Mit einem Freund an seiner Seite wird Änis Ben-Hatira im Olympiastadion auflaufen. Vielleicht. Ganz sicher ist das nicht. Dafür müsste sich Herthas Trainer Pal Dardai durchringen, ihn gegen Schalke 04 an diesem Sonnabend (15.30 Uhr/im Liveticker bei immerhertha.de) aufzustellen. Aber die Chancen stehen gut.

Für Ben-Hatira wäre das eine feine Sache. Er war ja wieder länger verletzt. Das letzte Mal, als der 26-Jährige in der Startelf stand, liegt zweieinhalb Monate zurück. Für den Gefährten an seiner Seite wäre es eine große Sache: Jannik ist acht und hat gerade eine Chemotherapie überstanden. Ben-Hatira hat ihn bei seinem Kampf gegen den Krebs begleitet. Nun begleitet Jannik Ben-Hatira beim Einlaufen, wenn alles nach Plan läuft.

Mit einem Freund an seiner Seite wird Änis Ben-Hatira im Olympiastadion einlaufen. Vielleicht. Ganz sicher ist das nicht. Dafür müsste sich Schalkes Trainer Robert Di Matteo durchringen, Kevin-Prince Boateng aufzustellen. Aber die Chancen stehen nicht so gut. Für Boateng wäre es eine feine Sache. Er wuchs in Berlin auf und bei Hertha zum Profi heran, bis er 2007 als 20-Jähriger zu den Tottenham Hotspur wechselte. Nun kehrt er mit Schalke zum zweiten Mal in seine Heimatstadt zurück. Beim ersten Besuch vor anderthalb Jahren kam er als Anführer und Stareinkauf. Als jemand, dessen Karriere mit der Premiere League, der WM 2010 für Ghana und dem AC Mailand Ben-Hatiras deutlich überstrahlte.

Vom Anführer zum Ersatzspieler

Die Wege Boatengs und Ben-Hatiras verliefen lange parallel. Zunächst bei den Reinickendorfer Füchsen, dann bei Hertha in der Jugend, in derselben Schule und im Fußballkäfig im Wedding, wo beide aufwuchsen. „Diese intensive Zeit hat uns zusammengeschweißt“, sagte Ben-Hatira dieser Zeitung. „Kevin wird für mich immer wie ein Bruder sein.“

Aber die Wege trennten sich 2005. Ben-Hatira ging zu Tennis Borussia Berlin, dann zum HSV und kehrte 2011 zu Hertha zurück. Er galt als guter, aber nicht als herausragender Spieler. Bei Boateng war das anders: 2011 spielte er Champions League mit Milan, wechselte 2013 für zehn Millionen Euro zu Schalke und ist dort mit einem geschätzten Jahresgehalt von acht Millionen Euro der Großverdiener. Er hat es zu Weltruf gebracht – wovon auch Ben-Hatira träumte.

Aber Boatengs Ruf als ein Spieler, dessen Präsenz ihn stets ins Zentrum seiner Mannschaft rückt, hat nun ziemlich gelitten. Bei Schalke ist er nicht mehr erste Wahl. Der junge Max Meyer hat ihn vorerst abgelöst, und Boateng sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, er sei zu langsam und teuer. Zuletzt setzte ihn Di Matteo auf die Bank, und Schalke brillierte gegen Hoffenheim (3:1) und Real Madrid (4:3). Davor hatte S04 mit Boateng in der Startelf dreimal verloren – darunter im Derby gegen Dortmund (0:3).

Gerüchte über einen Abgang Boatengs

Über den einst Gefeierten wurde nun geschrieben, Schalke würde ihn gern loswerden. Und weil im Sportjournalismus mancherorts gern übertrieben wird, hieß es, Schalke würde ihn auch verschenken, um das Gehalt zu sparen. In der öffentlichen Wahrnehmung ist Boateng wieder in Richtung Ben-Hatira geschrumpft – also ein guter, aber kein herausragender Spieler mehr.

Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass Boateng in Berlin von Beginn an aufläuft. Weil Marco Höger angeschlagen ist, könnte Boateng seinen Platz einnehmen. Wenn es so kommt, trifft er nicht nur auf seinen alten Freund Ben-Hatira, sondern auch auf seinen Nebenmann vergangener Tage: Als Hertha 2006 zum bisher letzten Mal gegen Schalke gewann, standen Pal Dardai und Boateng noch gemeinsam im Berliner Mittelfeld. Heute ist Dardai Trainer bei Hertha und sagt: „Kevin ist ein guter Junge, der immer fleißig war. Wenn er spielt, werden wir deshalb aber nicht unser System verändern.“

Ben-Hatira hat nur Luft für 60 Minuten

Jenes System sieht wohl auch Ben-Hatira im linken Mittelfeld vor. Nach seiner Zehenverletzung steht er seit zweieinhalb Wochen wieder im Mannschaftstraining. „90 Minuten sind noch zu viel für Änis. Aber eine Halbzeit oder 60 Minuten gehen. Er hat gut trainiert und auch mit einem Fitnesstrainer gearbeitet. Er hat es verdient, zum Einsatz zu kommen“, sagt Dardai.

Mit vier Vorlagen ist Ben-Hatira nach Valentin Stocker (sieben) der zweitbeste Vorbereiter der Berliner, obwohl er nur zwölf Spiele bestritten hat. Und weil er dazu auch drei Tore erzielte, gehört er zu den torgefährlichsten Spielern im Kader. Dardai würde deshalb ungern auf ihn verzichten. Bei Schalkes Di Matteo und Boateng kann man sich da nicht mehr so sicher sein.