Gegen Ingolstadt

17-Jähriger soll Hertha-Kapitän Peter Niemeyer ersetzen

Niemeyer muss nach der fünften Gelben Karte gegen den FC Ingolstadt pausieren. Dafür gibt wohl Hany Mukhtar sein Startelf-Debüt.

Foto: Soeren Stache / dpa

Ein Schlüsselwort für die Arbeitswelt von heute lautet Flexibilität. Was normale Arbeitnehmer täglich erleben, geht auch an Fußball-Profis nicht vorbei.

Wenn Hertha BSC am Freitag zum zwölften Spieltag der Zweiten Liga antritt, läuft zum zwölften Mal eine veränderte Startelf auf. Kapitän Peter Niemeyer, der sich mit seiner aggressiven Spielweise zum Leitwolf entwickelt hat, muss nach der fünften Gelben Karte in der Partie gegen den FC Ingolstadt pausieren (Olympiastadion, 18 Uhr).

Nun ist die Position im defensiven Mittelfeld eine zentrale im modernen Fußball. Und Trainer Jos Luhukay steht vor der Frage, wen er anstelle von Niemeyer in die Schaltzentrale des Hertha-Spiels beordern soll.

Die naheliegende Variante wäre, Fabian Lustenberger aus dem Abwehrzentrum auf seine gelernte Position auf der sogenannten „Doppel-Sechs“ vorzuziehen. Schließlich sitzt mit Roman Hubnik ein EM-erfahrener tschechischer Innenverteidiger auf der Bank. Außerdem wissen die Berliner um die Kopfballstärke von Ingolstadt.

Dort gibt es mit dem ehemaligen Hertha-Kapitän Andre Mijatovic (1,91 m), Ralph Gunesch (1,90 m), Manuel Schäffler (1,89 m) oder Marino Biliskov (1,95 m) eine ganze Reihe hochgewachsener Spieler. Gegen die Roman Hubnik (1,92 m) vielleicht besser zurecht käme, als der zwölf Zentimeter kleinere Lustenberger.

Luhukay - ein Anhänger von Kontinuität

„Ja, das ist ein Gedanke“, räumt Luhukay ein. Und outet sich, bei aller Flexibilität, als Anhänger von Kontinuität. „Ich reiße nur sehr ungern auseinander, was gut funktioniert“, sagte er mit Blick auf eine Abwehrkette mit Lustenberger.

Der Schweizer hat sich innerhalb weniger Begegnungen vom Aushilfs-Innenverteidiger zum Abwehrchef gemausert, der seinen jungen Kollegen John Brooks (19) führt. „Fabian ist ein Spieler, der uns unglaublich gut tut. Er ist ein absoluter Stabilisator“, sagte Luhukay. Das heißt nichts anderes, als dass die Abwehr bleibt wie sie ist: Lustenberger gibt den Manndecker, Hubnik hat einen Zuschauerplatz in der ersten Reihe.

Die zweite Idee, die viele Fans, etwa im Morgenpost-Blog „Immerhertha“, favorisieren, lautet: Ronny vom offensiven Mittelfeld vor die Abwehr zurückzubeordern. Und das System auf ein 4-4-2 umzustellen mit zwei Stürmern, Adrian Ramos und Sandro Wagner. Schließlich hatte der Ex-Bremer mit bärenstarken 30 Minuten in Braunschweig (1:1) Werbung in eigener Sache betrieben.

Doch auch bei dieser Variante schüttelt der Trainer den Kopf. Zwar hob er Wagner ausdrücklich hervor. Der war in den vergangenen Tagen in den Berliner Medien sehr positiv besprochen worden. „Ich freue mich, dass ihr Sandro hervorhebt, das tut ihm gut und uns“, sagte Luhukay zur Journalisten-Runde. „Wir sind von Sandro überzeugt.“

Doch in so viel Lob verpackt, folgte das, was Wagner schmerzen wird: „Sandro muss sich in unserer Erfolgssituation gedulden, das betrifft auch andere Spieler. Wir haben uns entwickelt. Das, was jetzt stabil und gut ist, wechsele ich nur ungern.“

Wagner muss sich in Geduld üben

Das heißt zweierlei: Der ehrgeizige Stürmer muss sich in der Disziplin üben, die ihm am schwersten fällt: Geduld haben. Und Hertha wird auch gegen Ingolstadt in der 4-2-3-1-Taktik mit nur einem Stürmer spielen. „Schaut mal in Europa rum“, sagte Luhukay, „da spielt kaum noch jemand 4-4-2. Die Bayern nicht, Dortmund nicht, Barcelona nicht und die Nationalmannschaft auch nicht.“

Dahinter steht die Überlegung, dass Ronny derzeit in einer so guten Form ist, wie noch nie seit seiner Ankunft bei Hertha im Sommer 2010. Luhukay will die Stärken des Brasilianers im offensiven Mittelfeld nutzen.

Bei so viel Kontinuität muss sich der Trainer dann doch zu einer neuen Lösung Lösung entscheiden. So wie es aussieht, wird es die in sich haben. „Ich tausche am liebsten Position für Position“, sagte Luhukay. Und die Frage der Luftüberlegenheit des FC Ingolstadt, die kann man vielleicht ersticken, ehe sie überhaupt entsteht. Die Gäste, Überraschungs-Fünfter der Liga, werden defensiv erwartet. Den Nachteil mit der Körpergröße „kann man ausgleichen, indem wir eine gute Präsenz haben und Standards vermeiden.“

Die Lösung dürfte eine überraschende sein. Täuschen die Anzeichen nicht, gibt Hany Mukhtar (17) sein Startelf-Debüt. Der Grashüpfer im Kader ist gerade der B-Jugend entwachsen, wo er Kapitän der Deutschen Meistermannschaft von Hertha BSC war.

Im Training der Profis hat der Berliner mit sudanesischen Wurzeln trotz seiner Jugend rasch Anschluss an die höhere Geschwindigkeit und Intensität gefunden. Mukhtar hat gegen Dresden (1:0) und 1860 München (3:0) bereits zwei Kurzeinsätze zur allgemeinen Zufriedenheit absolviert. Luhukay will nichts sagen, nur soviel: „Vielleicht gibt es eine Überraschung.“