Die Anhänger von Hertha BSC diskutieren das Thema seit Jahren leidenschaftlich: Wo bleiben bei den Profis die vielen Talente, die der Fußball-Zweitligist in seinen hoch dekorierten Nachwuchsmannschaften ausbildet? Trainer Jos Luhukay treibt die Einbindung der Jungen zielstrebig voran, allerdings ohne großes Aufsehen. Beim 1:1 in Braunschweig standen bei dem Spitzenspiel gleich drei Hertha-Youngster in der Startelf: Manndecker John Brooks (19), Linksverteidiger Fabian Holland (22) und erstmals im linken Mittelfeld Nico Schulz (19).
Schulz ging selbstkritisch mit seiner Leistung um. „Es war ein schwieriges Spiel, Braunschweig hat es uns und auch mir schwer gemacht. Sie haben auf den Seiten viel gedoppelt. Da war es schwer, ein Durchkommen zu finden.“ Nach 67 Minuten holte Luhukay Schulz vom Platz und brachte Sandro Wagner. „Ich war nicht enttäuscht von Nico“, sagte der Trainer. „Aber ich wollte mit Sandro den Druck im Zentrum verstärken.“ Und wie ordnet er die Leistung seines Schützlings ein? „Nico hat seine Ansätze gezeigt. Er hat in der ersten Hälfte unsere bis dahin größte Chance durch Ronny vorbereitet.“
Im zweiten Durchgang konnte Schulz mehrfach seine Dynamik ausspielen, sich auf der linken Seite durchsetzen, aber seine Flanken fanden keinen Abnehmer. „Da haben wir uns weiter nach vorn geschoben, Braunschweig hat sich immer weiter zurückgezogen“, sagte Schulz.
Warten auf Lasogga
Der U20-Nationalspieler ist aus dem Grund in die Startelf gerutscht, aus dem Youngster meist zum Einsatz kommen: Weil einer der Etablieren ausgefallen ist. Schulz spielte, weil Änis Ben-Hatira eine Knöchelverletzung plagt.
John Brooks ist im Einsatz, weil im Abwehrzentrum Maik Franz, Christoph Janker (beide verletzt) und Roman Hubnik (Formkrise) nicht zur Verfügung stehen. „John hat jetzt zum dritten Mal in Folge eine sehr ordentliche Partie abgeliefert“, lobte Michael Preetz. Den Manager freut die Entwicklung unter Trainer Luhukay. „Es ist wichtig, dass die Jungen spielen.“
Ohnehin wird zu dem Trio Schulz, Brooks, Holland zu Beginn des nächsten Jahres noch Pierre-Michel Lasogga stoßen (21). „Dann haben wir vier Spieler, alle um die 20, die Kandidaten für die erste Elf sind“, sagte Preetz.
So weit schaut Schulz noch nicht. Er sieht die Zweite Liga in dieser Saison „ausgeglichener als vor zwei Jahren. Braunschweig, wir, Cottbus, Kaiserslautern, 1860 – es ist spannend.“
Dennoch ist Schulz zuversichtlich. „Wir wissen, dass wir eine starke Mannschaft haben. Wir können jeden Gegner schlagen.“ Diesen Respekt hat er auch bei Eintracht Braunschweig in der zweiten Hälfte ausgemacht, als der Spitzenreiter sich fast nur in der Defensive aufgehalten habe. „Die wollten gar nicht spielen, sondern haben nur gehofft, dass sie kein Gegentor bekommen.“
Die Selbstsicherheit, die seine älteren Kollegen bei Hertha ausmacht, ist auch bei ihm angekommen. Mit Blick auf die Partie am Freitag gegen den FC Ingolstadt sagt Schulz: „Wir spielen zu Hause, in unserem Stadion, mit unseren Fans. Ich rechne mit drei Punkten.“
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