Zweite Liga

Für Andre Mijatovic war „Hertha die beste Adresse“

Er ist Herthas ehemaliger Kapitän: Mit dem FC Ingolstadt kehrt Andre Mijatovicz nun ins Berliner Olympiastadion zurück.

Foto: Matthias Rietschel / dapd

Egal, ob die erwarteten 33.000 Zuschauer im Olympiastadion oder die Fans in der Region: Das Freitagsspiel gilt als sichere Bank. Gegen den FC Ingolstadt zählen für Hertha BSC drei Punkte und sonst nichts. Was soll da schiefgehen? Nach neun Spielen ohne Niederlage hat sich der Aufstiegsaspirant planmäßig oben auf Platz zwei festgesetzt. Doch es gibt einige, die etwas gegen einen sicheren Hertha-Sieg haben. Einer von ihnen ist Andre Mijatovic (32). Der hat sich im Sommer dem FC Ingolstadt angeschlossen. Und sagt: „Wenn wir unsere Stärken abrufen, hat es jeder Gegner schwer. Wir brauchen uns nicht zu verstecken.“ Mijatovic ist keiner, der einfach mal auf die Pauke haut. Die Zahlen belegen seine Aussage: Ingolstadt ist in dieser Saison auswärts ungeschlagen und weist in der Fremde eine Bilanz von drei Siegen und zwei Unentschieden auf. Zudem reisen die Gäste selbstbewusst als Tabellen-Fünfter an.

Mijatovic freut sich auf seine Rückkehr. „Hertha war die beste Adresse meiner Karriere. Ich hatte eine tolle Zeit, war Kapitän der Aufstiegsmannschaft 2011.“

Mijatovic gehört zu jenen Profis, deren Wert von außen häufig unterschätzt wird. Auch bei Hertha hatten die Kritiker anfänglich über den schlaksigen Innenverteidiger gelästert. Technisch limitiert, zu langsam. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Wie wichtig der Kroate für die Mannschaft war, stellte sich heraus, als er verletzt ausfiel: Im Herbst 2010 verlor Hertha in seiner Abwesenheit fünf von sechs Spielen. Der Tabellenführer stürzte mal eben auf Rang fünf ab. Dann kehrte Mijatovic zurück. Der Rest der Saison ist in die Hertha-Historie eingegangen, Stichwort fünfter Bundesliga-Aufstieg.

„Hertha hat den besten Kader“

Ob Markus Babbel oder Michael Skibbe oder Otto Rehhagel – Trainer schätzen Mijatovic wegen seiner Professionalität. Für ihn steht immer der Erfolg mit der Mannschaft im Mittelpunkt. So eloquent Mijatovic sich in der Öffentlichkeit äußert, intern spricht er unverblümt Klartext. Egal, ob die Medien seine Mannschaft hoch- oder runterschreiben, er hat sich seine realistische Sicht auf die Dinge bewahrt. Nach anderthalb erfolgreichen Jahren in Berlin wurmt den Manndecker der Absturz in der vergangenen Rückserie. „Das mit dem Abstieg ist sehr, sehr ärgerlich“, sagte Mijatovic. Er berichtete von einer Begegnung, die ihn aufgebracht hat. Bei einem Vorbereitungsspiel mit Ingolstadt sei Schiedsrichter Felix Brych auf ihn zugekommen und habe sich für seine Fehlentscheidung im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Mönchengladbach entschuldigt. „Sorry, da habe ich falsch gelegen, ihr hattet Recht.“ Beim Stand von 0:0 war der Schiedsrichter in der 100. Minute auf eine Schauspiel-Einlage von Igor de Camargo hereingefallen und hatte Herthas Roman Hubnik Rot gezeigt wegen eines vermeintlichen Kopfstoßes sowie den spielentscheidenden Elfmeter für Gladbach gegeben (Endstand 0:2 n.V.).

Es ist auch kein Geheimnis, dass Mijatovic nach dem Abstieg im Skandalspiel bei Fortuna Düsseldorf (2:2) gern mit Hertha in die aktuelle Saison gegangen wäre. Doch die Sportliche Leitung um Manager Michael Preetz und Trainer Jos Luhukay hat sich für den ebenfalls erfahrenen Maik Franz entschieden, der Vertrag von Mijatovic wurde nicht verlängert.

Das ist längst abgehakt, jetzt schaut Mijatovic nach vorn. „Ich habe sportlich und privat mein Glück gefunden.“ Nach Stationen bei Greuther Fürth, Arminia Bielefeld und jetzt in Ingolstadt kennt er sich aus im Unterhaus. „Im Vergleich zu vor zwei Jahren ist die Qualität in der Spitze etwas weniger gut in der Liga, aber das Rennen um den Aufstieg ist ausgeglichener“, sagte er mit Blick auf Braunschweig, Cottbus, Kaiserslautern oder 1860 München. Über die ehemaligen Kollegen hat Mijatovic eine klare Meinung: „Hertha hat den mit Abstand besten Kader in der Liga, das steht außer Frage.“

Freundschaft ruht für 90 Minuten

Bei der Frage, welcher Hertha-Jahrgang besser war, der vor zwei Saisons mit ihm oder der aktuelle von Trainer Jos Luhukay, kommt Mijatovic ins Grübeln: „Wir hatten eine Topmannschaft mit Raffael und Ramos in Topform, dazu Lasogga. Aber heute ist Hertha in der Breite besser besetzt. Es ist erstaunlich, wie viel Qualität und wie viel Möglichkeiten Hertha allein in der Offensive hat.“ Er steht regelmäßig in Kontakt mit den ehemaligen Mitspielern. „Ich weiß ganz gut, was in Berlin los ist. Aber die Freundschaft wird am Freitag für 90 Minuten beiseite gestellt. Ich bin Profi und gebe jetzt alles für Ingolstadt.“

Seinen Optimismus für die Begegnung am Freitag im Olympiastadion begründet Mijatovic so: „Hertha muss gewinnen, wir wollen gewinnen. Das ist ein großer Unterschied.“