbessert. Obwohl der Brasilianer zunächst für die Startaufstellung von Hertha BSC gegen Dynamo Dresden vorgesehen war und sogar im Spielberichtsbogen auftauchte, stand er überraschend nicht auf dem Feld.

Ronny klagte nach der Erwärmung über Probleme in der Kniekehle, und Herthas Cheftrainer Jos Luhukay entschied sich nach Rücksprache mit Mannschaftsarzt Dr. Ulrich Schleicher, zunächst auf Ronnys Dienste zu verzichten. Das bedeutete eine Systemänderung auf ein 4-4-2 mit Pierre-Michel Lasogga und Sandro Wagner als Doppelspitze ohne klassischen Spielmacher.

Prompt fehlten Hertha die Ideen, und die Berliner verloren erstmals seit dem 2. Spieltag wieder eine Partie (0:1). Die einzig vielversprechende Chance der Blau-Weißen im zweiten Durchgang kreierte Ronny, als er nach 69 Minuten doch noch eingewechselt wurde und Änis Ben-Hatira mit einem feinen Pass freispielte. Für den Ausgleich reichte es aber nicht.

Herthas Manager Preetz hofft auf Verbleib des Brasilianers

Ideal ist die derzeitige Abhängigkeit von Ronny (zwölf Tore, zehn Vorlagen) für Hertha keineswegs. Ebenso wenig ideal ist, dass die Vertragsverhandlungen um den 26-Jährigen immer wieder ihren Weg in die Öffentlichkeit finden. So sagte Lamberti nach seiner Abreise, dass man auch mit anderen Interessenten in Gespräche eintreten werde.

Herthas Manager Michael Preetz versicherte: „Das gehört zum Geschäft und beeinflusst uns nicht.“ „Verrücktheiten“ werde man jedenfalls nicht machen. Dabei geht es weniger um die Höhe der Gehaltsvorstellungen. Es geht vor allem um die Gesamtheit des Vertragspakets inklusive Laufzeit, erfolgsbezogenen Prämien und dem Handgeld, dass bei einer Unterschrift fällig würde.

Lamberti gilt als knallharter Verhandler, der hochdotierte Verträge für seine Klienten aushandeln kann (siehe Ronnys Bruder Raffael beim Wechsel nach Kiew). Fest steht aber auch, dass er ebenso wie Hertha grundsätzlich an einer Weiterbeschäftigung des Spielers in Berlin interessiert ist.

Dass beide Seiten die Schwierigkeiten der Verhandlungen öffentlich thematisieren, gehört zur gängigen Praxis derartiger Vertragspoker. Denn es gilt auch die öffentliche Akzeptanz der eigenen Position für den Fall vorzubereiten, dass die Gespräche am Ende tatsächlich scheitern sollten, und Ronny Berlin verlässt. Noch hofft Preetz, dass es anders kommt: „Wir möchten, dass Ronny in Berlin bleibt. Ob uns das gelingt, kann ich jedoch nicht sagen. Das ist noch völlig offen.“