Hertha BSC

Jos Luhukay setzt auf seine Pitt Bulls Pekarik und Holland

Herthas Trainer vergleicht seine Verteidiger mit Hunden - und meint das absolut positiv. In der Abwehr setzt er auf Stabilität.

Streng genommen ist die Abwehr von Hertha BSC eine Ansammlung von Improvisationen. Innenverteidiger Fabian Lustenberger ist gelernter defensiver Mittelfeldspieler, ebenso wie Fabian Holland auf der linken Abwehrseite. Und Peter Pekarik, 43-maliger slowakischer Nationalspieler, wurde am 31. August, dem letzten Tag der Sommer-Transferperiode, verpflichtet, um die Problemzone rechts in der Abwehr zu schließen. Nach dem mittlerweile elften Spieltag der Zweiten Liga gerät Luhukay bei seiner Vierer-Kette, zu der noch John Brooks gehört, regelrecht ins Schwärmen. „Wir haben Sicherheit gefunden, Stabilität und Vertrauen.“

Allerdings muss Hertha wegen des Ausfalls des Gelb-gesperrten Kapitän Peter Niemeyer am Freitag gegen Ingolstadt umstellen. Die naheliegende Lösung wäre, Lustenberger auf seine angestammte Position im Mittelfeld vorzuziehen, und den tschechischen Verteidiger Roman Hubnik ins Abwehrzentrum zu stellen. Doch Luhukay hat die anfänglichen Schwierigkeiten nicht vergessen. In den ersten vier Saisonspielen kassierte Hertha sieben Gegentore, viel zu viele für einen Aufstiegskandidaten. Wer dem Trainer zuhört, gewinnt den Eindruck, die Lösung des Problems hat damit zu tun, dass Hertha auf den Hund gekommen ist.

So stand in den letzten sieben Begegnungen vier Mal die Null, Torwart Thomas Kraft musste nur vier Mal hinter sich greifen. „Wenn etwas gut ist, wechsele ich nicht gerne“, sagte Luhukay. „Wir hatten am Anfang unsere Probleme rechts hinten, im Zentrum und links.“ Vor allem seine Außen haben es dem Trainer angetan. „Unsere Kleinen, ich nenne sie die Pit Bulls, schalten jede Woche ihre Gegner aus.“

Kaum gegnerische Flanken

Dazu passt die Statistik. Kein Zweitligist lässt derzeit so wenig gegnerische Flanken zu wie Hertha. „Das hat wahrscheinlich mit den beiden Terriern zu tun. Ich meine das positiv. Die haben sich gefunden. Seit Peter da ist, ist die rechte Seite defensiv gesehen zu. Fabian macht das auf links hervorragend. Beide haben eine unglaubliche Sicherheit.“

Hier gilt es einen Moment inne zu halten. Womit vergleicht Luhukay seinen Außen Pekarik und Holland nun: mit Pit Bulls oder mit Terriern? Das ist ein erheblicher Unterschied. Pit Bulls wurden im 19. Jahrhundert in den USA gezüchtet, um in kürzester Zeit möglichst viele Ratten zu töten. Die 25 Kilo schweren Hunde, eine Kreuzung aus Bulldogge und Terrier, sind nach diversen Zwischenfällen gefürchtet und stehen in Berlin auf der Liste von Kampfhunden, die nur mit Maulkorb ausgeführt werden dürfen. Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass das Problem zumeist der Mensch ist. Weshalb darüber diskutiert wird, einen Hundehalter-Führerschein einzuführen.

Bei dem von Luhukay erwähnten Terrier indessen denkt man an ein putziges Tier, wie den aus der Comic-Serie „Tim und Struppi“ bekannten Foxterrier. Vom Auftreten her haben Pekarik (1,76 m groß) und Holland (1,72 m) wenig Furchteinflößendes an sich. Sie sind im Gespräch aufmerksam und höflich. Im Spiel sind sie aufgrund ihrer technischen Ausbildung in der Lage, trotz Bedrängnis einen gepflegten Ball aus der Abwehr heraus zu spielen. Die Vorstellung des rustikalen Treters wird nicht erfüllt.

Andere Lösung, um Niemeyer zu ersetzen

Das soll aber nicht über eine andere Qualität hinwegtäuschen, die Trainer Luhukay bei Pekarik und Holland ausgemacht hat. „Sie beißen sich völlig in den Gegner fest und lassen wenig zu.“ Das hat mit Härte und Schnelligkeit zu tun. Dazu gehört eine Portion Unerbittlichkeit, die Gegenspieler partout nicht zur Entfaltung kommen zu lassen, wie zuletzt gegen Spitzenreiter Braunschweig (1:1) geschehen.

Luhukay macht den Eindruck, als wolle er seine gerade gewonnenen Stabilität in der Abwehr nur ungern auseinanderreißen: „Es gibt andere Lösungen, um Peter Niemeyer zu ersetzen.“ So kann auch Ronny im defensiven Mittelfeld spielen.

Mag sein, dass sich der Vergleich des Trainers seiner beiden Verteidiger sowohl mit einem Pit Bull als auch einem Terrier ganz anders erklärt: Vielleicht ist Luhukay Katzenfreund?