Zum Pessegespräch war der ranghöchste Angestellte von Hertha BSC erschienen: Michael Preetz, der Geschäftsführer für die Bereiche Sport und Medien/Kommunikation. Wo sonst zu Wochenbeginn einzelne Profis das Wort haben, versuchte diesmal Preetz (44) zurückzugewinnen, was Hertha seit Mitte November abhanden gekommen ist – die Hoheit über die Kommunikation. Aufhänger war ein verunglückter Text des Managers am Sonntag auf der Hertha-Homepage. Unter der Überschrift „Ich denke immer positiv“ war eine Mischung aus Stellungnahme, Emotionen und Interview publiziert worden. Beginnend mit dem Satz: „Liebe Hertha-Fans, hier spricht Michael Preetz (…)“, interviewte Preetz in der zweiten Hälfte der Veröffentlichung sich selbst. Und beantwortete seine Frage, was im Fall eines Abstiegs passiert: „Dazu werde ich keine Antwort geben, weil ich immer positiv denke.“
Fans kritisieren auf der Facebook-Seite
Für diesen Auftritt hatte es bundesweit Spott gegeben. Am Dienstag bekannte Preetz: „Ja, was auf der Homepage steht, das habe ich verfasst. Ich habe meine Gedanken zum 1:4 gegen den VfL Wolfsburg und zur Situation aufgeschrieben.“ Dem Hertha-Manager ist nicht entgangen, dass die Äußerungen etwa auf der Facebook-Seite des Vereins mehrere hundert Kommentare ausgelöst hatten, rund 70 Prozent mit kritischem Tenor.
„Wie die Reaktion da ausfällt, das ist nichts, wovon wir uns beeinflussen lassen können“, sagte Preetz. Und zum Ort der Veröffentlichung: „Es ist unser gutes Recht, dass wir unser eigenes Medium benutzen, um mit den eigenen Anhängern zu kommunizieren.“ Um den Manager aus der Schusslinie zu holen, legte der Verein am Montagabend auf der Homepage noch einmal nach, veröffentlichte das Preetzsche Telefonprotokoll vom Wochenende, um den Vorwurf zu widerlegen, der Manager begebe sich auf Tauchstation.
Schlammschlacht nach Babbel-Entlassung
Alles Versuche, die Falle zu umgehen, in die Hertha seit vergangenem November immer wieder tappt. Der Unterschied zwischen ‚gut gemeint’ und ‚gut gemacht’ ist manchmal klein, die Auswirkungen aber sind verheerend. Herthas bundesweite Außendarstellung ist seit der Schlammschlacht, in der die Ära Markus Babbel kurz vor Weihnachten endete, ein Desaster. Auch wenn es der Ex-Trainer war, der seinen Rauswurf mit Lügenvorwürfen gegen Preetz und Präsident Werner Gegenbauer erzwang, die Wahrnehmung seither ist: Bei Hertha geht es drunter und drüber. Eine Entwicklung, die der Manager zu stoppen versucht. Aber der Versuch von Preetz, mit Trainer Michael Skibbe in die Erfolgsspur zu finden, scheiterte spektakulär. Nach sechs Niederlagen in sechs Spielen wurde der eben Angeheuerte im Februar wieder gefeuert. Mit Otto Rehhagel (73) wurde ein Erfolgscoach aus dem Ruhestand geholt, der seit zwölf Jahren nicht mehr in der Bundesliga gearbeitet hatte. Statt aufwärts ging es abwärts. Längst hat sich das Vorhaben erledigt, das Preetz noch im November auf der Mitgliederversammlung bekräftigt hatte: Er setze bei der Trainer-Frage auf Kontinuität.
Nach einer sehr ordentlichen Hinrunde ging der sportliche Absturz, der auf Abstiegsrang 17 geführt hat, einher mit internen Verwerfungen. Trotz diverser Aussprachen (auch mit dem Manager) wurden immer wieder Interna aus dem Mannschaftskreis in die Öffentlichkeit lanciert – Geschlossenheit im Überlebenskampf sieht anders aus. Wie immer, wenn es schlecht läuft, kommen Kritiker um die Ecke. Ex-Trainer Babbel, unter dem der Abschwung im vergangenen Oktober begonnen hatte, stichelt in „Sport Bild“: „Mir war schon klar, dass die Rückrunde schwieriger als die Hinrunde wird. Andererseits bin ich mir auch sicher, dass wir mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit die Klasse gehalten hätten, da die Mannschaft und das Trainerteam richtig gut funktionierten.“ Ex-Trainer Skibbe beschwerte sich öffentlich, der Manager hätte zu viel in seine Arbeit hineingefunkt.
Gegenbauer schießt gegen Trittin
Der sonst so besonnene Präsident Gegenbauer sorgte Anfang März bundesweit für Schlagzeilen, als er auf Kritik vom Grünen-Politiker (und Rehhagel-Fan) Jürgen Trittin am Hertha-Management antwortete: „Als Berliner sage ich: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.“
Die Bild-Zeitung führt Hertha auf Rang zwei, allerdings in der „Chaos-Tabelle der Bundesliga“. Nur der 1. FC Köln sei noch schlechter geführt. „Sport Bild“ kürte Preetz zum schlechtesten Manager der Liga. Harte Zeiten für Herthas Rekord-Torjäger. Was er macht, scheint verkehrt. Dabei steht die Identifikation von Preetz mit dem Verein außer Frage. Er gilt (außer bei den Ex-Trainern Favre und Babbel und Ex-Manager Dieter Hoeneß) als ehrliche Haut. Preetz hat sich seit der Verpflichtung von Rehhagel weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Aus Überzeugung, es gelte nun, intern mit der Mannschaft zu arbeiten. Da auch Präsident Gegenbauer selten zu hören ist, wirkt Hertha ausgerechnet in der wichtigsten Phase der Saison, im Überlebenskampf, wie ein Verein mit eklatanter Führungsschwäche.
Dass er es besser, offensiver kann, zeigte Preetz am Dienstag. Er warb um Verständnis. „Wir wollen uns für diese letzten sechs Spiele fokussieren und konzentrieren.“ Denn, das geht im Tohuwabohu nach dem 1:4 gegen Wolfsburg unter: Für Hertha ist sowohl Relegationsplatz 16 (zwei Punkte entfernt) als auch Platz 15 (vier) noch erreichbar. Preetz: „Die Lage ist ernst, aber nicht aussichtslos.“ Preetz will für Hertha das Beste. Aber ihm ist auch klar, dass er daran gemessen wird, wo der Aufsteiger am Saisonende landet.





